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  • Der Kongress bloggt!

    geschrieben am 10. Januar 2011 von Jens Berger

    Wenn Blogger sich auf Kongressen und Konferenzen treffen, geht es meist um technische Fragen, soziale Netzwerke und vor allem darum, wie man mit Blogs Geld machen kann. Politische Blogger und die Leser politischer Blogs interessieren sich für solche Themen erfahrungsgemäß eher peripher. Dass es auch anders gehen kann, wollen das Künstler- und Netzaktivistenpaar Jürgen und Ulrike Beck zeigen. Vom 11. bis 13. Februar 2011 veranstalten sie den 1. Kölner Blogger-Kongress unter dem selbstironischen Motto “(Re)Evolution – Der Kongress bloggt!“. Subline ist in diesem Jahr “Krise muss nicht traurig sein”. Ein Schwerpunktpanel beschäftigt sich dabei mit dem “Whistleblowing”. Als Stargast wird in diesem Panel der Schweizer Whistleblower Rudolf Elmer auftreten, dessen über Wikileaks veröffentlichte Daten das Bankhaus Julius Bär schwer belasteten*.

    Ein echtes Alleinstellungsmerkmal von “Der Kongress bloggt!” ist jedoch die Mischung aus politischen und kulturellen Inhalten. Diverse hochkarätige Musiker und Künstler sorgen dafür, dass sich Wörter, Bilder, Installationen, Musik und Diskussionen zu einem harmonischen Konglomerat gegen den Mainstream und die Krisenverursacher und –profiteure zusammenfinden. Einer der vielen Programmpunkte wird eine “Podiumsdiskussion” über die Rolle der politischen Blogs in Deutschland sein, die sich natürlich nicht aufs Podium beschränken wird und an der sich auch Künstler beteiligen. Wer mitdiskutieren will, ist herzlich eingeladen. Neben Wolfgang Lieb von den NachDenkSeiten, Roberto J. De Lapuente von Ad Sinistram, Duke Erdmann von Feynsinn, Frank Benedikt von Binsenbrenner.de und Stefan Sichermann vom Postillon wird auch meine Wenigkeit am Kongress teilnehmen. Ich würde mich natürlich freuen, den einen oder anderen Leser auch mal persönlich und face to face kennenzulernen. Schaut Euch das Programm an – es sollte eigentlich für jeden etwas dabei sein.

    Wichtig: Da das Kartenkontingent begrenzt ist, wird dringend empfohlen, den Kartenvorverkauf zu nutzen – preiswerter sind die Karten im Vorverkauf ohnehin.

    Blog-Karneval

    In dieser Woche wird auch der Blog-Karneval zum Kongress starten. Das Motto ist “(Re)Evolution – Krise muss nicht traurig sein “. Was fällt Euch zur Krise ein? Welche Schlüsse sollte man aus ihr ziehen, was hat sie uns gelehrt? Ist ein “weiter so” möglich? Wie Ihr seht, ist der Rahmen sehr weit gefasst und Ihr könnt Euren Phantasien freien Raum lassen.

    Wie funktioniert so ein Blog-Karneval? Jeder Blogger, der am Karneval teilnehmen will, kann einen Beitrag auf seinem eigenen Blog verfassen, setzt einen Link auf die Karneval-Seite von “Der Kongress bloggt!” und schreibt den Organisatoren eine kurze Mail mit dem Link. Alle Beiträge zum Karneval werden dann in Auszügen auf der Karneval-Seite von “Der Kongress bloggt!” zentral gelistet, so dass die Leser sich bequem auf eine Reise durch die Gedanken der Blogosphäre machen können. Da auch der längste Marsch mit dem ersten Schritt beginnt, werde ich den Anfang und von meinem “Ius primae noctis” Gebrauch machen und morgen auf dem Spiegelfechter meine Gedanken zum Thema “zu Papier bringen” und damit den Karneval eröffnen. Alaaf! ;-)

    Jens Berger

    * Der Spiegelfechter wird noch ausführlich über diesen Fall berichten

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    Der Euro unter Beschuss (III)

    geschrieben am 10. Januar 2011 von Jens Berger

    Wenn sich die Eurozone auflösen und Deutschland wieder zur D-Mark zurückkehren würde, könnten sich die europäischen Volkswirtschaften wieder erholen – die deutsche Wirtschaft hätte dann jedoch einen hohen Preis zu zahlen

    Lange Zeit war die Aufforderung, Deutschland solle aus der Eurozone austreten und zur “guten alten D-Mark” zurückkehren, eine Position mit Exotenstatus, die vornehmlich im rechtspopulistischen Umfeld zu hören war. Heute ist diese Forderung unter anderem von den Nobelpreisträgern Joseph Stiglitz und Paul Krugman, sowie vom Entfant terrible der Währungsspekulation, George Soros, zu hören. Was ist in der Zwischenzeit geschehen? Hatten die Rechtspopulisten letztendlich doch Recht oder haben sich die Paradigmen in den letzten Jahren derart verschoben? Letzteres ist der Fall, die deutsche Exportorientierung hat den Bogen überspannt, tiefe Risse durchziehen die Gemeinschaftswährung und Europa scheint nicht gewillt zu sein, diese Risse politisch zu kitten.

    Ausstiegsszenarien

    Mittel- bis langfristig wird sich die Eurozone die Frage stellen müssen, ob finanziell solide und wettbewerbsfähige Volkswirtschaften wie Deutschland nicht nur für die Schulden der Peripherie bürgen, sondern letztlich auch mit Steuergeldern und Abschreibungen in den Bilanzen der Banken für Verluste geradestehen. Dabei gibt es gewichtige Gründe gegen ein “weiter so”. Einerseits ist es nur schwer vorstellbar, dass der deutsche Wähler es allzu lange akzeptieren wird, dass der Import deutscher Waren im Euro-Ausland mit seinen Steuergeldern finanziert wird. Andererseits ist allerdings auch nur schwer vorstellbar, dass die Bevölkerung der angeschlagenen Euroländer wie Griechenland, Irland oder Portugal sich das Spardiktat von IWF und Eurozone allzu lange gefallen lassen wird.

    Ein Staatsbankrott wäre zwar eine Alternative zur dauerhaften künstlichen Beatmung durch das Eurosystem – eine Lösung der Probleme wäre dies jedoch auch nicht, da Staaten, die den Weg des Staatsbankrotts gehen, erfahrungsgemäß sehr lange brauchen, um sich ohne fremde Hilfe und zu akzeptablen Bedingungen wieder an den Kreditmärkten versorgen zu können. Ein Staatsbankrott würde zwar den akuten Refinanzierungsdruck wegnehmen – ohne die Möglichkeit, die eigene Währung abzuwerten, würde sich an den Rahmenbedingungen, die erst die prekäre Lage ausgelöst haben, aber nichts ändern. Auch nach einem Haircut wären Staaten wie Griechenland, Portugal oder Spanien nicht wettbewerbsfähig.

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    Sozialproteste in Tunesien und Algerien

    geschrieben am 07. Januar 2011 von Jens Berger

    ein Gastartikel von Andreas Fecke

    Kurz vor unserem Weihnachtsfest verbrannte sich der junge Tunesier Mohamed Bouazizi mit lauten Protestschreien gegen Armut und Arbeitslosigkeit direkt vor dem Gebäude der Präfektur seiner Stadt Sidi Bouzid, etwa 250 km von Tunis entfernt. Mohamed hatte seine zahlreichen Verwandten durch den illegalen Straßenverkauf von Obst und Gemüse ernährt – sehr viele tunesische Hochschulabsolventen tun dies mangels Perspektive. Er selber war allerdings ein Kind der Arbeiterklasse, ohne Bildung. Vor seinem Selbstmord hatte die Polizei seine Waren muskelspielend beschlagnahmt. Seit seinem Selbstmord kocht die Volksseele auf, die Staatsmacht reagiert nur mit fadenscheinigen Erklärungen und brutaler Repression der Protestierenden.

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    130 Kommentare

    Der Euro unter Beschuss (II)

    geschrieben am 06. Januar 2011 von Jens Berger

    Die Eurozone war ein einmaliges volkswirtschaftliches Experiment – sie war jedoch von Geburt an zum Scheitern verurteilt

    2010 war ein Annus horribilis für die Europäische Währungsunion. Die Staatsfinanzierung von Griechenland, Irland und Portugal hat de facto die EZB übernommen, während die solventen EU-Staaten schon jetzt für Forderungen in Billionenhöhe bürgen. Die Eurokrise köchelt vor sich hin und hat noch lange nicht ihren Siedepunkt erreicht. Sollte sich die EU nicht auf eine abgestimmte Wirtschafts- und Finanzpolitik einigen, steht sie vor einem Scheidepunkt. Neben den ökonomischen Problemen der Gemeinschaftswährung sind es jedoch nun vor allem die politischen Probleme, die der Gemeinschaftswährung ein jähes Ende bereiten könnten. Es ist unwahrscheinlicher denn je, dass es den Euro in der momentanen Form in zehn Jahren noch geben wird.

    War der Euro eine Totgeburt?

    Als der Euro am 1. Januar 2002 als offizielles Zahlungsmittel eingeführt wurde, stand seine Geburt unter einem schlechten Stern. Zehn Jahre zuvor zerbrach bereits der Vorgänger des Euro an einer mangelnden politischen Abstimmung der Mitgliedsländer. Das EWS wurde 1979 als Kind von Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing als Nachfolger des Bretton-Woods-Systems der festen Wechselkurse ins Leben gerufen. Ziel des EWS war es, die festen Wechselkurse auf europäischer Ebene wieder einzuführen, indem man die Mitgliedswährungen in einem engen Band halten wollte – sollte eine Mitgliedswährung aus diesem Band auszuscheren drohen, verpflichteten sich die Mitgliedsstaaten über ihre Zentralbanken zu intervenieren.

    Schon damals gab es jedoch ideologische Differenzen zwischen den europäischen Kernstaaten, die sich vor allem in der Währungs- und Finanzpolitik manifestierten. Die harte D-Mark des exportorientierten Deutschlands war eine Art Ankerwährung des EWS, der permanente Aufwertungsdruck der D-Mark dessen Geburtsfehler. Als Deutschland nach der Wiedervereinigung seine Wettbewerbsfähigkeit abermals steigern konnte und die Bundesbank den Leitzins mitten in einer europäischen Wirtschaftsflaute erhöhte, führte dies 1992 zum Bruch des EWS. Italien und Großbritannien mussten nach Spekulationsangriffen das EWS verlassen, kurze Zeit später mussten Portugal, Spanien und Irland abwerten. Mitte 1993 wurde das EWS de facto beerdigt, als man die zulässige Schwankungsbreite der Mitgliedswährungen von 4,5 Prozent auf stolze 30 Prozent ausweitete. Die Parallelen zur Euro-Krise drängen sich förmlich auf. Für Deutschland folgten neun harte Jahre, in denen eine harte D-Mark die Exporte ins europäische Ausland behinderten. Damit sollte mit der Einführung des Euro Schluss sein, da die Gemeinschaftswährung gar keine Auf- und Abwertungen zwischen den Mitgliedsländern mehr zulässt.

    Der Euro war und ist ein Kind der Deutschen und nach nicht einmal einer Dekade läuft die Gemeinschaftswährung bereits Gefahr, an ihren Geburtsfehlern zu Grunde zu gehen. Seit der Einführung des Euro stiegen die Gewinne deutscher Unternehmen ebenso wie deren Exporte. Ein Hauptgrund für diese Entwicklung waren und sind die relativ zu niedrigen Löhne in Deutschland. Höhere Löhne steigern nicht nur die Lohnkosten und senken somit die Exporte, sondern steigern auch die Binnennachfrage und somit die Importe. Wenn man sich die volkswirtschaftliche Schieflage der Eurozone anschaut, dann geht es daher auch weniger um die Im- oder Exporte, sondern um die Differenz zwischen ihnen, die sogenannte Außenhandelsbilanz. In einem geschlossenen System kann allerdings eine Volkswirtschaft nur dann stetige Exportüberschüsse haben, wenn eine andere Volkswirtschaft stetige Importüberschüsse aufweist. Da die exportierten Güter jedoch auch bezahlt werden müssen, führt ein stetiger Exportüberschuss immer dann zu einem stetigen Kapitalabfluss, wenn die Investitionen der Exporteure im Land der Importeure kleiner sind als der Warenexportüberschuss. Genau dies ist jedoch in der Eurozone der Normalzustand. Wenn die finanziellen Mittel der Importeure jedoch aufgebraucht sind, lässt sich dieses Modell nur weiterbetreiben, wenn der Exporteur dem Importeur Geld “leiht”.

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    Kein Grund zur Dioxin-Panik

    geschrieben am 05. Januar 2011 von Jens Berger

    Der jüngste Fall von dioxinkontaminierten Agrarprodukten erfüllt alle Vorrausetzungen für eine Hysterie-Kampagne – betroffen sind vor allem Großbetriebe, der Verursacher der Kontamination ist ein Futtermittelhersteller. Das Toxin hat einen griffigen Namen mit “x” und ist aus der Vergangenheit im Zusammenhang verheerender Umweltskandale bekannt. Es wäre ein echtes Wunder, wenn dieser “Skandal” nicht hysterisch von Medien und Politik ausgeschlachtet werden würde, zumal in diesem Fall diverse Fraktionen ihre ureigenen Interessen propagieren können. Das eigentliche Opfer ist – wie meist – der Verbraucher, der nun nicht etwa unter giftigen Eiern, sondern unter der bereitwillig gestreuten Hysterie zu leiden hat.

    Giftig, omnipräsent und erfolgreich bekämpft

    Was uns als “Dioxin” bekannt ist, stellt strenggenommen einen Sammelbegriff dar, der insgesamt 75 Dibenzoldioxine und 135 Dibenzofurane zusammenfasst. Aus toxikologischer Sicht werden zu Dioxin meist auch noch “dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (PCBs)” gezählt, die beispielsweise in Kunststoffen und Weichmachern enthalten sein können. Dioxin entsteht bei Verbrennungsprozessen, wenn organische Verbindungen in Gegenwart von Halogenverbindungen (Chlor oder Brom) oxidieren. Dies kann bei der Müllverbrennung oder beim Recycling geschehen, hat aber auch natürliche Ursachen – auch bei Waldbränden oder Vulkanausbrüchen entsteht Dioxin. Dioxin ist ubiquitär und somit in unterschiedlicher Konzentration weltweit vorhanden und kann sogar in Gesteinsproben nachgewiesen werden, die hunderte Millionen Jahre alt sind.

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