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  • Brief aus Havanna

    geschrieben am 21. Februar 2011 von Jens Berger

    Mal wieder pleite
    Aktuelle Eindrücke und Schicksale von einer Insel, die so vollkommen verrückt, naiv, kapitalistisch und rassistisch ist wie immer.

    ein Gastartikel von Theo Südermann*

    Februar 2011: Das Bild der Regierungstagung in der Parteizeitung „Granma“ ist Symbol. Raúl Castro sitzt in voller Uniform frontal vor der Ministerriege, die wie eifrige Gymnasiasten die Worte des Vorbeters notiert. Und die sind deutlich: „Wichtigste Aufgabe jetzt ist es, die Verschuldung und das Defizit zu stoppen.“ Der neue Chef des Castro-Familienbetriebs Kuba hat zwar nicht bei Peer Steinbrück oder Ifo-Sinn gelernt, doch der in Kuba als Militär- und Wirtschaftsexperte geltende Raúl Castro verkündet, was die Kassenlage gerade als Sachzwang diktiert und das hat – wie in Deutschland – für viele Menschen drastische Folgen. Über eine halbe Million Kubaner wurden aus der staatlichen Industrie und Verwaltung entlassen. Man stelle sich vor, in Deutschland würden mal mit einem Federstrich vier Millionen Beschäftigte auf die Straße befördert. In Kuba kommt erschwerend hinzu, dass die Menschen hier zum Teil “realmente” auf die Straße gesetzt werden und ausserdem nicht aus einem normalen Unternehmen stammen, sondern eher aus einer Mischung von Hartz-IV-Beschäftigungsgesellschaft und behüteter Werkstatt. Danach ist nichts mehr, wie es war. Mitten aus dem Sozialismus werden sie in eine kleinkapitalistische Gesellschaft befördert. Und wie in SPD-Schröderdeutschland vor zehn Jahren sollen sie nun kleine Unternehmen gründen. Hasta la Ich-AG siempre!

    Maxi hat eine Idee. Jetzt wo er seinen Job im „Marketing“ eines staatlichen Tourismusunternehmens verloren hat, will er in Gold investieren. Nicht, dass er auch nur einen einzigen Cent hätte, um investieren zu können. Im Moment ist er froh, wenn er mit gelegentlich auf der Straße akquirierten Spontanführungen vor allem für US- und kanadische Touristen so zehn bis 15 CUC (Peso convertible – praktisch an den Dollar angeschlossene Währung in Kuba für Touristen und Ausländer) pro Woche verdient. Aber er ist schon jetzt ganz sicher. Wenn er erstmal etwas Geld gespart hat, dann wird er in Gold investieren. Denn neben einer ganz grundsätzlichen Zukunftsangst plagt ihn vor allem die Sorge um die Entwertung des Geldes, welches er nicht hat. Um seine Entscheidung abzusichern, fragt er: „Glaubst du, der Goldkurs kann auch wieder fallen? Ich denke, Gold ist eine gute Investition, das Geld wird sicher wertlos werden“. Weltökonomie ist Maxi vertraut, folglich wird nicht nur er von einer visionären neuen Urangst aller besitzlosen Kubaner vor Inflation geplagt. Er hat noch weitere schwerwiegende Nachteile für den Start in die Selbstständigkeit: Er ist schwarz und kann trotzdem nicht tanzen. Eine Kombination, die auf der Insel eine wenig gute Sozialprognose mit sich bringt. „Meine Frau tanzt wie verrückt und schimpft immer mit mir”, klagt er. „Schwarz sein und nicht tanzen können ist wirklich peinlich.“ Da hilft es auch nicht, dass er exzellent Englisch spricht und als einer der wenigen schwarzen Kubaner mit einer reinrassig Weissen verheiratet ist.

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    138 Kommentare

    Doktor der Vergesslichkeit

    geschrieben am 20. Februar 2011 von Jens Berger

    ein Gastgedicht von Kaiserbubu:

    Himmel, a pro po und Zwirn
    Minister, schwafelt, Leck im Hirn
    Doktorarbeit gar nicht gut
    Theo trotzt, trotz blauem Blut

    Minister Lügen, Schwarz gedruckt
    Plagiate abgeguckt
    Abgekupfert ist sein Wissen
    Doktor Theo hat beschissen

    Kundus, Kerner, die Gorch Fock
    Schießt er weiter Bock für Bock
    Schneidig, Schnittig und geschliffen
    Hat er nun ins Klo gegriffen

    A Priori Coverboy
    Vor den Medien plötzlich scheu
    Sieben Jahre Kleinarbeit
    Doktor der Vergesslichkeit

    Deutscher Adel leidet sehr
    „Unser Theo machts nicht mehr“
    Leitkultur total im Arsch
    Halbmast Flaggen, Trauermarsch

    Wär der Theo nicht so schön
    Müsste er schon lange gehen
    Frau der Mitte ist betört
    Dunkeldeutsche sind verstört

    „Ist doch alles gar nicht schlimm“
    „Das macht alles gar kein Sinn“
    „Verschwörung aus der linken Ecke“
    Hadern alte Seilschaft Säcke

    Deutscher Michel Berlusconi
    Gibt dem Theo weiter Boni
    Woll’n den alten Kaiser haben
    Sich in Glanz und Gloria baden

    Untertänigst, gnädig, danken
    AC/DC’s Musik tanken
    Deutschlands Adel ganz modern
    Guttenbergs wär’n das so gern

    Stolperfallen, Superpaar
    Ausgerutscht, gegeltes Haar
    Gattin glänzt im Glamour Look
    Friedenspanzer unter Druck

    Vorbildfunktion nicht vorhanden
    Manches wurde falsch verstanden
    Angezählt ist seine Zeit
    Doktor der Vergesslichkeit

    Rücktritt wär jetzt angesagt
    Doch den hat er wohl vertagt
    Würd’ er würdevoll abdanken
    Wies er manche in die Schranken

    Schon klebt er an seinem Sessel
    und erhöht den Druck im Kessel
    Hoffentlich kein Ehrenwort
    Das endet Feucht und man ist fort

    Das inszeniert er dann medial
    Darin war er mal genial
    Er setzt sich einfach in die Wanne
    Mal bei Maybritt, mal bei Anne.

    Kaiserbubu

    86 Kommentare

    Der Lügenbaron

    geschrieben am 19. Februar 2011 von Jens Berger

    „Ich habe [...] zu keinem Moment bewusst getäuscht“ – Dr. jur. a. D. Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg am Freitag, den 18. Februar 2011, in seiner öffentlichen Erklärung

    Was ist Täuschung und was ist Lüge? Natürlich gehört die Täuschung – nicht nur, aber auch – in der Politik zum Alltag. Daran ist per se auch nichts verwerflich. Mit der vorsätzlichen Lüge verhält es sich hingegen schon etwas anders. Besonders problematisch wird die vorsätzliche Lüge dann, wenn sie im Rahmen eines Ehrenworts abgegeben und später als Lüge enttarnt wird. Die meisten Politiker sind jedoch Profi genug, um nicht in die Ehrenwort-Falle zu tappen. Erst wenn ein Politiker mit dem Rücken zur Wand steht, ist das Ehrenwort oft der letzte Ausweg aus einer aussichtslosen Situation, ein Vabanquespiel. Guttenberg steht aufgrund der Plagiatsvorwürfe mit dem Rücken zur Wand und hat sich entschieden, va banque zu spielen, eine sehr riskante Taktik, die ihm unter Umständen das Genick brechen könnte, da der Tatbestand der bewussten Täuschung bei seiner Dissertation augenfällig bereits jetzt in mindestens zwei Fällen erfüllt ist.

    1. Streichung der Initialen des Originalautoren

    Dazu ein Artikel in der Rheinischen Post:

    Ein nicht gekennzeichnetes Zitat, die unserer Redaktion zugespielt wurde, ist dabei besonders interessant: Zu Guttenberg übernimmt – wie an vielen anderen Stellen auch – großzügig weite Passagen des Arbeitspapiers “Europa zwischen rechtlich-konstitutioneller Konkordanz und politisch-kultureller Vielfalt”. Der Text von Stefan Schieren, Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, erschien 2002 in dem Buch “Verfassungspolitik in der Europäischen Union” und ist im Internet veröffentlicht.
    Arbeitspapier und Autor werden an keiner Stelle in der Dissertation erwähnt. Zu Guttenberg hat den Text an einer entscheidenden Stelle geändert. Bei einem in Klammern gesetzten Hinweis wurden die Initialen des Originalautors entfernt. Aus “(i. e. Art. 100a EGV, St.S.)” ist in der Guttenberg-Version “[i. e. Art. 100a EGV]” geworden. Das weist auf Vorsatz hin.

    Da kann man dem RP-Autoren Stephan Dörner nur zustimmen. Bei Dissertationen ist es vollkommen normal und auch gewollt, dass solche Textpassagen aus akademischen Arbeitspapieren zitiert werden. Diese Zitierung in den Fußnoten zu vergessen, mag eine Eselei sein, solange es nicht systematisch passiert wie im Falle zu Guttenberg. Die Originalzitate in der Art zu manipulieren, dass der Leser nicht mehr auf den Urheber schließen kann, ist jedoch Vorsatz und somit eine “bewusste Täuschung”

    2. Inhaltliche Manipulation von Zitaten, um die Urheberschaft zu verscheiern

    Der von zu Guttenberg in dessen Einleitung ohne Fußnote übernommene Originaltext von Barbara Zehnpfennig beginnt wie folgt:

    „E pluribus unum“, „Aus vielem eines“ – so lautete das Motto, unter dem vor rund 200 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden. …”

    In Guttenbergs Dissertationsschrift heißt es:

    „E pluribus unum“, „Aus vielem eines“ – so lautete das Motto, unter dem vor über 215 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden. … ”

    Abgesehen davon, dass weder Zehnpfennig noch zu Guttenberg die lateinische Redewendung korrekt übersetzt haben (es muss “Aus vielen eines” heißen), fällt hier natürlich die Modifikation der Jahresangabe auf. Zehnpfennigs Artikel ist im Jahre 1997 erschienen, die US-Verfassung, auf die sie Bezug nimmt, wurde im Jahr 1787 unterzeichnet – Zehnpfennig war also bereits zehn Jahre im Verzug, vielleicht hatte sie diesen Passus ja selbst aus einem älteren Artikel kopiert? Guttenberg korrigerte die Zeitangabe jedoch bewusst auf die – zum Zeitpunkt seiner Dissertation – korrekte Angabe “215 Jahre”.

    Hätte er wörtlich aus Zehnpfennigs Artikel zitieren wollen und schlichtweg die Fußnote vergessen, so hätte er – nach akademischen Regeln – auch die (falsche) Jahresangabe übernehmen müssen. Das hat er nicht getan, was ein ganz klares Indiz dafür ist, dass er nie vorhatte, Zehnpfennigs Zitat als solches kenntlich zu machen. Auch dies ist zweifelsohne Vorsatz und eine “bewusste Täuschung”.

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    Die Angst der Hamburger SPD vor dem Wähler

    geschrieben am 18. Februar 2011 von Jens Berger

    Wenn man in Deutschland das Phänomen der Parteienverdrossenheit analysiert, richtet sich der Fokus meist relativ schnell auf die undemokratische Zusammenstellung sogenannter Wahllisten. Solche Listen werden von den Parteien aufgestellt und meist nach parteiinternen Befindlichkeiten ausgekungelt. Dem Wähler bleibt bei einer solchen Listenwahl dann nur noch die Alternative, die komplette Liste anzunehmen oder eben abzulehnen. Vor allem für jüngere oder kontroversere Kandidaten stellt dieses Listenwahlsystem sehr oft ein unüberwindbares Hindernis dar. Von den Parteispitzen wird es ganz im Sinne der Methode “Zuckerbrot und Peitsche” nur allzu oft als Disziplinierungsmittel für die eigenen Reihen eingesetzt – wer gegen den Strom schwimmt, bekommt einen hinteren Listenplatz, wer artig ist, rückt mit der Zeit in der Liste auf. Wen interessiert schon der Wähler?

    Um die Demokratie zu stärken, wurde das kommunale Wahlrecht in den meisten Bundesländern zu einem Personen-Mehrstimmensystem reformiert – der Wähler kann durch Kumulieren und Panaschieren seine Stimmen unabhängig vom Listenplatz auf die Kandidaten seiner Wahl verteilen. In den Stadtstaaten Bremen und Hamburg ist es nun auch möglich, sich bei den Bürgerschaftswahlen seine eigenen Kandidaten aus den Parteienlisten auszuwählen. Diese Wahlrechtsreform war in Hamburg Folge eines langen Kampfes verschiedener Bürgerinitiativen, der in einem erfolgreichen Volksbegehren gipfelte. Die Bürger wollen die freie Wahl haben, während die Parteien um ihre Macht fürchten und die Reform des Wahlrechts nach ihren Möglichkeiten hinter den Kulissen bekämpfen. Vor allem die SPD positioniert sich in diesem Kontext einmal mehr als Gegnerin einer offenen Demokratie.

    Wie Recherchen der Internetplattform abgeordnetenwatch.de ergaben, existiert in Hamburg eine verpflichtende Richtlinie für Bürgerschaftskandidaten der SPD, die nahezu sämtliche Wahlkampfaktivitäten der Kandidaten, die sich potentiell zum Nachteil anderer Listenkandidaten der SPD auswirken könnten, untersagt – aus “Fairnessgründen”, versteht sich.

    Alle Bewerber/innen um eine Kandidatur verpflichten sich vor Einreichung der Wahlvorschläge beim Landeswahlamt durch Unterschrift zur Einhaltung dieses Verhaltenskodex. [...]
    Es muss … vermieden werden, dass die Reihung, über die die aufstellenden Gremien der Partei entschieden haben, durch welchen Mittelsatz auch immer (Geld, Personal, Werbematerial oder persönliche Ansprache) einer/eines einzelnen Wahlkreis- bzw. Landeslistenkandidatin bzw. und -kandidaten zulasten einer/s anderen Kandidierenden verändert wird.

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    Aristokratische Brauchtumspflege

    geschrieben am 17. Februar 2011 von Jens Berger

    eine Gastglosse von Holdger Platta

    Baron von Guttenberg wird vorgeworfen, daß er abgeschrieben hat. Geistiger Diebstahl also, aber was wundern wir uns? Der Geist des Diebstahls hat den Adel einstens ja großgemacht. Heißt: unser neuester Held aus der bundesdeutschen Gel-Edelgalerie hat nur nachexerziert, auf bürgerlichem Terrain, was die Vorfahren über viele Jahrhunderte hinweg vorexerziert haben – auf aristokratischem Gebiet: anderen Menschen deren Eigentum zu klauen, den Zehntteil von allem, was ihre Bauern erwirtschaftet hatten, sowie die Jungfräulichkeit der bürgerlichen Bräute aus ihrem Territorium gleich mit. Keine Aufregung also: daß Herr von Guttenberg MitbürgerInnen bestohlen hat, dies steht in bester alter Tradition und ist nichts anderes als Brauchtumspflege auf Aristokratenart!

    Witzig scheint mir deswegen nur, daß eine der bestohlenen WissenschaftlerInnen ausgerechnet „Zehnpfennig“ heißt! Wer es nicht wissen sollte: auf genau diese bäuerliche Abgabepflicht des Zehnten gegenüber dem Adelsherren geht dieser Name „Zehnpfennig“ zurück! Was bedeutet: Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig ist mit diesem Beklautwerden durch Herrn von Guttenberg lediglich in die eigene Familientradition des Beklautwerdens zurückgekehrt.

    Da sage noch einer, die Geschichte habe keinen Humor und wiederhole sich nicht!

    Holdger Platta

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