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  • Endlich mal ein bunter YouTube-Comic, der voll und ganz zu empfehlen ist

    geschrieben am 06. Oktober 2011 von Jens Berger

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    Von der Zivilisation

    geschrieben am 06. Oktober 2011 von Jens Berger

    Von Stefan Sasse

    Der Begriff der Zivilisation ist ein merkwürdig undefinierter Begriff. Häufig spielt er auf einen bestimmten Stand kultureller Entwicklung an, meist vor allem, um ihn von den primitiven Agrar- und Stammesgesellschaften der menschlichen Frühgeschichte abzuheben. Eine ganz eigene, negative Definition erhielt er während der Zeit des deutschen Kaiserreichs, in dem er als pejorativer Begriff mit dem angelsächsischen Raum verbunden und dem eigenen Begriff der deutschen „Kultur“ gegenübergestellt wurde. In diesem Bild, dessen Nachhall selbst heute spürbar bleibt, ist „Zivilisation“ etwas kaltes, technisches, seelenloses. Man besitzt Maschinen und gewisse materielle Komforts, aber man ist gewissermaßen als Mensch zurückgeblieben. Diese Definition teile ich nicht. Zivilisation ist viel mehr etwas, das noch nicht lange existiert, das fragil und beständig gefährdet ist und das sich aus sechs Teilen zusammensetzt, die alle notwendig sind um eine echte Zivilisation zu konstituieren und zu erhalten. Gefährdet und fragil ist Zivilisation deswegen, weil bereits das Fehlen eines einzelnen dieser Teile reicht, um sie zu zerstören und etwas anderem, düstererem Platz zu machen. Wir werden dies im Folgenden im Detail beobachten können.

    Mein Zivilisationsbegriff entscheidet drei Sicherheiten und drei Freiheiten. Sie kreisen um die Zuschreibungen „persönlich“, „politisch“ und „wirtschaftlich“. Folgerichtig benötigt Zivilisation persönliche Freiheit und persönliche Sicherheit, politische Freiheit und politische Sicherheit, wirtschaftliche Freiheit und wirtschaftliche Sicherheit. Einige dieser Sicherheiten und Freiheiten haben Staaten früher, andere später entwickelt; manche Staaten besitzen gar keine (das aber sind die wenigsten). Gemein ist ihnen allerdings, dass erst die Einheit aller sechs Merkmale eine Zivilisation konstituiert. Je feiner und besser ausgestaltet sie sind, desto besser geht es den Menschen in dem fraglichen Staatsgebilde.

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    Wo steht Rot-Grün?

    geschrieben am 06. Oktober 2011 von Thorsten Beermann

    ein Gastartikel von Thorsten Beermann

    Der große Knall blieb letzte Woche aus. Angela Merkel konnte sich in der Bundestagsabstimmung über die Auswirkung des Euro-Rettungsschirms über eine Kanzlerinnenmehrheit freuen und die schwarz-gelbe Bundesregierung rettete sich über die Woche. Der Zerfall der Koalition ist abgewendet, zumindest für den Moment. Und der „Moment“ ist durchaus wörtlich zu verstehen. Selbst die regierungsfreundlicheren Medien trauen sich nicht so recht, von einer Konsolidierung zu schreiben. Eine Neuwahl scheint zu nahezu jedem Zeitpunkt zwischen Frühjahr 2012 und dem eigentlichen Termin im Herbst 2013 denkbar.

    Nach Lage der Dinge wäre das Ergebnis einer Bundestagswahl eine rot-grüne Koalition. Die FDP könnte froh sein, wenn sie überhaupt noch im Parlament vertreten wäre, womit der Union ein Partner fehlt, der sie auch nur in die Nähe einer Mehrheit bringen könnte. Jede Konstellation mit der Linken kann so gut wie ausgeschlossen werden, weil weder Union noch SPD sie wollen und weil die Linke derzeit, mit tatkräftiger Hilfe der Medien, vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Eine große Koalition, die einzig noch denkbare Alternative nach heutigem Stand, wäre für die SPD wenig attraktiv. Zum einen müsste man sich wieder in die Rolle des Juniorpartners begeben, während mit den Grünen die Führungsrolle winkt, zum anderen hat man ja bis vor gerade mal zwei Jahren gemacht, dass die Union unter Merkel es außerordentlich gut schafft, Ärger über unliebsame Entscheidungen auf den Koalitionspartner zu übertragen. Allein die Piraten könnten der Reinkarnation von Rot-Grün noch die entscheidenden Prozentpunkte zur Mehrheit abnehmen.

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    Berger vs. Sasse – Meinungspluralität auch für Blogs? Teil II

    geschrieben am 29. September 2011 von Jens Berger

    Dieser Artikel ist eine Erwiderung zu Stephan Sasses Artikel „Vernetzung und Information heute“.

    Mit Bloggerblumen gegen Medienpanzer

    von Jens Berger

    Wer denkt, die Massenmedien würden durch ihre Simulation von Meinungspluralität tatsächlich auf die Gegenöffentlichkeit eingehen, irrt gewaltig. Der Siegeszug des Internets und der sozialen Netzwerke ist am ehesten mit der Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen. Vor Gutenbergs revolutionärer Entwicklung besaß die katholische Kirche de facto das Monopol für gedrucktes Wissen. Dank der Buchdrucktechnik konnte fortan jedermann, der genug Geld hatte, sein Wissen und seine Meinung verbreiten, um den kostenaufwändigen Druck eines Buches oder einer Zeitung zu finanzieren. Erst das Netz demokratisierte die Publizistik, in dem es wirklich jedermann die Möglichkeit verschaffte, andere Menschen an seinen Gedanken in schriftlicher oder audiovisueller Form teilhaben zu lassen. Dass die finanzstarken Massenmedien den Verlust ihres Meinungsmonopols nicht einfach so hinnehmen würden, war klar – sie hatten schließlich aus den Fehlern der katholischen Kirche gelernt.

    Von daher überrascht es keineswegs, dass die Massenmedien versuchen, sich durch die Simulation der Leserpartizipation und des Zulassens von Meinungspluralität einen aufklärerischen, modernen Anstrich zu verpassen. Ein marodes Haus, dessen Fundament bröckelt, bleibt jedoch auch dann marode, wenn man ihm neue bunt gestrichene Fensterläden verpasst. Blickt man hinter die Kulissen, stellen sich die „Modernisierungsmaßnahmen“ der Massenmedien schnell als potemkinsche Dörfer dar.

    Nehmen wir doch einmal das besucherstärkste Onlinemedium als Beispiel. Sicher, SPIEGEL Online hat sich durch seine neue Rubrik „Die Kolumnisten“ den Anstrich eines Mediums gegeben, das Meinungspluralität zulässt. Aber wie weit geht diese „Meinungspluralität“? Georg Dietz und Sibylle Berg schreiben über „weiche Themen“, ihre Kolumnen schrammen hart an der Grenze zur Belanglosigkeit vorbei und reihen sich damit mühelos in den „Panorama-Teil“ des Mediums ein. Auf so etwas muss man nicht näher eingehen. Sascha Lobos Kolumne ist zweifelsohne interessant – da aber eigentlich niemand, der sie überhaupt versteht, je großartig anderer Meinung als Lobo war oder ist, hält sich die aufklärerische Wirkung ohnehin in Grenzen, zumal sein Themenspektrum auch eng umrissen ist und allenfalls von „Netzjunkies“ als „hartes Thema“ verstanden wird. Bleiben Jan Fleischhauer und Jakob Augstein.

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    418 Kommentare

    Berger vs. Sasse – Meinungspluralität auch für Blogs? Teil I

    geschrieben am 29. September 2011 von Jens Berger

    Vernetzung und Information heute

    von Stefan Sasse

    In seiner aktuellen Kolumne im Spiegel stellt Sascha Lobo eine bemerkenswerte Behauptung auf: Facebook sei nur das Symptom eines um sich greifenden Trends, die Privatsphäre neu zu definieren und Informationen aller Art zu verknüpfen und öffentlich zu machen. Er postuliert eine Umkehrung bisheriger Paradigmen: nicht mehr alles, was nicht öffentlich ist sei privat, sondern alles was sei öffentlich, was nicht explizit als privat markiert wird. Das bedeutet, dass wenn man Facebook einfach aus der Welt entfernte (meinetwegen mit einem Schwung von Gandalfs Zauberstab), sich an der Entwicklung selbst nichts ändern würde. Ich stimme dieser Ansicht zu, aber von ihr ausgehend erscheint mir etwas völlig anderes bedeutsam: Menschen verknüpfen mehr und mehr Informationen zu ihrem eigenen, individuellen und sehr persönlichen Netz. Die Funktion ist gerade auch das tägliche Zurechtfinden im Internet. Beispiel gefällig? Man liest einige Blogs regelmäßig, darunter die NachDenkSeiten, und nutzt deren Hinweise des Tages als Hauptquelle der Orientierung im Nachrichtendschungel.

    Dieses Verhalten lässt sich natürlich beliebig verkomplizieren. Auf Facebook teilt man mit gleichgesinnten Links zu Artikeln, man hat vielleicht bestimmte Twitter-Feeds mit entsprechenden Hinweisen abonniert und einen mehr oder minder gut ausgebauten Feedreader. Das Resultat aber bleibt sich gleich: eine vergleichsweise stark gefilterte Auswahl an Artikeln, die den Präferenzen des Lesers entspricht. Trotz oder gerade wegen des relativ großen Angebots an Meinungsseiten im Internet tritt so eine Fragmentierung ein. Der Anstoß hierfür kam, das soll nicht verhehlt werden, von den traditionellen Medien selbst: ihre vollkommen unkritische Jubelstimmung während der Agendazeit, in der eine stromlinienförmige Ausrichtung praktisch aller Redaktionen am neoliberalen Reformmainstream erfolgte, provozierte eine Gegenreaktion, die in den NachDenkSeiten ihren wohl bekanntesten Ausdruck fand. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass Albrecht Müller einer, wenn nicht der Gründervater der „Gegenöffentlichkeit“ war.

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