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  • Krieg ist Frieden

    geschrieben am 06. Juli 2010 von Jens Berger

    In George Orwells Roman 1984 führen die Supermächte begrenzte Kriege an der Peripherie. Diese Kriege sind fortwährend, sie sind der Normalzustand, auch wenn die Berichterstattung der gleichgeschalteten Medien immer wieder den Frieden als erwünschten Endzustand in greifbare Nähe rückt. In 1984 dient der fortwährende Krieg an der Peripherie der Herrschaftssicherung der Eliten. Um Kritik am Krieg zu untergraben, wird er in der Propaganda als alternativlos dargestellt – “Krieg ist Frieden”.

    Der Krieg des Westens in Afghanistan wird nun bereits seit neun Jahren geführt. Auch wenn ein Sieg nie greifbar war und die Situation heute genauso hoffnungslos ist, wie in den Jahren zuvor, sprechen Politik und Medien regelmäßig von Frieden und Stabilität als Endzustand, der in greifbarer Nähe läge. Da der Glaube an den Endsieg der Demokratie und der Freiheit am Hindukusch jedoch in der Öffentlichkeit schwindet, wechselt auch die Politik langsam ihre Rhetorik. Der neue Oberbefehlshabende Petraeus spricht bereits von einem „fortwährenden Krieg“ und auch Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg stimmt die deutsche Nation bereits auf einen Paradigmenwechsel und ein deutlich längeres Engagement am Hindukusch ein. Krieg ist Frieden.

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    Wider den Moraltotalitarismus!

    geschrieben am 05. Juli 2010 von Jens Berger

    Armes Land der Bayern. Fast jeder vierte volljährige Bewohner des stolzen Freistaats ist gestern dem Ruf der Fit-for-Fun-Dogmatiker gefolgt und hat sich in einem Volksbegehren für die Einführung des schärfsten Anti-Raucher-Gesetzes in Deutschland entschieden. Die Diktatur des Pöbels hat wieder einmal über die Unvernunft gesiegt. In Bayern wird damit bereits in wenigen Wochen der Tabakgenuss selbst in separaten Gaststättenräumen mit geschlossenem Lüftungssystem und in kleinen Eckkneipen verboten sein. Dem gesundheitsbewussten Jogger ist es auch schwerlich zuzumuten, täglich verschwitzt an Kneipen vorbeizuhasten, in denen übergewichtige Genussmenschen beieinander sitzen und sich bei einem alkoholischen Getränk oral an Giftstängeln berauschen und der Gemütlichkeit und der Geselligkeit frönen. Mit der Sünde kommt das Verderben und das ewige Leben erreicht nur der Tugendhafte.

    Doch dieser Teilerfolg ist der Anti-Raucher-Lobby noch nicht genug. Heute gehört uns Bayern und morgen die ganze Welt? Nun plant man bereits den bundesweiten Angriff auf die Freiheit von Wirten und ihren Gästen. Armes Deutschland, wohl den Bundesländern, in denen die Landesverfassung hohe Hürden für Volksbegehren eingebaut hat.

    Verbotswahn

    Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass das ehemalige Volk der Dichter und Denker und der Richter und Henker sich selbst seiner Freiheit beraubt? Der Michel hat eine neue alte Marotte wiederentdeckt, den Ruf nach Verboten. Das gefällt dem Michel gut, liebt der Michel doch Autoritäten, die ihm sagen, was er zu tun und zu lassen, zu denken und zu meinen hat – und wann er in Polen einmarschieren soll. War es früher der preussisch geprägte Ordnungssinn, der in Form von Obrigkeitswahn, vorauseilendem Gehorsam des deutschen Biedermanns und reglementierender Bürokratie unser Leben formte, so haben sich die Pickelhauben von gestern mit den Latzhosen von heute verbündet. Der Gesundheits-, Ernährungs- und Ökowahn der gut situierten, aber politisch desillusionierten und weltanschaulich sinnentleerten Mittelschicht mit Bildungshintergrund, hat sich längst zu einer Religion entwickelt.

    “Wer mehr als Hunger hatte, war einst Denker. Heute ist Denker, wer die Sattheit nicht länger erträgt.”
    Walter Fürst

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    54, 74, 90, 2010 – Jogis Mädchen träumt vom Sommermärchen

    geschrieben am 02. Juli 2010 von Jens Berger

    Angela Merkel macht es richtig. Es kriselt im Koalitionsgebälk, die Umfrageergebnisse dümpeln im demoskopischen Kellerloch vor sich hin und dann vermasseln ihr ihre Parteifreunde auch noch den Durchmarsch ihres Präsidentschaftskandidaten. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: die Hütte brennt, die Stimmung ist mies, die Kanzlerin im Popularitätsloch. Und was macht die Regentin? Sie setzt sich in ihren Flieger und schaut sich im fernen Südafrika das Fußballspiel der deutschen Equipe gegen die Argentinier an. Adieu Tristesse! Jogis Mädchen weiß, dass das positive Image der jungen deutschen Mannschaft nur positiv auf sie abfärben kann und Politik und Fußball in diesem unseren Lande oft Hand in Hand durch die Geschichte gehen.

    Das Wunder von Bern

    Als die westdeutsche Fußballnationalmannschaft 1954 sensationell gegen die hoch favorisierten, filigranen Ungarn den Weltmeistertitel holte, gab es zwar bereits ein geistiges Band zwischen Politik und Fußball, parteipolitisch wurde diese Symbiose allerdings noch nicht ausgeschlachtet. Konrad Adenauer konnte den Torpfosten nicht von der Eckfahne unterscheiden und ignorierte das Wunder von Bern, so gut er konnte. Das hatte natürlich einen guten Grund. Die internationale Rezeption des deutschen Sieges, zu dem im Berner Wankdorfstadion aus den Kehlen zehntausender mitgereister Schlachtenbummler die erste Strophe des Deutschlandlieds dröhnte, war – anders als es moderne Legenden gerne behaupten – vernichtend.

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    Pinky oder der Brain

    geschrieben am 02. Juli 2010 von Jens Berger

    Die Bundesregierung setzt ihre fatale Wirtschaftspolitik fort und untergräbt die Fundamente der Europäischen Union

    ein Gastartikel von Caspar Bildner

    Eines haben die Sub­pri­me-Kri­se 2007/08 und die eu­ro­päi­sche Schul­den­kri­se 2010 ge­mein­sam: Die Kre­dit­be­din­gun­gen zwin­gen die Schuld­ner in die Knie, die Gläu­bi­ger sind da­durch eben­falls von In­sol­venz be­droht. Im ers­ten Fall wur­den die Gläu­bi­ger ge­ret­tet, im zwei­ten die Schuldner. Durch das ver­spä­te­te und wenig be­herz­te Ein­grei­fen der eu­ro­päi­schen Staa­ten zur Hilfe Grie­chen­lands wurde ver­deckt, wie ge­fähr­det die Ban­ken bei Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Lan­des ge­we­sen wären: Selbst nach Ein­schät­zung der EZB stand das eu­ro­päi­sche Fi­nanz­sys­tem vor dem Zu­sam­men­bruch.

    Da­hin­ter ste­hen ge­wal­ti­ge Un­gleich­ge­wich­te im Wirt­schafts­ge­fü­ge und in der Kon­zen­tra­ti­on von Ka­pi­tal, das in die Fi­nanz­märk­te fließt. Im Falle der ame­ri­ka­ni­schen Kre­dit­kri­se schuf die­ses Ka­pi­tal eine künst­li­che Nach­fra­ge durch Schuld­ner, die ei­gent­lich nicht über ein aus­rei­chen­des Ein­kom­men ver­füg­ten. Ein gro­ßer An­teil die­ser Kre­di­te floß aus den Pensionsfonds, aber auch aus China und Deutsch­land: Deren Ex­port­über­schüs­se müs­sen schließ­lich ir­gend­wo an­ge­legt wer­den. In Chi­nas Fall stamm­te der Über­schuss maß­geb­lich aus der un­ter­be­wer­te­ten Wäh­rung, die zu Be­ginn der De­ka­de einer noch nicht kon­kur­renz­fä­hi­gen Wirt­schaft einen Vor­sprung ver­schaf­fen sollte. Deutsch­land da­ge­gen stei­ger­te die Kon­kur­renz­fä­hig­keit sei­ner oh­ne­hin star­ken In­dus­trie auf Kos­ten sin­ken­der Löhne brei­ter Teile der Be­völ­ke­rung: Ein Teil die­ser Ge­win­ne floß über Ban­ken in die ame­ri­ka­ni­sche Kre­dit­wirt­schaft.

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    Perspektiven zur Perspektivlosigkeit

    geschrieben am 01. Juli 2010 von Jens Berger

    Die Wahl des zehnten Bundespräsidenten war viel mehr als eine eigentlich kaum bedeutsame Wahl des deutschen Staatsoberhauptes. Sie war eine Nagelprobe für den Zustand der Regierungskoalition und gleichzeitig eine Weichenstellung für künftige Machtoptionen. So paradox es klingen mag – Gewinner dieses unwürdigen Spektakels ist die Union, auch wenn die Kanzlerin selbst schwer beschädigt wurde. Sollte es in den nächsten Jahren keine epochalen Wählerwanderungen geben, wird es keine Regierung mehr ohne die Union geben können. Die Containment-Politik der SPD und der Grünen gegen die Linke erreichte am gestrigen Tag ihren neuen Höhepunkt. Rot-rot-grüne Bündnisse wird es auf absehbare Zeit weder in westlichen Bundesländern noch im Bund geben. Für die überwältigende Mehrheit der Spitzenpolitiker bei der SPD und den Grünen ist dies ein Erfolg, stehen sie solchen Bündnissen doch ohnehin ablehnend gegenüber. So brachte der gestrige Tag viele Gewinner hervor – Verlierer ist neben der FDP jedoch das Volk, dessen Votum immer mehr zur taktischen Verhandlungsmasse verkommt.

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