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  • Bolognese mit studentischem Hackfleisch

    geschrieben am 18. Dezember 2009 von Jens Berger

    Früher betrat ein junger Mann im Regelfall im Alter von 21 Jahren zum ersten Mal eine Universität. Heute verlässt eine junge Frau im Regelfall im Alter von 21 Jahren schon wieder die Universität, sie wurde mit fünf Jahren eingeschult, durch das Turbo-Abi geprügelt und dann an einer Bachelor-Schule im Schnellgang mit halbgarem Wissen vollgestopft. Angeblich soll diese Instant-Bildung im Schnelldurchlauf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland steigern. Ein Freund von mir, der stolze 24 Semester an der Uni verbrachte, sie aber dafür gleich mit drei Diplomen verließ, kann darüber nur bitter lachen. Heute leitet der “Bummelstudent” die Entwicklungsabteilung eines großen mittelständischen Maschinenbauers und klagt über immer unqualifiziertere Jungakademiker, die für viel Geld und mit hohem Zeitaufwand erst einmal betriebsintern nachgeschult werden müssen, so das denn überhaupt noch möglich ist.

    Der gute alte Dipl. Ing., um den die ganze Welt das deutsche Bildungssystem beneidete, wurde durch den wohlklingenden Bachelor of Engineering ersetzt. Während der gute alte Hausmeister heute zwar auch Facility-Manager heißt, sonst aber genauso gut oder schlecht ausgebildet ist, sind die jungen Bakkalaurei, die heute die Universitäten verlassen, leicht verdauliches, aber wenig gehaltvolles studentisches Hackfleisch, das durch den universitären Wolf gedreht und zu einer Bolognese verarbeitet wurde, die vor allem den Wirtschaftsverbänden mundet.

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    Exodos

    geschrieben am 17. Dezember 2009 von Jens Berger

    Schlechte Zeiten in Athen. Beinahe täglich muss die neue Regierung ihre Schuldenprognosen nach oben korrigieren, die Ratingagenturen stufen griechische Staatsanleihen herab, die Studenten stürmen die Straßen und nun streiken auch noch die Journalisten ? was für eine Tragödie! Griechenland steckt in einem ganzen Sumpf von ungelösten Problemen. Der Wiege der Demokratie, die nie den Schritt zu einer modernen funktionierenden Demokratie geschafft hat, droht nun der Souveränitätsverlust. Wenn die Griechen es nicht schaffen, ihren Augiasstall auszumisten, wird Brüssel künftig die Leitlinien griechischer Politik selbst gestalten. Damit wäre Griechenland der erste EU-Staat, der seine Souveränität an das supranationale Bündnis abgeben muss. Doch Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs, mit Spanien, Irland und vielleicht auch Italien stehen weitere Pleitekandidaten bereits in der Warteschleife.

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    Karbonkapitalismus

    geschrieben am 16. Dezember 2009 von Jens Berger

    Die billionenschwere Kehrseite der Kopenhagen-Agenda

    Die Klimakonferenz in Kopenhagen wird nicht nur von Umweltschützern mit Argusaugen beobachtet. Auch die großen Investmentbanken wollen nun ernten, was ihre Lobbyisten über Jahre hinweg gesät haben. Der Handel mit Emissionsrechten könnte schon in fünf Jahren ein Billionenvolumen erreichen und sich somit vortrefflich für neue Finanzmarktinnovationen eignen. Die Turbobanker an der Wall Street wissen schließlich am besten, wie man aus heißer Luft schwindelerregende Profite machen kann. Dabei ist es mehr als fraglich, ob ausgerechnet die Finanzmärkte, die sich vor kurzem noch nicht einmal aus eigener Kraft vor sich selbst retten konnten, nun ausgerechnet die ganze Welt vor der drohenden Klimaerwärmung retten können.

    Die Welt in guten Händen

    Blythe Masters ist trotz ihres vergleichsweise jungen Alters bereits eine Wall Street-Legende. 1997 entwickelte die damals 35jährige mit ihrem Team bei JP Morgan ein Finanzprodukt namens Bistro, mit dem sie die Kreditausfallrisiken verschiedener JP Morgan-Kunden in einem handelbaren Papier bündelte. Bistro wurde ein durchschlagender Erfolg. Die von Masters entwickelten Credit Default Swaps wurden schnell zu dem, was Investment-Guru Warren Buffet einmal “finanzielle Massenvernichtungswaffen” nannte ? ein komplett intransparenter Markt im einem “Vorkrisenvolumen” von 60 Billionen US-Dollar. Die Mutter der Finanzbombe überlebte auch die von ihr mitverursachte Finanzkrise und ist nun bei JP Morgan als “Global Head of Commodities” unter anderem für die Entwicklung neuer Finanzinnovationen im Bereich Umwelt und Klima zuständig. Auf diesem Gebiet haben Masters und JP Morgan große Pläne, schließlich darf man in der bunten Welt der Blythe Masters so eine wichtige Sache wie die Rettung der Welt nicht alleine der Politik überlassen:

    “Man kann keine erfolgreiche Klimapolitik betreiben, ohne die Finanzbranche ganz maßgeblich daran teilhaben zu lassen”
    Blythe Masters, JP Morgan

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    Buchempfehlungen

    geschrieben am 15. Dezember 2009 von Jens Berger

    Weihnachten ? das Fest der Liebe und des hemmungslosen Konsums ? steht vor der Tür. Die Innenstädte gleichen einem Tollhaus, in dem unzählige uniformierte “Jack Wolfskins” ihr Seelenheil im käuflichen Erwerb von neuen Habseligkeiten suchen ? Tand und Nippes für die Einen, Pretiosen und Galanteriewaren für die Anderen, abhängig vom Volumen des Geldbeutels und vom Geschmack des Schenkenden. Wer seine Lieben ? und vielleicht auch seine nicht ganz so Lieben ? in diesem Jahr einmal nicht mit den üblichen Krawatten, Socken, Duftwässerchen oder Alkoholika “überraschen”, sondern ausnahmsweise mal etwas Geistreiches verschenken will, sollte vielleicht zu einem guten alten Buch greifen. Buch? Ja, bedrucktes Papier zwischen zwei Deckeln aus Hartpappe. Genau das Richtige, um im Winter einmal der Schirrmacherschen-Hirnzermanschung zu entfliehen.

    Für die Leser, die sich grundsätzlich zwar so ein anachronistisch wirkendes Geschenk vorstellen können, aber nicht so recht wissen, was da denn in Frage kommen könnte, hat der Spiegelfechter eine Liste mit Empfehlungen zusammengestellt. Ursprünglich sollten einige dieser Bücher hier im Blog noch vor dem Fest ausführlich vorgestellt werden, dafür reichte die Zeit aber nicht. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben ? auch ich werde die Feiertage mit Muße verbringen und mich den noch zu lesenden Büchern widmen.

    Ich zähle darauf, dass meine lieben Leser im Kommentarbereich auch ihre persönlichen Bücherempfehlungen abgeben, so dass für jeden Interessierten etwas dabei sein sollte.

    Peter Scholl-Latour: Die Angst des weißen Mannes

    Der Großmeister der geostrategischen Analyse hat wieder zugeschlagen. In seinem neuesten Buch blickt Peter Scholl-Latour auf den asiatisch-pazifischen Raum und prophezeit das baldige Ende von 500 Jahren europäischer Dominanz. Doch Peter Scholl-Latour wäre nicht Peter Scholl-Latour, wenn er es bei Allgemeinplätzen, wie dem Siegeszug der Globalisierung und dem wachsenden Einfluss Chinas in einer Periode des Abstiegs der USA, belassen würde. Scholl-Latour geht weiter und stellt die Universalität westlicher Ideale als Leitbild für die Welt in Frage. Demokratie, Menschenrechte und die Werte der Aufklärung werden in der neuen Ära relativierbare Begriffe sein.

    Der Grandseigneur eckt mit diesem Buch in unserer ideologisch verbrämten Scheuklappenwelt wohltuend an, doch er provoziert nicht um der Provokation und der Auflage willen – Scholl-Latours Nekrolog auf den Eurozentrismus glänzt durch seine wache Beobachtungsgabe und messerscharfe Analysen. Wenn es ein Autor vermag, liebgewonnene Erklärungsmuster hinter sich zu lassen und die erzählerische Position eines neutralen Analytikers einzunehmen, dann ist es Scholl-Latour. Auch sprachlich kann dieses Buch überzeugen ? alleine schon wegen der oft antiquiert wirkenden liebevollen Wortwahl, die den Leser in den wuchtigen Ohrensessel einer Akademie entführt.

    Die Angst des weißen Mannes: Ein Abgesang ist im Propyläen-Verlag erschienen und kostet als 424seitige gebundene Ausgabe 24,90 Euro. Eine ausführliche Rezension des Buches folgt im Januar.

    Heike Groos: Ein schöner Tag zum Sterben

    Heike Groos war von 2003 bis 2008 mehrfach als Oberstabsärztin im Dienste der Bundeswehr in Afghanistan stationiert. Heute lebt sie in Neuseeland und will von ihrem Vaterland und dessen Krieg am Hindukusch am liebsten so weit wie nur irgendwie möglich entfernt sein. Schwer traumatisiert kämpfte sie anfangs gegen die Trauer, den Schmerz und die unbändige Wut an, die sich in ihr aufgestaut haben. Ihr Buch “Ein schöner Tag zum Sterben” ist nicht nur ein oft verzweifelt wirkender Blick auf ihre Erlebnisse, sondern auch ein Stück Selbstfindung. Nur wer seinem Schmerz ins Auge blickt, kann mit ihm leben.

    Die Schilderungen von Heike Groos sind in ihrer ganzen Authentizität erschreckend und weit entfernt von einer politischen korrekten Wohlfühllektüre. Wenn sie ihren zeitweiligen Hass auf das afghanische Hilfspersonal im ISAF-Camp beschreibt, der in den Tagen nach einem Anschlag auf einen Bundeswehrbus in Kabul, bei dem vier ihrer Kameraden ums Leben kamen, in ihr hochkochte, so kann der Leser mit ihr fühlen. Wenn sie dann ihre eigenen Emotionen analysiert und zu dem Schluss kommt, dass Kriege genau so funktionieren, da ein Soldat mit Empathie in der kalten militärischen Logik kein guter Soldat sein kann, hat sie zweifelsohne recht. Diese Verrohung beim “gemeinen Landser” ist ein zentrales Motiv des Buches. Vom überzeugten Aufbauhelfer in Uniform zum Rambo in Flecktarn ? fünf Jahre Afghanistan haben auch das Erscheinungsbild der Bundeswehr verändert. “Ein schöner Tag zum Sterben” begleitet diesen Transformationsprozess kritisch und erinnert den Leser auch an die deutschen Opfer, die nicht im Zinksarg oder im Lazarett-Airbus zurück in die Heimat geflogen wurden ? über die unzähligen traumatisierten Veteranen spricht in diesem Lande nämlich kaum jemand.

    Ein schöner Tag zum Sterben: Als Bundeswehrärztin in Afghanistan ist bei Krüger erschienen und kostet als 272seitige gebundene Ausgabe 18,95 Euro. Eine ausführliche Rezension des Buches folgt im Januar.

    Ibrahim Evsan: Der Fixierungscode

    Wer einen “Anti-Schirrmacher” sucht, ist bei Ibrahim Evsan bestens aufgehoben. Denn dort, wo der konservative Schöngeist Fragen aufwirft und Probleme erkennt, liefert der Web-Fachmann Evsan Antworten und Problemlösungen. Mit Schirrmachers “Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen” hat Evsans “Der Fixierungscode – Was wir über das Internet wissen müssen, wenn wir überleben wollen” eigentlich nur den sperrigen Untertitel gemein.

    Hätte Frank Schirrmacher nur den “Fixierungscode” gelesen, bevor er zu Feder und Tinte griff. Ibrahim Evsan gibt sich nämlich redlich Mühe, den digitalen Kosmos Internet zu erklären, bevor er auf die zwangsläufigen Probleme zu sprechen kommt. Die Sucht nach dem Netz, die trügerische Heimeligkeit sozialer Netzwerke und vor allem die unfreiwillige Preisgabe vertraulicher und teilweise sogar intimer Details sind auch für Evsan Probleme. Probleme allerdings, denen man mit ein wenig Hintergrundwissen aus dem Weg gehen kann.

    Dort, wo es möglich ist, zeigt Evsan Problemlösungen auf, vor den “Supermächten” im Internet muss allerdings auch der Fachmann kapitulieren. Die Macht von Goolge und Konsorten ist ein reales Problem des Netzes und wird selbst von Netzveteranen meist entweder negiert oder bagatellisiert. Als einzigen Ausweg aus der Umarmung der Krake sieht Evsan die digitale Selbstbestimmung der Netzbürger. Vor allem für Newbies und interessierte Laien ist dieses Buch eine gelungene Einführung in den digitalen Kosmos.

    “Der Fixierungscode: Was wir über das Internet wissen müssen, wenn wir überleben wollen” ist im Zabert Sandmann-Verlag erschienen und kostet als 200seitiges Hardcover 16,95 Euro. Eine ausführliche Rezension des Buches folgt im Januar.

    Albrecht Müller: Meinungsmache

    Albrecht Müller ist zweifelsohne das Schwergewicht unter den politischen Bloggern. Seine Nachdenkseiten, die er zusammen mit Wolfgang Lieb betreibt, sind nicht nur das meistgelesene, sondern auch das wichtigste politische Blog im deutschen Sprachraum. Unermüdlich arbeiten Müller und Lieb an einer Gegenöffentlichkeit, die dem medialen Mainstream Kontra geben soll.

    Nach seinen erfolgreichen Büchern “Die Reformlüge” und “Machtwahn” hat sich Müller in seinem jüngsten Werk an eine Analyse des Systems der Meinungsmache gewagt. Mit welchen Mitteln arbeiten die Kampagneros und welche medialen Kanäle nutzen sie? Welche Auswirkungen hat diese Meinungsmache im politischen Leben? Wie beeinflussen die Wünsche einer kleinen Elite unser alltägliches Leben?

    Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Müller die Möglichkeiten der Meinungsmacher auf. Wer immer noch an die Mitbestimmung des Volkes im politischen Willensbildungsprozess glaubt, wird von Müller eines Besseren belehrt. Dieses Buch ist vor allem als Geschenk für überzeugte Demokraten und gläubige Zeitungsleser genau die richtige Wahl. Aber auch diejenigen, die sich immer schon gefragt haben, wie es so weit kommen konnte und was man dagegen unternehmen kann, sind bei Müller gut aufgehoben.

    “Meinungsmache. Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen” ist im Droemer Verlag erschienen und kostet als 448seitige gebundene Ausgabe 19,95 Euro.

    Jens Berger

    Update: Empfehlungen der Spiegelfechter-Leser:

    “Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins Landesinnere” von Günter Wallraff

    Wehe dem Sieger: Ohne Osten kein Westen” von Daniela Dahn

    “Die gefährdete Republik: Von Bonn nach Berlin 1949 – 1989 – 2009″ von Albrecht von Lucke

    “Krieg ohne Fronten: Die USA in Vietnam” von Bernd Greine

    “Ich erhebe meine Stimme: Eine Frau kämpft gegen den Krieg in Afghanistan” von Malalai Joya

    “Was war die DDR wert?: Und wo ist dieser Wert geblieben?. Versuch einer Abschlußbilanz” von Siegfried Wenzel

    “Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde” von Alan Weisman

    “Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen: Zentrale Schriften zur Politik” von Noam Chomsky

    “Das Paradies am Rande der Stadt” von Volker Strübing

    “Der Hass auf den Westen: Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren” von Jean Ziegler

    “Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen” von Jared Diamond

    “Die blinden Flecken der Ökonomie: Wirtschaftstheorien in der Krise” von Bernd Senf

    “Brandherd Pakistan: Wie der Terrorkrieg nach Deutschland kommt” von Christoph R. Hörstel

    “Volksparteien ohne Volk: Das Versagen der Politik” von Hans Herbert von Arnim

    “I wouldn’t start from here
    The 21st Century and Where It All Went Wrong” von Andrew Mueller

    “Hirn ist aus” von Urban Priol

    “Wer’s glaubt, wird selig”von Dieter Nuhr

    “Denken Sie selbst!” von Vince Ebert

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    Die chinesische Knoblauchblase

    geschrieben am 13. Dezember 2009 von Jens Berger

    Nicht Gold oder Aktien, sondern Knoblauch war im letzten Jahr die renditeträchtigste Anlage im Reich der Mitte ? die Schweinegrippe macht’s möglich

    Shao Mingqing ist ein chinesischer Held. Der 22jährige aus der Provinz Shandong hatte im September den richtigen Riecher. Er lieh sich Geld und kaufte davon auf dem Großmarkt 100 Tonnen Knoblauch. Einen Monat später verkaufte er die edlen Knollen zu mehr als dem doppelten Preis. Vom Gewinn seiner Knoblauch-Spekulation erfüllte sich der arbeitslose Shao nun einen Traum ? einen neuen Toyota. Doch im Vergleich zu den Großen im Geschäft ist Shao nur ein kleiner Fisch. Spekulanten aus der Immobilienbranche karren täglich mit dem LKW ganze Ernten an Knoblauch von einem Lagerhaus in das nächste. Das Angebot ist knapp, die Nachfrage riesig. Der Durchschnittspreis für Knoblauch hat sich in China binnen eines Jahres verfünfzigfacht ? von 0,15 Yuan (rund 1,5 Cent) auf 8 Yuan (rund 80 Cent) pro Kilogramm. In Hangzhou ist Knoblauch mit 14 Yuan (rund 1,40 Euro) pro Kilo bereits teurer als Schweinefleisch, das in China immer noch als Luxusspeise gilt. Einige Spekulanten hat der Knoblauch im wahrsten Sinne des Wortes stinkreich gemacht.

    Auf China entfallen rund 80% der weltweiten Knoblauchernte und rund 90% des Welthandels. Knoblauch gilt in China allerdings nicht nur als schmackhaftes Lebensmittel, sondern er wird in der traditionellen chinesischen Medizin auch als Prophylaxe gegen Erkältungen und Grippe eingesetzt. Da auch in China nicht nur die Schweinegrippe, sondern vor allem die Schweinegrippe-Hysterie grassiert, ist die Nachfrage nach Knoblauch gewaltig. Ganze Schulen bestellen säckeweise Knoblauch, um ihre Schüler auf diese Art und Weise vor dem Virus zu schützen. Mehrfache Presseerklärungen von offizieller Seite, in denen die prophylaktische Wirkung von Knoblauch bestritten und das Volk stattdessen zur Impfung aufgerufen wird, verhallten meist ungehört. Die Segnungen der modernen Medizin werden vielerorts immer noch kritisch beäugt, schließlich ist man mit Maos “Barfußärzten” und ihrer Mischung aus Naturheilkunde und tradiertem Aberglauben aufgewachsen. Knoblauch gilt jedoch nicht nur in China als Wundermittel gegen die Schweinegrippe. Länder wie Südkorea und Japan, die noch im letzten Jahr durch hohe Handelshürden chinesische Knoblauchimporte verhindert haben, können die erhöhte Nachfrage nicht mehr decken und importieren in diesem Jahr große Mengen aus China. Aber auch in Europa “bekämpft” man die Schweinegrippe mit Knoblauch. Das moldawische Verteidigungsministerium lässt an seine Soldaten Extrarationen Knoblauch und Zwiebeln als Schweinegrippe-Prophylaxe austeilen und auch in der Ukraine und in Serbien ist die Knolle als Heilmittel sehr beliebt. In Belgrad ist sie sogar so beliebt, dass auch dort die Marktpreise bereits kräftig anzogen.

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