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  • Gorch Fock in schwerer See

    geschrieben am 25. Januar 2011 von Jens Berger

    Lässt man einmal das militärische Umfeld heraus, hat sich an Bord deutscher Kriegsschiffe seit den Tagen von Lothar-Günther Buchheims “Das Boot” nicht sonderlich viel verändert. Auch heute dominiert an Bord ein nordisch rauer Ton, auch heute müssen sich Neulinge erst den Respekt der Altgefahrenen verdienen und auch heute gehört der übermäßige Genuss von alkoholischen Getränken zu den bevorzugten Methoden, den physischen und psychischen Stress abzubauen. Machen wir uns nichts vor – die Gorch Fock ist weder die Kulisse eines romantischen Becks-Werbespots noch eine schwimmende Waldorfschule. In einer Zeit, in der man bemüht ist, das öffentliche Bild des Soldaten zu idealisieren, erscheint die Gorch Fock anachronistisch. Die raue Realität eines Segelschulschiffs passt nun einmal nicht in die weichgespülte Hochglanzwelt, die unser Bewusstsein prägt. Vielleicht wird die Gorch Fock schon bald ein Museumsschiff sein, doch damit wäre weder der Marine noch den Seeleuten geholfen.

    In den frühen 90ern war ich selbst Soldat bei der Bundesmarine. Für einen verwöhnten Abiturienten war diese Zeit in der Tat eine heilsame Grenzerfahrung. Auch wenn man sich schnell an extreme Witterung, Seekrankheit, Schlaflosigkeit und physischen wie psychischen Stress gewöhnte, so schwamm die Gefahr im Hintergrund stets mit. Während meiner kurzen Dienstzeit verlor ein Kollege sein Bein, da er bei einem Anlegemanöver auf hoher See in das Auge des aufgerollten Anlegetaus trat. Ich selbst hätte bei einem ähnlichen Manöver beinahe die Hand verloren – zum Glück entdeckte ein altgefahrener Bootsmann meinen Anfängerfehler rechtzeitig und riss mich mit körperlicher Gewalt aus der Gefahrenzone. Während meiner kurzen Dienstzeit sind bei der Bundesmarine mindestens drei Matrosen tödlich verunglückt. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Kreuzfahrt und dem seemännischen Dienst auf einem Kriegsschiff, bei man auch bei schwerster See seinen Dienst verrichten muss. Wer sich entschließt, ein Bordkommando bei der Bundesmarine einzugehen, sollte sich darüber im Klaren sein.

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    Die Palestine-Papers

    geschrieben am 24. Januar 2011 von Jens Berger

    Während die Welt – und vor allem das Netz – immer noch darüber debattiert, ob die phantastisch vermarkteten Cablegate-Leaks wirklich relevante Hintergrundinformationen beinhalten, werden anderswo Nägel mit Köpfen gemacht. Gestern startete der arabische Fernsehsender Al-Jazeera in Kooperation mit dem Guardian die Veröffentlichung von 1.600 hochbrisanten Dokumenten aus dem Umfeld der israelisch-palästinensischen Friedensgespräche der letzten 10 Jahre. Die Dokumente umfassen dabei Memos, E-Mails, Protokolle von hochrangigen Verhandlungsgesprächen, Karten, Strategie-Papiere und sogar Powerpoint-Präsentationen. Nach dem momentanen Stand der Veröffentlichungen stammt das Material aus dem Bestand der palästinensischen Delegation. Der Informant, der Al-Jazeera das Material zugespielt hat, muss Zugang zur höchsten Geheimhaltungsstufe gehabt haben. Anders als Cablegate sind die “Palestine-Papers” zweifelsohne hochbrisant und werden – so sie sich nicht als Fälschung herausstellen sollten – das Zeug haben, Geschichte zu schreiben.

    Die Palestine-Papers

    Wenn man den palästinensisch-israelischen Friedensprozess der letzten fünf Jahre betrachtet, so kann man bestenfalls von einem Stillstand auf gehobenem Niveau sprechen. Doch diese “gefühlte Wahrnehmung” geht offenbar an der Realität vorbei. Diesen Schluss lassen zumindest die bereits veröffentlichten “Palestine Papers” zu. Während Israel stets die Position vertritt, dass die palästinensische Seite kein Jota von ihrer Position abrückt, belegen die Dokumente das genaue Gegenteil: In der Tat haben die palästinensischen Verhandlungsführer den Israelis Konzessionen zugestanden, die so noch nie bekannt waren. Offensichtlich hat die palästinensische Seite Israel sehr weitreichende Angebote für einen Gebietstausch gemacht, um seinerseits Israels Placet zu einer echten Zwei-Staaten-Lösung zu bekommen. So wollte man Israel große Flächen des Westjordanlandes (inklusive strategisch wichtiger Siedlungen mit Zugang zu den Wasservorkommen) und weite Teile Ostjerusalems im Tausch gegen ein paar Sandstreifen am Rande des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens zugestehen.

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    In den Kopf geschossen

    geschrieben am 24. Januar 2011 von Jens Berger

    Gabrielle Giffords, Tom Hurndall und palästinensische Kinder

    ein Gastbeitrag von Alison Weir

    Es ist schon etwas besonders Erschreckendes, wenn jemand in den Kopf geschossen wird. Vielleicht ist es das grausige Bild, die Zerstörung des Gehirns, und die klare Absicht zu töten, die dahintersteckt. Das kürzliche Schießen auf Arizonas Kongressfrau Gabrielle Giffords ist noch alptraumhafter, wenn man bedenkt, was für eine verheerende Verletzung sie hat.

    Diejenigen von uns , die sich mit Israel-Palästina befassen, sind sich dieses Horrors sehr bewusst. Vor einigen Jahren untersuchte ich die Todesursache palästinensischer Kinder, die von israelischen Soldaten während der ersten Monate der 2. Intifada getötet worden waren. Beim Zählen lief mir ein kalter Schauer über den Rücken: ich entdeckte nämlich, dass die häufigste Todesursache in jenen Monaten ein „Schuss in den Kopf“ war. In den letzten zehn Jahren töteten die israelischen Militärs mindestens 255 palästinensische Kinder durch einen Schuss in den Kopf. Die Zahl mag tatsächlich höher sein, da bei vielen Fällen die spezielle körperliche Stelle des tödlichen Trauma nicht angegeben war. Außerdem schließt diese Statistik die vielen palästinensischen Kinder und Jugendlichen nicht mit ein, die von israelischen Soldaten in den Kopf geschossen worden waren, die aber irgendwie überlebt haben.

    Hier unten ist eine kleine Liste von denjenigen, die starben. (IDF steht für isr. Verteidigungskräfte, obwohl diese Kräfte in Wirklichkeit die Besatzungsarmee sind und gewöhnlich angreifen; die unten genannten Vorfälle spielten sich auf palästinensischem Gebiet ab.

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    Rudolf Elmer und die Rache des Systems (Update II)

    geschrieben am 20. Januar 2011 von Jens Berger

    Als der vorsitzende Richter des Zürchers Bezirksgerichts gestern um 17.00 Uhr den Urteilsspruch im Verfahren gegen Rudolf Elmer vortrug, flammte die Hoffnung auf, dass die Schweizer Justiz sich zumindest einen Rest Menschlichkeit bewahrt hat. Zwar wurde Elmer nicht nur wegen versuchter Nötigung, sondern auch wegen der Verletzung des Bankgeheimnisses verurteilt – ein Vorwurf, den Elmer bestreitet und den internationale Experten für äußerst umstritten halten. Doch dafür fiel das Strafmaß erstaunlich niedrig aus. Statt der geforderten acht Monate Haft ohne Bewährung verhängte das Gericht lediglich eine Geldstrafe, die ihrerseits auch nur dann fällig wird, wenn Elmer innerhalb von zwei Jahren wieder straffällig wird. Doch die verhaltene Freude währte nur kurz. Als die Elmers am späten Abend nach Hause kamen, wurden sie bereits von einem Polizeiaufgebot erwartet. Rudolf Elmer wurde verhaftet, das Haus der Elmers durchsucht. Momentan sitzt Elmer in Polizeigewahrsam und bis morgen Abend will die Schweizer Justiz darüber entscheiden, ob gegen den Whistleblower Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr angeordnet wird. Die neuen Ermittlungen drehen sich um die gemeinsame Pressekonferenz von Elmer und Julian Assange am Montag, auf der Elmer WikiLeaks zwei CDs mit vermeintlichen Bankdaten übergeben hat, die 2.000 besonders exponierte Kunden Schweizer Banken betreffen – darunter angeblich auch 40 Politiker.

    Vorgeschichte: Whistleblower vor Gericht – die Rudolf-Elmer-Story
    Hintergrund: Medieninformationen der Alternativen Liste Schweiz

    Elmer vor Gericht

    In der gestrigen Gerichtsverhandlung ging es nicht um die Elmer-Daten, die 2008 von WikiLeaks veröffentlicht wurden. Auch wenn es offensichtlich scheint, dass Elmer die Daten an das Whistleblower-Netzwerk übergeben hat, so kann die Schweizer Justiz diesen vermeintlichen Bruch des Bankgeheimnisses dank der sicheren Übertragungsprotokolle von WikiLeaks nicht beweisen. Dennoch spielte WikiLeaks im Hintergrund eine Rolle beim Verfahren. In der Pressekonferenz im Frontline-Club sah die Staatsanwaltschaft eine Missachtung des Gerichts und erhöhte das geforderte Strafmaß von acht Monaten mit Bewährung auf acht Monate ohne Bewährung. Das Signal war unmissverständlich – wer nicht nach unserer Pfeife tanzt und Daten, die Straftaten von Schweizer Banken oder deren Kunden betreffen, publik macht, hat mit der vollen Härte der Justiz zu rechnen.

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    Wir kriegen ein Bundesbaby!

    geschrieben am 19. Januar 2011 von Jens Berger

    Als ich heute Morgen meinen müden Leib aus dem Bett quälte, hatte ich schon so ein Bauchgefühl, dass heute irgendetwas Epochales passieren würde. Beim Morgenkaffee sorgte der freundlich klingende Radiosprecher dafür, dass aus meinem Gefühl Realität wurde: Kristina Schröder ist schwanger! Ei der Daus! Wenn das keine Top-Nachricht ist! Die letzte Nachricht der Sendung, die zaghaft den systematischen Bruch des Briefgeheimnisses in der Bundeswehr ankündigte, ging da bereits im Knallen der Sektkorken unter. Wir kriegen ein Bundesbaby! Hurra! Natürlich ist diese Meldung so wichtig, dass der freundlich klingende Radiosprecher mich aufforderte am Gerät zu bleiben, da seine Redaktion nach den Nachrichten ein Special zu diesem weltbewegenden Thema senden wolle. Selbstverständlich blieb ich am Gerät und lauschte aufmerksam. Ich wusste: In vielen Jahren wird man sich mit seinen Freunden darüber austauschen, wo man gerade war, als die Meldung vom Bundesbaby durch den Äther rauschte – 9/11 und die Mondlandung sind nichts dagegen.

    Das angekündigte Radio-Special war natürlich zuckersüß. Kanzlerin Merkel habe der werdenden Mutter bereits ihre volle Unterstützung angeboten, so die ebenfalls zuckersüße Radiosprecherin, die nun von ihrem Kollegen übernahm. In meinem Kopf spielten sich merkwürdige Bilder ab. Ich stellte mir eine Kristina Schröder vor, die morgens ihr schreiendes, zuckersüßes Blag bei Omi Merkel im Kanzleramt abgab, da sie zu einer wichtigen Besprechung im Ministerium musste. Omi Merkel freute sich natürlich und wies ihr Faktotum Pofalla an, alle Termine abzusagen, da sie sich heute um den kleinen Helmut-Roland kümmern müsse. Als die Kanzlerin dann dem kleinen Racker die vollgekackten Windeln wechselte, erwachte ich aus meinem Tagtraum und gönnte mir erst einmal eine kalte Dusche.

    Doch bei meiner Morgenlektüre holte mich das Bundesbaby wieder ein. Sämtlichen Qualitätszeitungen war die trächtige Ministerin die Topschlagzeile wert. Und wie sich die Kollegen freuten! An diesem Tag der kollektiven Begeisterung, so mein Eindruck, sind offenbar keine kritischen Anmerkungen erlaubt. So konnte man dann zum Beispiel in der ZEIT (wohlgemerkt unter der Rubrik Politik/Deutschland) folgendes Rührstück der werdenden Mutter lesen:

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