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  • Die Pro-Guttenberg-Kampagne im Zwielicht

    geschrieben am 23. Februar 2011 von Jens Berger

    Die BILD-Zeitung ist ja bereits seit längerem für ihre innige und unverbrüchliche Freundschaft zum ehemaligen Unions-Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt. Egal, was zu Guttenberg vorgeworfen wird, die BILD steigt für den adeligen Hoffnungsträger des Neokonservatismus in den Ring. Selbstverständlich macht sich die BILD auch in bester Nibelungentreue bei der Verteidigung des Selbstverteidigungsminister stark, seit er durch seine abgeschriebene Dissertation ins Sperrfeuer der öffentlichen Kritik geriet. BILD ist das Blatt des Volkes. Was das Volk eigentlich will, schert zwar die BILD nicht. Dafür legt die BILD aber größtes Interesse darauf, dass das Volk will, was die BILD will. Nur will das Volk leider trotz massiver BILD-Propaganda dem ehemals beliebtesten Politiker Deutschlands offenbar nicht länger die Stange halten. In einer Online-Umfrage der BILD, an der sich – laut BILD-Angaben – sensationelle 619.000 Leser beteiligt haben, stimmen 55% der Leser dafür, dass zu Guttenberg zurücktreten soll. Nur 36% folgen der BILD-Meinung, er mache seinen Job gut. Sogar in Springers Guttenberg-Fan-Postille vertritt also die Mehrheit der Leser offenbar die Meinung, Guttenberg solle zurücktreten. In anderen Medien, wie beispielsweise tagesschau.de, fällt die Guttenberg-Ablehnung noch deutlich größer aus.

    Was nicht passt, wird passend gemacht

    Natürlich würde die BILD gerne schreiben, dass das Volk bis zum bitteren Ende mehrheitlich treu hinter Guttenberg steht – nur fehlen ihr dafür ganz offensichtlich die Daten. Wenn schon die eigene Leserschaft online anderer Meinung ist, so muss man halt offline fragen. Genau das tut die BILD-Zeitung heute groß angelegt via Titelseite. “Heute stimmt Deutschland ab! Der Guttenberg-Entscheid!” Interessierte können ihre Stimme per Telefon (kostenpflichtig), Fax (kostenpflichtig) oder per Brief (kostenpflichtig) abgeben – die Stimmabgabe über das Netz oder per E-Mail ist nicht vorgesehen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Wenn es also schon nicht mit den “normalen BILD-Lesern” klappt, dann sollte es doch gefälligst mit den Lesern, die dumm genug sind, für eine Umfrage auch noch Geld auszugeben, wohl besser klappen. Um die Leser auch auf die richtige Stimmgabe einzuschwören, trommelt die BILD natürlich in der gleichen Ausgabe wieder einmal kräftig für ihren Helden und suggeriert dabei – sachlich falsch -, dass hier die Meinung der Mehrheit des Volks gegen die Meinung der Politik und der Medien stünde. Wobei es schon mehr als paradox erscheint, dass sich die BILD offensichtlich selbst nicht zu den Medien rechnet. Spannend ist jedoch die Frage, was die BILD mit dem Ergebnis des großen “Guttenberg-Entscheids” machen wird, wenn das Votum nicht im Sinne der BILD ausfallen sollte.

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    Ein Cable aus Kairo

    geschrieben am 23. Februar 2011 von Jens Berger

    Gestern wurde ich per Mail auf ein Cable aufmerksam gemacht, dass kürzlich vom Telegraph veröffentlicht wurde und in dem die US-Behörden sich über die US-Reise eines ägyptischen Aktivisten austauschen. Dieses Treffen fand im Dezember 2008 in New York statt und wurde von verschiedenen privaten Sponsoren und dem US-Außenministerium unterstützt.

    Dabei sei angemerkt, dass solche internationalen Treffen keine Ausnahme sind und es häufiger passiert, dass Demokratie-Aktivisten aus Diktaturen, die vom Westen unterstützt werden, ausgerechnet von den Außenministerien dieser Länder zum Erfahrungsaustausch eingeladen werden. Ich selbst hatte im letzten Jahr das Vergnügen, auf einer Veranstaltung des auswärtigen Amtes vor einer internationalen Blogger-Gruppe (es war auch ein Vertreter aus Ägypten eingeladen) über das politische Web 2.0 in Deutschland zu referieren und im Rahmen der Veranstaltung auch Hintergrundgespräche mit den Gästen zu führen, die erstaunlicherweise mit mir mehr Überschneidungspunkte hatten als mit dem Auswärtigen Amt. Von daher kann ich die Überschrift des Telegraphs (“Geheime US-Dokumente enthüllen Unterstützung für Demonstranten”) auch nicht so recht nachvollziehen, zumal aus dem Cable klar hervorgeht, dass der eingeladene Aktivist alles andere als zufrieden mit der Politik der USA und der involvierten NGOs ist:

    xxxxxxxxxxxx asserted that Mubarak derives his legitimacy from U.S. support, and therefore charged the U.S. with \”being responsible\” for Mubarak’s \”crimes.\”
    He accused NGOs working on political and economic reform of living in a \”fantasy world,\” and not recognizing that Mubarak — \”the head of the snake\” — must step aside to enable democracy to take root.

    Ginge es nur um diesen Besuch, wäre das Cable wertlos und nichtssagend. Doch es enthält eine Passage, die hochinteressant ist und den meisten Expertenstatements diametral widerspricht:
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    Aufrüsten im Kampf um die virtuelle Meinungshoheit im Netz

    geschrieben am 22. Februar 2011 von Jens Berger

    Geleakte Mails eines amerikanischen IT-Sicherheitsdienstleisters legen nahe, dass Spezialisten bereits an Softwarelösungen arbeiten, mit denen die Diskussion in sozialen Netzwerken manipuliert werden soll

    Regelmäßige Leser von Blogs, Foren und Internetseiten, deren Artikel ausgiebig von Lesern kommentiert werden, kennen die Situation: Da hat die Mehrheit der Kommentatoren im weitesten Sinne zu einem Konsens gefunden und plötzlich kommt ein einsamer Kommentator daher und argumentiert mit Inbrunst gegen die virtuelle Meinungshoheit an.

    Oft handelt es sich bei diesen Kommentatoren um gelangweilte Menschen, die sich ganz einfach einen Spaß daraus machen, die Kontraposition zu übernehmen und die Mehrheit zu ärgern. Es ist allerdings auch bekannt, dass PR-Agenturen und politische Vorfeldorganisationen professionell in sozialen Netzwerken verdeckt unterwegs sind, um für Unternehmen Öffentlichkeitsarbeit zu leisten oder politischen Einfluss auf Online-Diskussionen zu nehmen.

    Meist lässt der professionelle Hintergrund dieses “Astroturfings” jedoch zu wünschen übrig und die Betreiber von Onlineplattformen erkennen relativ schnell, ob es sich bei den Kommentatoren um reale Personen oder sogenannte “Sockenpuppen” handelt. Solange hinter jeder virtuellen Person eine reale Person steckt, sind solche virtuellen Guerilla-Kriege auch relativ kostenintensiv, da wirklich professionelle Schreiber nicht auf 400-Euro-Basis arbeiten, und der technische Aufwand, eine virtuelle Identität zu erstellen, die nicht bereits nach kurzer Zeit vom Betreiber enttarnt und gesperrt wird, relativ zeitaufwendig ist.

    Wenn der Kampf um die Meinungshoheit im Netz erfolgreich sein will, muss die Zahl der virtuellen Agitatoren hoch, ihr Hintergrund “sauber” und ihr Zusammenspiel perfektioniert sein. Eine einzelne Person kann nur schwer die Mehrheitsmeinung drehen, zumal viele Mitläufer, die sich an der Mehrheitsmeinung ausrichten, Widersprüche gegen die Mehrheitsmeinung oft instinktiv ablehnen. Wenn beispielsweise die übergroße Mehrheit Stimmung gegen den aufgeflogenen Plagiator Guttenberg macht, können ein paar versprengte Jungunionisten die Diskussion nicht mehr drehen.

    Wenn die Zahl der Verteidiger allerdings größer ist als die der Angreifer, und die Verteidiger kunstvoll argumentativ Ping-Pong spielen, so entsteht beim unbedarften Leser der Eindruck einer ausgeglichenen Diskussion ohne eine echte Meinungshoheit. Bei abstrakten oder komplexeren Themen kann man mit einer kleinen Armee von Sockenpuppen auch ohne weiteres eine Meinungshoheit simulieren, die es so nicht gibt, und dabei neutrale oder thematisch uninformierte Leser auf seine Seite ziehen.

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    Brief aus Havanna

    geschrieben am 21. Februar 2011 von Jens Berger

    Mal wieder pleite
    Aktuelle Eindrücke und Schicksale von einer Insel, die so vollkommen verrückt, naiv, kapitalistisch und rassistisch ist wie immer.

    ein Gastartikel von Theo Südermann*

    Februar 2011: Das Bild der Regierungstagung in der Parteizeitung „Granma“ ist Symbol. Raúl Castro sitzt in voller Uniform frontal vor der Ministerriege, die wie eifrige Gymnasiasten die Worte des Vorbeters notiert. Und die sind deutlich: „Wichtigste Aufgabe jetzt ist es, die Verschuldung und das Defizit zu stoppen.“ Der neue Chef des Castro-Familienbetriebs Kuba hat zwar nicht bei Peer Steinbrück oder Ifo-Sinn gelernt, doch der in Kuba als Militär- und Wirtschaftsexperte geltende Raúl Castro verkündet, was die Kassenlage gerade als Sachzwang diktiert und das hat – wie in Deutschland – für viele Menschen drastische Folgen. Über eine halbe Million Kubaner wurden aus der staatlichen Industrie und Verwaltung entlassen. Man stelle sich vor, in Deutschland würden mal mit einem Federstrich vier Millionen Beschäftigte auf die Straße befördert. In Kuba kommt erschwerend hinzu, dass die Menschen hier zum Teil “realmente” auf die Straße gesetzt werden und ausserdem nicht aus einem normalen Unternehmen stammen, sondern eher aus einer Mischung von Hartz-IV-Beschäftigungsgesellschaft und behüteter Werkstatt. Danach ist nichts mehr, wie es war. Mitten aus dem Sozialismus werden sie in eine kleinkapitalistische Gesellschaft befördert. Und wie in SPD-Schröderdeutschland vor zehn Jahren sollen sie nun kleine Unternehmen gründen. Hasta la Ich-AG siempre!

    Maxi hat eine Idee. Jetzt wo er seinen Job im „Marketing“ eines staatlichen Tourismusunternehmens verloren hat, will er in Gold investieren. Nicht, dass er auch nur einen einzigen Cent hätte, um investieren zu können. Im Moment ist er froh, wenn er mit gelegentlich auf der Straße akquirierten Spontanführungen vor allem für US- und kanadische Touristen so zehn bis 15 CUC (Peso convertible – praktisch an den Dollar angeschlossene Währung in Kuba für Touristen und Ausländer) pro Woche verdient. Aber er ist schon jetzt ganz sicher. Wenn er erstmal etwas Geld gespart hat, dann wird er in Gold investieren. Denn neben einer ganz grundsätzlichen Zukunftsangst plagt ihn vor allem die Sorge um die Entwertung des Geldes, welches er nicht hat. Um seine Entscheidung abzusichern, fragt er: „Glaubst du, der Goldkurs kann auch wieder fallen? Ich denke, Gold ist eine gute Investition, das Geld wird sicher wertlos werden“. Weltökonomie ist Maxi vertraut, folglich wird nicht nur er von einer visionären neuen Urangst aller besitzlosen Kubaner vor Inflation geplagt. Er hat noch weitere schwerwiegende Nachteile für den Start in die Selbstständigkeit: Er ist schwarz und kann trotzdem nicht tanzen. Eine Kombination, die auf der Insel eine wenig gute Sozialprognose mit sich bringt. „Meine Frau tanzt wie verrückt und schimpft immer mit mir”, klagt er. „Schwarz sein und nicht tanzen können ist wirklich peinlich.“ Da hilft es auch nicht, dass er exzellent Englisch spricht und als einer der wenigen schwarzen Kubaner mit einer reinrassig Weissen verheiratet ist.

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    Doktor der Vergesslichkeit

    geschrieben am 20. Februar 2011 von Jens Berger

    ein Gastgedicht von Kaiserbubu:

    Himmel, a pro po und Zwirn
    Minister, schwafelt, Leck im Hirn
    Doktorarbeit gar nicht gut
    Theo trotzt, trotz blauem Blut

    Minister Lügen, Schwarz gedruckt
    Plagiate abgeguckt
    Abgekupfert ist sein Wissen
    Doktor Theo hat beschissen

    Kundus, Kerner, die Gorch Fock
    Schießt er weiter Bock für Bock
    Schneidig, Schnittig und geschliffen
    Hat er nun ins Klo gegriffen

    A Priori Coverboy
    Vor den Medien plötzlich scheu
    Sieben Jahre Kleinarbeit
    Doktor der Vergesslichkeit

    Deutscher Adel leidet sehr
    „Unser Theo machts nicht mehr“
    Leitkultur total im Arsch
    Halbmast Flaggen, Trauermarsch

    Wär der Theo nicht so schön
    Müsste er schon lange gehen
    Frau der Mitte ist betört
    Dunkeldeutsche sind verstört

    „Ist doch alles gar nicht schlimm“
    „Das macht alles gar kein Sinn“
    „Verschwörung aus der linken Ecke“
    Hadern alte Seilschaft Säcke

    Deutscher Michel Berlusconi
    Gibt dem Theo weiter Boni
    Woll’n den alten Kaiser haben
    Sich in Glanz und Gloria baden

    Untertänigst, gnädig, danken
    AC/DC’s Musik tanken
    Deutschlands Adel ganz modern
    Guttenbergs wär’n das so gern

    Stolperfallen, Superpaar
    Ausgerutscht, gegeltes Haar
    Gattin glänzt im Glamour Look
    Friedenspanzer unter Druck

    Vorbildfunktion nicht vorhanden
    Manches wurde falsch verstanden
    Angezählt ist seine Zeit
    Doktor der Vergesslichkeit

    Rücktritt wär jetzt angesagt
    Doch den hat er wohl vertagt
    Würd’ er würdevoll abdanken
    Wies er manche in die Schranken

    Schon klebt er an seinem Sessel
    und erhöht den Druck im Kessel
    Hoffentlich kein Ehrenwort
    Das endet Feucht und man ist fort

    Das inszeniert er dann medial
    Darin war er mal genial
    Er setzt sich einfach in die Wanne
    Mal bei Maybritt, mal bei Anne.

    Kaiserbubu

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