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  • Wasserkraftnutzung im Wiesental

    geschrieben am 07. April 2011 von Gastautor

    ein Gastartikel von Christoph Jehle

    Energiewende, mehr Erneuerbare, dezentrale Stromerzeugung, das sind die Schlagworte, die derzeit durch den Raum schwirren, als wären es neue Erkenntnisse. Vieles davon gibt es schon lange und in manchen Regionen hat es sich sogar gegen denkbar viele Widerstände über Jahrzehnte erhalten. Eine dieser Regionen ist das Wiesental im Südschwarzwald, das vom Feldberg, dem höchsten Berg im Schwarzwald nach Süden entwässert und bei Basel in den Rhein mündet. An der Wiese und ihren Zuflüssen sind heute 71 Wasserkraftwerke mit einer gesamten Nennleistung von 12,39 MW in Betrieb. Von den in Süddeutschland häufigen Westwinden und den östlich des Schwarzwaldhauptkamms abregnenden Wolken ausgiebig mit Regen versorgt, sorgen die Turbinen im Wiesental für eine kontinuierliche Stromproduktion. Wie in den meisten Mittelgebirgen waren Wasserkraftanlagen auch im Schwarzwald seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Ursprung und Keimzelle der Versorgung mit elektrischem Strom. Zahlreiche dezentrale Kleinkraftwerke vorsorgten Handwerks- und Industriebetriebe und zunehmend auch Privatkunden, die es sich leisten konnten. Mit der Gründung von Landeselektrizitätsgesellschaften wie dem Badenwerk, einer der Vorläufergesellschaften der heutigen EnBW in Karlsruhe, wurden viele kleine Wasserkraftwerke stillgelegt. Oft war die Stilllegung der eigenen Wasserkraft zwingende Voraussetzung für eine Belieferung durch den Regionalversorger. Gerade zu Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders wuchs der Strombedarf von Industriebetrieben und kleinen lokalen Stromversorgern. Für viele Wasserkraftanlagen, die teilweise weniger Leistung hatten, als ein heutiger Mittelklasse-PKW, kam spätestens dann das Ende. Mittel und Wege, eine Stilllegung der Eigenerzeugung durchzusetzen, gab es in ausreichender Zahl.

    Das Wiesental und hier speziell das hintere Wiesental von Todtnau bis Utzenfeld wich von dieser Entwicklung deutlich ab, weil in diesem Tal die Stromversorgung zu dieser Zeit der Wasserkraft-Stilllegungsaktionen in den Händen der Stadtwerke Todtnau und der Firma Elektrizitätswerk Hödle, einem Familienbetrieb in Utzenfeld lag, deren Vorgehensweise deutlich von den Gebräuchen der großen Regionalversorgern abwich. Vielleicht lag es auch an der Mentalität der häufig als stur beschriebenen Schwarzwäldern, dass an der Wiese nicht nur alte Anlagen überleben konnte, sondern auch zahlreiche neue Werke errichtet werden konnten.

    Am Oberlauf der Wiese zwischen Fahl und Utzenfeld werden heute 11 Wasserkraftanlagen mit einer Leistung zwischen 28 und 220 kW betrieben. Die Gesamtnennleistung dieser Anlagen beträgt etwa 790 kW.

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    „Ich hoffe, dass in den Verlusten auch ein Zeichen von Abwendung steckt“ – Interview mit Günter Wallraff

    geschrieben am 06. April 2011 von Jens Berger

    Die Otto-Brenner-Stiftung (OBS) hat wieder einmal einen kritischen Blick auf die Berichterstattung der deutschen Medien geworfen. Nachdem die Autoren Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz im letzten Jahr den Wirtschaftsjournalismus vor und während der Wirtschafts- und Finanzkrise begutachteten, analysierten sie in diesem Jahr die Berichterstattung Deutschlands auflagenstärkster Tageszeitung während der Euro- und Griechenlandkrise. Die Studie »Drucksache „Bild“ – Eine Marke und ihr Mägde« wird heute im Printformat veröffentlicht und am Freitag ausführlich auf den NachDenkSeiten vorgestellt. Bereits heute möchten wir unseren Lesern das Interview der OBS-Autoren mit dem Enthüllungsjournalisten und BILD-Kenner Günter Wallraff vorstellen.

    Herr Wallraff, wie beschreiben Sie „Bild“?

    WALLRAFF: Sie ist eine Art Wundertüte, da ist alles drin – Unterhaltung, menschliche Dramen, zum Konsum aufbereitet, Sex, Verbrechen, Appelle an niedere Instinkte. So verschieden die Themen auch sind, in einem gleichen sie sich: Es durchzieht sie der Charakterzug der mal subtilen, mal grobschlächtigen Beeinflussung. Es gibt ein Meinungsdiktat. Das gilt für jede einzelne Geschichte: Das ist die Wahrheit, hier steht sie, so war und so ist das. Und es gibt ein Diktat, welches das gesamte Blatt prägt. Eine sehr eindeutige Haltung, vor allem wenn es um politische Interessen geht. „Bild“ bedient immer die Interessen des konservativen Lagers, das ist eine Konstante. Das gilt vor allem, wenn Wahlkampf ist. Da ist Verlass auf „Bild“: Es wird immer der jeweils konservativste Kandidat unterstützt und der andere entweder ignoriert oder offen bekämpft. Das hat sogar Gerhard Schröder in seiner Amtszeit zu spüren bekommen, obwohl er sich dem Blatt für jede Homestory öffnete, obwohl er sich einen „Bild“-Mann als Regierungssprecher holte, obwohl er Hardliner-Sprüche losließ gegen Sexualstraftäter und straffällig gewordene Ausländer, obwohl er „Bild“ adelte, indem er sagte, er brauche zum Regieren nur „Bild“, „BamS“ und „Glotze“. Im Wahlkampf hat ihm das dann nichts mehr genützt …

    Aber den Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber im Jahr 2002 und Angela Merkel im Jahr 2005 hat es umgekehrt letztlich doch auch nichts genützt …?

    WALLRAFF: Das ist vom Ergebnis her in diesen beiden Fällen richtig. Von „Bild“ unterstützt zu werden, das ist heute – im Gegensatz zu früher – weniger denn je eine Garantie, Erfolg zu haben. Aber auch in diesen Fällen gilt: „Bild“ hilft. Ich versuche einmal, den möglichen Einfluss und die Kraft von „Bild“ zu beschreiben. Das Blatt hat sicher die Kraft, in solchen Wahlkämpfen die Stammwähler mit zu mobilisieren, mit bestimmten Kampagnen, die für den konservativen Kandidaten sprechen oder die seinen Gegenkandidaten denunzieren, Angst vor ihm schüren. „Bild“ hat meines Erachtens – besonders in politischen Auseinandersetzungen – eine Kraft zur Zerstörung: Indem sie Inhalte falsch oder etwas falsch darstellt, aus dem korrekten gültigen Zusammenhang herausreißt und in einen falschen hineinsetzt. Wenn der Wahlausgang knapp zu werden droht und „Bild“ in der Schlussphase eine entsprechende Kampagne gegen den nichtkonservativen Kandidaten startet, kann das schon die Entscheidung bringen. Zumal „Bild“ Kombattanten hat, die, wenn das Jagdhorn ertönt, mitmachen und ebenfalls losschlagen, nicht nur in Behörden und Parteien, auch in anderen Medien. Ich befürchte, dass diese Netzwerke im Medienbereich sogar stabiler und größer geworden sind. Wenn Journalisten um ihre Arbeitsplätze bangen oder junge Journalisten noch gar keinen richtigen Arbeitsplatz haben, überlegen sich viele, ob sie es sich mit einem potenziellen künftigen Arbeitgeber „Bild“ und damit Springer verscherzen oder ob sie sich ihn vorsorglich gewogen machen. Es ist doch heute so: Wenn Sie sich als Journalist mit Springer und „Bild“ anlegen, dann haben Sie faktisch einen großen, mächtigen Arbeitgeber weniger. Wenn Sie mit denen paktieren, dann haben Sie nicht einen potenziellen Arbeitgeber weniger, sondern einen mehr. Denn „Bild“ gut zu finden und dessen Themen und Weltbilder zu verstärken, das ist doch heute, im Gegensatz zu früher, für keinen Verlag mehr ein Grund, jemanden nicht einzustellen – im Gegenteil. Aus alldem schließe ich, dass „Bild“ mit seinen Netzwerken eine Macht in dieser Gesellschaft ist.

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    Die FDP in der Literatur – Teil I

    geschrieben am 05. April 2011 von Jens Berger

    »Das ist nicht mehr die alte Gang!« klagt der Alte und läßt seinen musternden Blick über eine Tischrunde der neuen Parteispitze in der Mitte des Lokals wandern. »Jetzt kommen die Quexe – die naßforschen Typen – die Maulhelden.«
    Seit kurzem unterscheiden sich zwei Gruppen im Lokal: die »alten Säcke«, wie die Parteifreunde des Alten sich selber nennen, und die »jungen Marschierer«, die weltanschaulich Durchgeformten, die mit dem Glauben an den Markt im Blick, die Kinnmuskelspanner, wie sie der Alte nennt, die vor dem Spiegel den dräuenden Bella-Donna-Blick üben und den Hintern ohne Not verkneifen, nur weil es Mode ist, mit zusammengepreßten Gesäßbacken federnd auf den Ballen zu wippen, das Körpergewicht leicht nach vorn verlagert. Ich starre diese Versammlung junger Helden an, als sehe ich sie zum erstenmal. Strichmünder mit scharfen Kerben zu beiden Seiten. Schnarrstimmen. Geschwellt von Elitebewußtsein und geltungssüchtig bis dorthinaus. Nichts anderes im Kopf als: Die Lobby schaut auf dich – Unsere Fahne ist mehr als das Volk.

    aus Lothar Günther Buchheim – Das Boot (minimal geändert)

    Anregung für die Teile II ff. werden gerne entgegengenommen ;-)

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    Der falsche Frühling der SPD

    geschrieben am 05. April 2011 von Stefan Sasse

    Von Stefan Sasse

    Rot-grüne Mehrheiten im Land scheinen wieder möglich. In der Wahl der Hamburger Bürgerschaftsversammlung erreichte die SPD unter dem Agenda-Boy Olaf Scholz die absolute Mehrheit. In Baden-Württemberg ist zum ersten Mal seit 58 Jahren die CDU abgelöst worden. Der Frühling für die SPD jedoch ist reiner Selbstbetrug. Die scheinbare Stärke der Partei ist in Wirklichkeit eine fortgesetzte Schwäche ihrer Gegner, möglich gemacht durch externe Faktoren, auf die die SPD keinerlei Einfluss besitzt. Das sind: die katastrophale Schwäche von Union und FDP, die gewaltige Stärke der Grünen, die Schwäche der LINKEn. Wird auch nur einer dieser Faktoren geändert, sind die rot-grünen Mehrheiten wieder dahin. Schlimmer noch, die Mehrheiten basieren allein auf der Stärke der Grünen, nicht der der SPD. Die hat sich in den Umfragen in nun zwei Jahren seit Sommer 2009 nicht signifikant verbessert und dümpelt immer noch im niedrigen 20%-Bereich herum. Dort wird sie auch bleiben, wenn ihre derzeitige Schwäche anhält.

    Tatsächlich ist die Talfahrt der SPD, die durchaus mit der der FDP vergleichbar ist, noch nicht zwingend zu Ende. Nils Schmid hat in Baden-Württemberg bewiesen, dass es durchaus möglich ist, schlechte SPD-Ergebnisse noch zu unterbieten. Die Strategie der Sozialdemokratie ist dieselbe wie noch in der Großen Koalition: die LINKE ignorieren und marginalisieren und nach Möglichkeit aus dem Parlament drängen, um möglichst nicht mit ihr koalieren zu müssen. Um den Verdacht möglicher Zusammenarbeit oder auch nur inhaltlicher Nähe von sich weisen zu können, wird der “Pragmatismus” der SPD bis ins Lächerliche überhöht. Mit “Pragmatismus” ist dabei nur die reine Verwaltung des Staatswesens unter den Auspizien neoliberaler Wirtschaftsideen gemeint. Für die SPD bedeutet das eine Umsetzung der und Ausrichtung an den Agendareformen.

    Es ist aber kaum glaubhaft, dass es der SPD gelingen sollte, bei der Bundestagswahl 2013 mit dieser Strategie tatsächlich zu punkten. Das Verwalten des Staates, das “pragmatische” Regieren, ist geradezu der Markenkern der CDU und ihrer Kanzlerin Merkel. Steinmeier ist selbst einer grauen Maus wie Merkel gegenübergestellt blass. Im besten Fall verbindet der Wähler mit ihm nichts, im schlimmsten Fall erinnert er sich an den Initiator der Agenda-Politik. Trotzdem ist die SPD von der fixen Idee besessen, mit ihrer Verwaltungsregierung und scheinbaren Ideologielosigkeit (die in sich ja schon wieder eine Ideologie ist) zur Wählergunst zurückzufinden, umso mehr nach Hamburg. Dieses Phänomen könnte man die Schmidt-Krankheit nennen.

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    Der talentierte Mr. Rösler

    geschrieben am 04. April 2011 von Jens Berger

    In der FDP herrscht Endzeitstimmung. Mit der reinen Lehre freier Märkte lässt sich nach der Finanz- und Wirtschaftskrise kaum noch ein Wähler hinter dem Ofen hervorlocken. Da sich die FDP in ihrer Führungsebene jedoch auf Gedeih und Verderb an marktradikale und marktgesellschaftliche Dogmen gekettet hat, findet sich naturgemäß auch in der erweiterten Parteispitze kaum jemand, der eine inhaltliche Alternative zum scheidenden Vorsitzenden Westerwelle bieten könnte. Als Konrad Adenauer 1958 auf die Wehrmachtsvergangenheit der hohen Offiziere der neugegründeten Bundeswehr angesprochen wurde, sagte er sinngemäß, die NATO nähme ihm nun einmal keine 18-jährigen Generäle ab. Da der Wähler der FDP nun einmal auch keinen 18-jährigen Parteivorsitzenden abnehmen würde, schrauben die Liberalen die Altersgrenze der potentiellen Westerwelle-Nachfolger marginal nach oben. Der engere Favoritenkreis besteht aus Christian Lindner (32, Spitzname „Bambi“), Daniel Bahr (34) und dem immerhin schon 38 Jahre alten Philipp Rösler. Gerade so, als sei ein junges Alter bereits ein politisches Qualitätsmerkmal, verfallen die Medien in einen Jugendrausch, der eher an die Diskussion über Jogi Löws EM-Kader, als an die Frage, wer eine Partei führen soll, erinnert. Vor allem Rösler wird medial über den grünen Klee gelobt und bereits in das Amt des Westerwelle-Nachfolgers hineingeschrieben. Dabei gibt es selbst bei der FPD kaum einen Politiker, bei dem Anspruch und Wirklichkeit derart auseinanderklaffen. Aber vielleicht qualifiziert ihn ja gerade das für den Parteivorsitz.

    Adrett, höflich, bodenständig, fleißig – das sind die Attribute, die man immer wieder hört, wenn die Anhänger von Philipp Rösler den FDP-Shooting-Star beschreiben. Diese Attribute sind zweifelsohne löblich, jedoch beschreiben sie eher das Anforderungsprofil für einen Ausbildungsplatz im Hotel- und Gaststättengewerbe und nicht die Qualifikationen, die für ein hohes politisches Amt erwartet werden müssen. Philipp Rösler studierte während seiner Bundeswehrzeit Medizin und widmete sich gleich nach seiner Promotion hauptberuflich der Politik. Als Jungpolitiker der FDP ist es nicht sonderlich schwer, schnell Karriere zu machen, wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist. Der niedersächsische Landesverband der FDP, in dem Röslers Karriere begann, hat nicht einmal 7.000 Mitglieder – etwas mehr als halb so viel wie Hannover 96, der Sportverein aus der regionalen Landeshauptstadt. Die Jungen Liberalen, deren Vorsitz Rösler 2003 in den Landtag zu Hannover brachte, haben in Niedersachsen weniger als 900 Mitglieder. Wer es in der Politik zu etwas bringen will, hat es in diesem Landesverband, der während Röslers „Politikerlehrjahre“ vom wenig schillernden Bürokraten Walter Hirche geführt – oder besser verwaltet – wurde, denkbar einfach. Rösler war seit seinem Einzug in den Landtag Hirches Protegé; als Hirche selbst zum Problemfall für die FDP wurde, nahm sich Guido Westerwelle des Nachwuchspolitikers an und positionierte ihn in der Rolle des Hirche-Nachfolgers.

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