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  • Open Thread: Sozialisten sind die wahren Liberalen

    geschrieben am 06. Juni 2011 von Jens Berger

    Langjährige Leser des Spiegelfechters wissen, dass es nur sehr selten vorkommt, dass ich – ohne eigenen Artikel – auf einen empfehlenswerten Text hinweise. Heute möchte ich jedoch eine Ausnahme machen und das hat einen Grund: Oskar Lafontaines Aufsatz “Sozialisten sind die wahren Liberalen“ ist nicht nur brillant, er spricht mir auch dermaßen aus der Seele, dass es keinen Sinn machen würden, ihn durch eigene Anmerkungen zu ergänzen.

    Ich kenne die Situation je selbst aus eigener Erfahrung: Wer von sich selbst behauptet, er sei „linksliberal“, wird im linken Umfeld oft scheel angesehen. Mit dem „Liberalismus“ verbinden viele Menschen nun einmal den „Vulgärliberalismus“ der FDP bzw. den reinen „Marktliberalismus“. Dass „links“ und „liberal“ keine Widersprüche sind, beweist Oskar Lafontaine in seinem klugen Aufsatz. Da dieses Thema sicherlich von vielen Lesern kontrovers gesehen wird, habe ich mich entschieden dazu einen „Open Thread“ anzubieten.

    Viel Spaß beim Diskutieren, Euer Spiegelfechter
    Jens Berger

    333 Kommentare

    Is it really the economy (stupid)?

    geschrieben am 04. Juni 2011 von Stefan Sasse

    Von Stefan Sasse

    Nikolaus Piper analysiert in einem aktuellen SZ-Artikel die Wiederwahlchancen Barrack Obamas 2012 wie folgt: „All diese Spekulationen sind voreilig, denn sie stellen einen zentralen Faktor außer Rechnung: die Lage der amerikanischen Wirtschaft. „It’s the economy, stupid“, sagte Bill Clinton einmal – amerikanische Wahlen werden mit Wirtschaftsthemen gewonnen oder verloren.“ Piper geht darauf ein, dass die Arbeitslosenrate sehr hoch und dass ein Präsident mit solchen Werten in dieser zentralen Statistik seit Roosevelt nicht mehr wiedergewählt worden sei. Piper hat sicherlich Recht wenn er sagt, dass Wirtschaftsthemen in einem Wahlkampf bestimmend sind; wir haben das in der BRD schon oft genug erlebt. Gleichzeitig greift er aber wesentlich zu kurz, wenn er einige spröde Zahlen zur Wirtschaftslage als Gradmesser, ja als praktisch nachweisbare und unumstößliche Regel für Wahlerfolge zu erklären. Zahlen führen in die Irre, und Wahlkämpfe sind Psychologie. 2008 gewann Obama nicht nur, weil Lehmann Brothers kollabierte, ja, ich verstehe gar nicht, wie Piper das zu einem zentralen Baustein des Wahlerfolgs machen kann. Obama siegte mit seiner Botschaft von „change“. Es zeichnet sich jedoch bereits deutlich ab, dass die Lage der Wirtschaft das entscheidende Thema 2012 werden wird. Das Problem Obamas in den Augen Pipers: „Obama hat sein komplettes Wirtschaftsteam ausgewechselt, mit Ausnahme von Finanzminister Timothy Geithner. Jetzt weiß niemand mehr, für was der Präsident steht.

    Eigentlich ist die bisherige Position Obamas relativ einfach zu umreißen, und das ganz ohne einen einzigen Berater zu kennen: Geldschöpfungspolitik der Fed, schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme, mittelfristige Innovations- und Strukturwandelprogramme. Dazu kommt ein kompromissbereiter Kurs mit der Wallstreet. Die letzten Monate der US-Innenpolitik standen im Zeichen des Budgetstreits, denn die Republikaner, die mittlerweile das Repräsentantenhaus kontrollieren, wollen einer Aufweichung der Schuldenobergrenze und damit weiteren staatlichen Investitionen nicht zustimmen. Sie sind für eine harte Sparpolitik; wer hätte auch damit gerechnet. Einige wirtschaftliche Berater Obamas sind abgesprungen, einige hat er selbst ausgewechselt; beides ist verständlich, wenn man sich die Realitäten ansieht, innerhalb derer er gerade Wirtschaftspolitik betreiben muss. Das Land ist politisch schwer gespalten, seit die Tea-Party-Bewegung äußerst aggressiv, gestützt von einem konservativen Mediennetzwerk, wie dem von FOX News, gegen den Präsidenten vorgeht. Anstatt den Fehdehandschuh aufzunehmen, hat Obama seine eigene Taktik mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit weiterverfolgt. Diese Taktik müssen wir in einem kurzen Exkurs unter die Lupe nehmen.

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    57 Kommentare

    Energiequelle Wasserkraft – ein Überblick

    geschrieben am 04. Juni 2011 von Gastautor

    ein Gastartikel von Christoph Jehle

    In Wasserkraftwerken wird das Medium Wasser zum Antrieb von Kraftmaschinen genutzt. Dabei wird die Lageenergie des Wassers, die im natürlichen Lauf des Gewässers letztlich in Wärmeenergie umgewandelt wird, dem Wasserlauf im Kraftwerk zu Teilen entnommen und in elektrische Energie umgewandelt.

    Zu den ältesten Formen der Wasserkraftnutzung, die vor Allem an größeren Flüssen mit geringem Gefälle erfolgte, gehört der Einsatz einfacher hölzerner Wasserräder, die auf einer schiffsartigen hölzernen Plattform installiert waren, welche mit Seilen im Strom fest verankert waren. Die Stoßkraft des Wassers trieb das Wasserrad an und mit der so gewonnenen Energie konnte beispielsweise eine Getreidemühle auf dem Ponton betrieben werden.

    Für den Betrieb von Wassermühlen an Land wurde dann schon ein höherer baulicher Aufwand benötigt. Mit einem Wehr im Fluss wurde das benötigte Triebwasser gestaut in den Mühlkanal abgeleitet. Geringe Gefälle von nur etwa einem Meter lassen sich auch heute noch am Besten mit einem Wasserrad nutzen. Zum Ende des 19.Jahrhunderts begann mit der Verfügbarkeit von Turbinen zur Wasserkraftnutzung auch größere Kraftwerkseinheiten gebaut. So entstanden am Hochrhein die Kraftübertragungswerke Rheinfelden. Der Name dieser Anlage leitet sich von der ursprünglichen Anlagenkonfiguration ab: Es war geplant, vom parallel zum Fluss am deutschen Ufer errichteten Kraftwerk die gewonnene mechanische Energie über eine Seiltransmission bis nach Basel zu transportieren. Durch die Anordnung des Krafthauses hätte die Transmission mit nur einer Wirkungsgrad-verschlechternden Umlenkung erfolgen können. Die Entwicklung von großen Generatoren und die Übertragung des elektrischen Stroms über größere Strecken erübrigte den mechanischen Energietransport noch während der Kraftwerksplanung.

    Anstelle der mechanischen Kraftnutzung zum Antrieb eine Mahlmühle für die Mehlproduktion oder einer Säge trat mit der Erfindung der elektrischen Generatoren die Stromerzeugung. Die rein mechanische Wasserkraftnutzung beschränkt sich heute auf Heimatmuseen und andere historische Bauwerke. Im Interesse einer möglichst guten Durchgängigkeit des genutzten Gewässers sollte das im ursprünglichen Bachbett verbleibende Restwasser ausreichend sein und zudem mit Aufstiegshilfen wie Fischtreppen oder rauen Rampen die Wanderung von Fischen und anderen Lebewesen im Gewässer gesichert werden. Zu den Kraftanlagen die eine möglichst geringe Behinderung der Gewässerdurchgängigkeit für Lebewesen bewirken, zählt die Wasserkraftschnecke. In der Nähe von Wohnbebauung bringen diese vergleichsweise groß bauenden Maschinen jedoch manches mal eine zuvor nicht erwartete Lärmbelastung für die Anwohner.

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    Reden ist Silber, Schweigen ist Schuld

    geschrieben am 03. Juni 2011 von Jens Berger

    ein Gastartikel von Florian Hauschild über die unsägliche Rolle des deutschen Journalismus im Zuge der Entstehung des Movimiento 15-M

    Es war ein heißer Mai. Für die Spanier, für die Griechen, für die Portugiesen, für die Franzosen. Vor allem in den südlichen Ländern tritt auch die Hitze der Empörung zutage: Die europaweite Unzufriedenheit mit einem System, das immer mehr Menschen Zukunftsperspektiven und die Chance auf ein würdevolles Leben raubt. Wie Eiterbeulen auf einem kranken Leib quollen die protestierenden Massen hervor auf Europas Straßen und Plätzen, um zu sagen: „Es reicht. Wir sind dagegen. Wir werden künftig nicht mehr schweigen!“. Kann man es ihnen verübeln? Wohl kaum.

    Doch wie präsent ist den meisten Deutschen die emotionale Lage der Menschen in den Ländern der europäischen Peripherie? Es gab Proteste, ja das weiß man. Die Lage ist ernst, auch das weiß man schon lange. Doch was sich seit dem 15. Mai 2011 wirklich in Spanien, Portugal und zunehmend auch in Griechenland abspielt wissen die wenigsten.

    Wer kennt die Bilder von den basisdemokratischen Bürgerforen, die auf den spanischen Plätzen mittlerweile landesweit gegründet wurden? Wer kennt die Strukturen, die mittlerweile in ganz Europa entstehen? Strukturen, aufgebaut von einer Generation, die erkannt hat, dass der neoliberale Gesellschaftsentwurf ein Irrweg ist, dem keine weitere Chance gewährt werden soll.

    Und während sich diese Generation höchst professionell vernetzt und ein Niveau des gegenseitigen Informationsaustausches erreicht, das die Machteliten völlig überrascht, sinnieren einige darüber, dass Internet und politische Teilhabe doch eigentlich nicht soviel miteinander zu tun haben. Das Gegenteil ist längst politische Realität: 14 Millionen Spanier – das sind 30 Prozent der Gesamtbevölkerung – nutzen Facebook. Mit Blick auf die jungen Spanier benennt das Handelsblatt gar 92 Prozent dieser als so genannte „Internauten“. So wundert es nicht, dass eine Analyse von tobesocial vom 30. Mai 2011 den Ursprung der „Spanischen Revolution“ in den sozialen Netzwerken sieht.

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    164 Kommentare

    Medienpreis für „Pleite-Griechen-Kampagne“ der BILD – geht es auch noch absurder?

    geschrieben am 02. Juni 2011 von Jens Berger

    Was sich zunächst so anhört wie ein verspäteter Aprilscherz, ist bei näherer Betrachtung die Bankrotterklärung für den Journalismus und ein an Dreistigkeit kaum zu überbietender Affront des Stiftungsunwesens im Lande. Die Johanna-Quandt-Stiftung zeichnet in diesem Jahr eine Serie der BILD-Kampagne gegen die „Pleite-Griechen“ mit dem mit 10.000 Euro dotierten „Herbert-Quandt-Medien-Preis“ aus. Damit wird ausgerechnet die Kampagne ausgezeichnet, die den Medienforschern Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz als Untersuchungsobjekt für deren vernichtende Studie »Drucksache „Bild“ – Eine Marke und ihre Mägde« diente. Eine Berichterstattung, der man mit Fug und Recht das Attribut „journalistisch“ absprechen kann – ja sogar absprechen muss – gilt in der Belle Etage als journalistisches Meisterwerk. Das ist ein sehr trauriges Novum in der Mediengeschichte.

    Mit der fünfteiligen Serie werden in der Hauptsache die Weltbilder und Stereotypen wiederholt, die in den Texten von „Bild“ ständig eine hohe Bedeutung haben: Die Griechen seien als Nation und Volk nicht zuverlässig, sondern griffen zu unlauteren Mitteln. […] „Bild“ nutzt die Schilderung der Sachverhalte, um zum wiederholten Mal zu belegen, wie Politik ihrer Ansicht nach funktioniert: überall Unzulänglichkeiten, Handeln gegen wirtschaftliche Vernunft, Halbherzigkeiten, falsche Nachgiebigkeiten, doppeltes Spiel, Schmiergelder, Fehleinschätzungen und Unzuverlässigkeiten. Der Schutz der Interessen der deutschen Steuerzahler sei nicht gewährleistet. […] Insofern liefert „Bild“ auf fünf Seiten eine abwechslungsreich erzählte Geschichte – mit Betonung auf: Geschichte –, wie politischer Mainstream entsteht und wirkt. „Bild“ stellt das als Skandal und Enthüllung dar, was für andere zwar ‚fehlbarer’, aber normaler politischer Alltag ist. […] Insofern wäre es in gewissem Sinne eine ‚Rechtfertigungs-Serie’ und ein Teil der Bemühungen, die Position als Leitmedium auch in politischen und gesellschaftspolitischen Themen gegenüber medialen und politischen Fachkreisen zu
    festigen: nur sehr bedingt mit entsprechenden journalistischen Inhalten – wenngleich in diesem Fall näher als in allen anderen von uns untersuchten Texten mit Journalismus in Berührung kommend –, aber vor allem mit der öffentlichen Inszenierung von journalistischem Aufwand (viele Seiten, viele Reporter, hoher Zeitaufwand). Und dem eigentlichen Publikum wurde via Headlines die Botschaft geliefert: Die Griechen tricksen. Die Rotgrünen tragen die Schuld. „Bild“ belegt das. „Bild“ bleibt dran. „Bild“ hat recht. „Bild“ scheut keinen Aufwand als Wächter der Interessen des deutschen Steuerzahlers.

    Deutung der BILD-Serie „Geheimakte Griechenland“ durch Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz im Teil „Erweiterungen und Vertiefungen“ zur BILD-Studie der Otto-Brenner-Stiftung

    Eine Laudatio ist diese Medienanalyse sicherlich nicht. Wie sollte man auch eine Laudatio auf ein Werk halten, das jedem Laien und erst recht jedem Fachmann höchstens ein Naserümpfen entlockt? Man darf gespannt sein, welche Medienpersönlichkeit die undankbare Aufgabe bekommen wird, bei der Preisverleihung anerkennende Worte für die BILD-„Journalisten“ Nikolaus Blome und Paul Ronzheimer zu finden. Zur Erinnerung: Blome „glänzte“ bei der Griechenland-Kampagne seines Blattes vor allem durch seine tolldreisten Faktenverdrehungen und seine verwegene, meist beleidigende Polemik gegen die „faulen“ und „korrupten“ Griechen, denen er empfahl, „uns ihre Inseln zu verkaufen und die Akropolis gleich mit“ – ein widerlicher Affront gegen die Griechen, die uns Deutsche auch noch als Besatzer kennen. Ronzheimers großer Scoop war es, Griechen, die aus Sorge und Angst um ihre Zukunft auf dem Athener Syntagma-Platz demonstrierten, Drachmen in die Hand zu drücken, als seien sie Affen im Zoo, denen man Bananen zuwirft. Jeder Mensch, der auch nur einen Hauch von Empathie besitzt, sollte sich für Mitmenschen wie Blome und Ronzheimer schämen. Jeder Journalist, der sich nicht klipp und klar von solchen tiefschwarzen Schafen seiner Branche distanziert, sollte sich tunlichst noch einmal Gedanken über die Grundwerte seines Berufsstands machen.


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    Nachtrag: Leider habe ich vergessen, auf den hervorragenden Artikel „Bild gewinnt. Gegen den Journalismus“ von Michalis Pantelouris zu verlinken, bei dem ich wertvolle Anregungen für meinen Kommentar gefunden habe. Lest ihn, er ist interessant.

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