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  • Anonymous im Interview

    geschrieben am 17. Mai 2011 von Gastautor

    ein Gastartikel

    Begleitend zu den Recherchen für den Artikel Anonymous – Auf den Spuren des Schwarms führte le bohémien ein Interview mit Personen, die sich als Teil der Anonymous-Bewegung präsentierten. Das Interview bietet einen bislang beispiellosen Einblick in die Gruppierung.

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    Open Thread: Der Banker und das Zimmermädchen

    geschrieben am 16. Mai 2011 von Jens Berger

    Ist es möglich, dass einer der mächtigsten Männer der Welt über seine Libido stolpert? Natürlich, Dominique Strauss-Kahn (DSK) wäre nicht der erste Mächtige, der einer Allmachtphantasie verfällt und dabei zum Verbrecher wird. Der Vorwurf, DSK habe in seiner New Yorker Hotel-Suite versucht, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen, ist sehr ernst. Sollte er sich bewahrheiten, wäre dies nicht nur das sichere Ende der politischen Karriere von DSK, der als aussichtsreichster Widersacher von Nicolas Sarkozy bei den kommenden französischen Präsidentschaftswahlen gilt – im Falle eines Schuldspruchs droht DSK auch eine hohe Haftstrafe in den USA. Selbstverständlich gilt jedoch auch für DSK die Unschuldsvermutung. Momentan kann man über diesen unappetitlichen Fall nur spekulieren – Ergebnisse der kriminalistischen Ermittlungen der amerikanischen Behörden stehen schließlich noch aus. Nach dem jetzigen Stand der Kenntnisse ist jedoch auch keinesfalls auszuschließen, dass DSK nicht Täter, sondern Opfer einer Intrige ist.

    Zur Erinnerung: Als DSK in den späten 90ern französischer Finanzminister war, entwickelte er zusammen mit Oskar Lafontaine Ideen zu weitreichenden und äußerst progressiven „Reformen“ der Finanzmärkte. Lafontaine wurde von Schröder aus dem Amt gemobbt, DSK wurde Opfer einer Medienkampagne, die ihm Korruption und Amtsmissbrauch vorwarf – zwei Jahre später wurde DSK jedoch voll rehabilitiert, da sich keiner der Vorwürfe bestätigen ließ. Während seiner Zeit als IWF-Chef galt DSK als sanfter Reformer, der die neoliberale Instrumentalisierung des IWF langsam rückgängig machte. In den letzten Monaten ist DSK vor allem durch seine kritischen Äußerungen zur marktliberalen Ausrichtung des Welthandels aufgefallen. Auch in der Diskussion zur Zukunft der Euro-Zone ist DSK mehrfach durch progressive Positionen in Erscheinung getreten. Sein kommissarischer Nachfolger beim IWF wird John Lipsky, ein überzeugter Marktliberaler, der vor seiner IWF-Zeit bei JPMorgan tätig war. Was diese Personalie für die momentan stattfindenden Verhandlungen zum Euro-Rettungspaket zu bedeuten hat, wird sich noch zeigen.

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    Debtocracy – ein Dokumentarfilm über die griechische Schuldenkrise

    geschrieben am 16. Mai 2011 von Jens Berger


    Debtocracy International Version von BitsnBytes

    Hintergrundinformationen über den Film gibt es auf den Seiten von Presseurop.

    Die Seite zum Film findet sich hier.

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    Die Autoimmunerkrankung der Vierten Gewalt

    geschrieben am 13. Mai 2011 von Jens Berger

    Am letzten Freitag war die Welt der Großjournalisten noch in Ordnung. Man traf sich, in Smoking und Ballkleid gewandet*, im edlen Hamburger Schauspielhaus und feierte sich selbst für die eigene Großartigkeit. Vor allem in schlechten Zeiten dienen solche Rituale der weltanschaulichen Festigung – Strukturvertriebe zeichnen in ähnlichen Ritualen ihren besten Klinkenputzer aus, Kaninchenzüchter den patentesten Rammler. In diesem Jahr ging der Egon-Erwin-Kisch-Preis, die bedeutendste Trophäe der journalistischen Selbstinszenierung, an den SPIEGEL-Redakteur René Pfister, der für seinen Arbeitgeber ein nett zu lesendes, sehr gut geschriebenes aber letztlich doch an der Oberfläche bleibendes Portrait des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer geschrieben hatte. Eine Woche später schlägt die Branche hysterisch aufeinander ein. Statt Selbstkritik zu üben, tanzt die selbsternannte Elite der Vierten Gewalt um ein goldenes Kalb namens Wahrhaftigkeit und zeigt damit nur einmal mehr, dass sie sich von journalistischen Prinzipien entfernt hat und in einer inzestuösen Parallelwelt lebt. Von Jens Berger

    Was ist René Pfister vorzuwerfen? In seinem Politiker-Portrait „Am Stellpult“ hat er in vier kurzen Absätzen beschrieben, mit welcher Hingabe sich Horst Seehofer mit der Modelleisenbahn im Keller seines Ferienhauses beschäftigt. Pfister war zwar nie persönlich in besagtem Keller, ließ sich aber von seinen Kollegen beim SPIEGEL, die persönlich die Modelleisenbahn in Augenschein nehmen durften, jedes Detail seines Artikels bestätigen. Den einzige „Fehler“, den man Pfister vielleicht vorzuwerfen kann, ist, dass er im Artikel nicht explizit erwähnt, nie die Modelleisenbahn Seehofers mit eigenen Augen gesehen zu haben.

    Ein Skandal? Aber nicht doch. Wer so denkt, müsste den Reporter-Legenden Bob Woodward und Seymour Hersh auch ihre Pulitzer-Preise wegnehmen, spielen sie in ihren Reportagen doch ganz bewusst damit, verifizierte Informationen aus dritter Hand so darzustellen, dass der Leser denkt, er sei selbst dabei. Diese Form des „Schlüsselloch-Journalismus“, die dem Leser eine Authentizität vorspiegelt, die nicht gegeben ist, ist bereits seit langem ein Markenzeichen des SPIEGEL und wird von der Konkurrenz fleißig nachgeahmt. Diese Form des Journalismus kann man sehr wohl kritisieren – sie zu kritisieren und gleichzeitig nachzuahmen ist jedoch unehrlich.

    Würden die Hohepriester des „Qualitätsjournalismus“ für ihre eigenen Blätter die gleiche Messlatte anlegen, mit der sie in den letzten Tagen wild um sich schlugen, würden ihre Blätter wohl auf das Format einer Werbebeilage des lokalen Baumarkts schrumpfen. Wer sein Personal in rasantem Tempo abbaut, immer mehr qualitätssensitive Bereiche an Billigheimer outsourced und sich einen Gutteil des Blattes durch Agenturmeldungen füllen lässt, sollte sich bitte schön auch bei Sonntagsreden über die Wahrhaftigkeit des Journalismus zurückhalten.

    Es ist nicht schwer, den SPIEGEL zu kritisieren. Bei den NachDenkSeiten vergeht kaum ein Tag, an dem der SPIEGEL nicht in den Hinweisen des Tages inhaltlich und formal scharf kritisiert wird. Doch diese inhaltliche – und in der Tat wahrhaftige – Kritik hat nichts mit der pomadigen Selbstgerechtigkeit zu tun, die in den letzten Tagen die Gazetten füllt. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Dass ausgerechnet der Focus und die Springer-Zeitungen BILD, WELT und Hamburger Abendblatt sich nun zum Gralshüter (formal)journalistischer Werte aufspielen, entbehrt dabei nicht einer gewissen Komik. Wer ihre vor Scheinheiligkeit triefenden Mahnungen liest, fühlt sich unweigerlich in die Rolle einer Randfigur in einem Roman von Kafka versetzt. Hat man bei Springer vergessen, dass die BILD einsamer Spitzenreiter bei den Rügen des Presserats ist? Hat Focus-Herausgeber Markwort vergessen, dass seine „Finanzjournalisten“ in erstaunlicher Regelmäßigkeit das Blatt nutzen, um ihre Leser finanziell zu erleichtern?

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    Weihnachten wieder zu Hause – ein kontrafaktisches Szenario

    geschrieben am 12. Mai 2011 von Stefan Sasse

    Von Stefan Sasse

    Bekanntlich beruhte der deutsche Aufmarschplan 1914 auf den Überlegungen Schlieffens, modifiziert durch Moltke, im Falle eines europäischen Krieges möglichst schnell mit weit ausgreifendem rechten Flügel die französische Armee zu umfassen und in einer Art Super-Cannae in einer gewaltigen Kesselschlacht zu vernichten. Auf diese Weise sollte der Krieg in Frankreich in wenigen Wochen entschieden werden, um sich dann den langsamer mobilisierenden Russen zuzuwenden. Bekanntlich kam es anders; die Franzosen zogen sich hinter die Marne zurück und erlaubten es den Deutschen nicht sie einzukesseln, während Russland wesentlich schneller mobilisierte als angenommen. Weihnachten 1914 fand deswegen in den Ende Herbst ausgehobenen Schützengräben statt und nicht zu Hause im Glanz des Sieges. Was aber wäre geschehen, wenn der Plan geklappt hätte? Wie könnte das Europa der Zwanziger Jahre aussehen, wenn das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg gewonnen hätte? Obgleich kontrafaktische Geschichte stets zu viele Unsicherheiten enthält, als dass man finale Aussagen treffen könnte, soll hier ein Versuch unternommen werden, ein solches Bild zu entwerfen.

    Der deutsche Militärplan war ein Vabanque-Spiel. Man setzte alles auf eine Karte. Zu einem Gutteil spielten die Franzosen auch mit: ihr Plan XVII, der einen Einmarsch in Süddeutschland vorsah, führte zur Katastrophe und 300.000 Toten in drei Wochen. Das französische Heer in diesem Frontabschnitt war effektiv aufgelöst. Gleichzeitig marschierten die deutschen Angriffsspitzen schnell voran und erreichten die vorgesehenen Geschwindigkeiten. Zwar war die Nachschublage angespannt, aber noch nicht kritisch. Angesichts der Niederlage im Elsass und der Bedrohung von Paris entschloss sich das französische Oberkommando (das britische Expeditionskorps spielte zu dieser Zeit noch praktisch keine Rolle), sich hinter die Marne zurückzuziehen und den Rest des Landes aufzugeben. Angesichts der Tatsache, dass in diesem Gebiet ein großer Teil der für die Kriegführung wichtigen Kohlen- und Erzreviere sowie Montanindustrie lagen war auch das eine Art vabanque-Spiel. Historisch gelang es Frankreich, auch wegen Fehler in der deutschen Militärführung (Moltke erlitt einen Nervenzusammenbruch), ein Unentschieden an der Marne und damit einen strategischen Sieg zu erreichen, der das Reich zum Rückzug und der Konsolidierung einer Linie zwang. Dieses strategische Patt leitete den defensiv geprägten Grabenkrieg der folgenden vier Jahre ein.

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