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  • Neuerliche Konfusion über die Koordinaten des MOD

    geschrieben am 02. April 2007 von Spiegelfechter

    Haben die Briten etwa eine Sandbank geboardet?

    Dies muss man wohl annehmen, wenn man den offiziellen Koordinaten Glauben schenkt. Da die Briten behaupten, das indische Schiff, auf dem der Zwischenfall mit den iranischen Revolutionsgarden stattfand, hätte an genau dieser Position geankert, muss der Kapitän wohl eine echte Landratte sein. Laut Craigh Murray liegen die angegebenen Koordinaten 100 Yard (rd. 91 Meter) oberhalb der Niedrigwasserlinie, das heißt bei Ebbe würde es an dieser Stelle auf einer Sandbank liegen – unwahrscheinlich, daß ein Kapitän sein Schiff dort ankern lassen würde.

    Auf US-Karten würde diese Position genau auf der Niedrigwasserlinie liegen, da amerikanische Karten die normale Niedrigwasserlinie angeben und nicht, so wie die britischen, die maximale Niedrigwasserlinie.

    Murray Ansicht wird auch Martin Pratt einem Spezialisten für Grenzfragen an der Durham University geteilt:

    2) The land boundary agreed between Iran and Iraq in 1975 extended to the mouth of the Shatt al Arab river at the lowest low-water line. The point at which the British government claims that the incident took place lies just under 1.7 nautical miles southwest of the agreed land boundary terminus, and it is arguable that the incident actually took place on what is technically Iraqi land territory: Britsh charts of the area show the low-water line (the normal baseline from which the territorial sea is measured) running around 100 metres south of where the British government says the incident took place.

    My feeling is that the British government slightly oversimplified the legal situation in its presentation but, assuming the coordinates given for the incident are correct, it is extremely unlikely that Iran has any legitimate claim to the point in question.

    Mal schauen, welche Erklärungen es für diese Ungereimtheiten gibt.

    p.s.: Wer der Meinung ist, Grenzstreitigkeiten gebe es nur in der “unzivilisierten” Welt, sollte diese Dokumente lesen.

    Jens Berger

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    Ein Offener Brief von Terry Jones

    geschrieben am 02. April 2007 von Spiegelfechter

    Der offene Brief von Terry Jones, Regisseur und Mitglied der Monty-Python Truppe, im Guardian gefiel mir so gut, daß ich ihn ins Deutsche übersetzt habe. Vorsicht – er ist sarkastisch und böse. Im englischsprachigen Original ist er hier zu finden:

    Ich teile die Empörung der britischen Presse über die Behandlung der Marinesoldaten, die beschuldigt werden, iranische Hoheitsgewässer unerlaubt verletzt zu haben. Es ist eine Schande. Wir würden im Traum nicht daran denken, Gefangene so zu behandeln ? ihnen beispielsweise zu gestatten zu rauchen, obgleich doch bewiesen ist, dass Rauchen tötet. Oder die arme Soldatin Faye Turney zu zwingen, ein schwarzes Kopftuch zu tragen und dann zu erlauben, dass dieses Bild auf der ganzen Welt veröffentlicht wird ? haben die Iraner keine Ahnung von einem zivilisierten Benehmen? Was, um Himmels Willen, wäre so schlimm daran, ihr einen Sack über den Kopf zu stülpen? So machen wir das mit Muslimen, die wir gefangen nehmen: Wir stülpen ihnen Säcke über den Kopf, damit ihnen das Atmen schwerer fällt. Dann ist es nämlich auch zweifelsohne zulässig, sie zu photographieren und die Bilder an die Weltpresse weiterzureichen, da sie niemand mehr erkennen kann und sie somit nicht derart gedemütigt werden, wie die unglücklichen britischen Marinesoldaten.

    Es ist ebenfalls absolut nicht hinnehmbar, das die britischen Soldaten dazu gebracht werden im Fernsehen Dinge zu sagen, die sie später bereuen könnten. Wenn die Iraner ihnen wenigstens den Mund mit Panzerband zugeklebt hätten, so wie wir das mit unseren Gefangen tun, könnten sie gar nicht sprechen. Natürlich könnten sie es dann noch schwieriger finden zu atmen ? vor allem mit Säcken über ihrem Kopf ? aber wenigstens würden sie nicht gedemütigt.

    Und was ist das eigentlich für ein Unding, den Soldaten zu erlauben, Briefe nach Hause zu schreiben, in denen steht, es ginge ihnen gut? Es wird Zeit, dass sich die Iraner endlich den Gepflogenheiten der zivilisierten Welt anpassen: Den Gefangenen sollte die Privatsphäre einer Isolationshaft gestattet werden. Dies ist ein Privileg unter vielen, dass die USA den Gefangenen in Guantanamo Bay zugesteht.

    Das wahre Kennzeichen eines zivilisierten Landes ist es, sich bei der Anklageerhebung gegen Menschen, die es willkürlich bei der Invasion fremder Länder festgenommen hat, nicht hetzen zu lassen. Die Insassen von Guantanamo zum Beispiel, genießen seit mittlerweile fünf Jahren diese Abgeschiedenheit und gerade mal gegen einen von ihnen wurde jetzt Anklage erhoben. Was für ein Kontrast zu den schändlichen Iranern, die ihre Gefangenen schon nach kurzer Zeit vor die Kameras zerren.

    Außerdem ist es ein Unding, dass die Iraner den britischen Gefangenen keine angemessenen Leibesübungen gestatten. Das US-Militär legt großen Wert darauf, dass seine irakischen Gefangenen sich fit halten. Da gibt es zum Beispiel hochinteressante ?Stresspositionen?, in denen die Gefangenen für Stunden verharren, um ihre Bauch- und Wadenmuskulatur zu trainieren. Eine beliebte Übung ist es, auf den Fußballen zu stehen und dann in die Hocke zu gehen, so dass die Schenkel parallel zum Boden sind. Das erzeugt einen intensiven Schmerz und führt letztendlich zu Muskelversagen. Dies ist ein prima Spaß, der zudem gesund ist und die Gefangenen gestehen so ziemlich alles um da wieder heraus zu kommen.

    Und dies führt mich zum letzten Punkt. Es geht aus der TV-Übertragung klar hervor, dass die Soldatin Turney unter Druck gesetzt wurde. Die Zeitungen haben Verhaltenspsychologen davon überzeugen können, die Übertragung auszuwerten und der Meinung zu sein, sie wirke ?unglücklich und gestresst?.

    Was besonders widerwärtig ist, ist die heimlichtuerische Art und Weise, mit der die Iraner dafür sorgten, dass sie ?unglücklich und gestresst? wirkt. Sie zeigt keine Anzeichen von Elektroschocks und hat keine Brandmale im Gesicht. Dies ist nicht hinnehmbar. Wenn Gefangene Zwangsmaßnahmen zugeführt werden, wie zum Beispiel unter Zwang sexuelle komprimierende Stellungen einzunehmen oder ihnen Elektroschocks an den Genitalien zu verpassen, dann sollten sie dabei photographiert werden, so wie in Abu Ghraib. Die Photos müssen dann durch die zivilisierte Welt gehen, so dass jedermann genau sehen kann, was dort passiert.

    Wie Stephen Glover in der Daily Mail festgestellt hat, mag es vielleicht ein wenig überzogen sein, Iran wegen der Demütigung der Soldaten niederzubomben, aber das iranische Volk muss dafür leiden müssen ? entweder durch harte Sanktionen, wie die Mail vorschlägt, oder ganz einfach dadurch, dass man Präsident Bush den Rücken stärkt, schnell in Iran einzumarschieren, was er ja eh vorhat, um Iran Demokratie und westliche Werte zu bringen, so wie er es im Irak gemacht hat.

    Update: Für Freunde offener Briefe von Terry Jones, sei noch einmal an seinen “göttlichen” Brief an George Bush im Vorfeld des Irak Krieges erinnert.

    Update II: Mit Erstaunen muss ich feststellen, daß Jürgen Elsäßer in der Jungen Welt einen Artikel verfasst hat, der eindeutig von Jones abgeschrieben ist – allerdings ohne den Originalautor zu nennen. So kann man auch Geld verdienen ;-) Aber da der Artikel ja gut ist, sei es ihm vergönnt.
    Jens Berger

    26 Kommentare

    Wie wird man Ahmadinedschad los?

    geschrieben am 01. April 2007 von Spiegelfechter

    Bei der aktuellen Diskussion um die Krise zwischen dem Westen und Iran lohnt es sich auch einmal einen Blick auf die innenpolitische Lage Irans zu werfen.

    In den Medien wird Iran meist als homogenes Gebilde dargestellt. Obgleich Ahmadinedschad seit seiner Wahl vor mehr als zwei Jahren alle Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich zieht, hat er in außen- und sicherheitspolitischen Fragen nicht viel zu entscheiden. Hier liegt alle Entscheidungsgewalt beim obersten religiösen Führer, Ali Chamenei. Dieser agiert in der Regel als Moderator zwischen den unterschiedlichen Fraktionen der iranischen Elite. Er steht für die iranische Version der checks and balances und versucht, trotz aller Radikalität, die er selber auch repräsentiert, zwischen den Gruppen ein Gleichgewicht zu halten. Ahmadinedschad vertritt mit seinen teils radikal linken Ideen keinesfalls die Positionen des Wächterrates (Verstehen Sie Ahmadinedschad?). Auf der anderen Seite des politischen Spektrums in Iran steht Ali Akbar Hashemi Rafsandschani, der ehemalige Staatspräsident. Er vertritt wirtschaftpolitisch marktliberale Standpunkte, während Ahamdinedschad wirtschaftspolitisch eher linke Standpunkte vertritt.

    It´s the economy stupid

    Der steigende Ölpreis der letzten Jahre hat Teheran Unsummen von Devisen in die Kassen gespült. Mit den Einnahmen aus dem Ölverkauf hat Ahmadinedschad versucht die stagnierende Binnenkonjunktur anzukurbeln. Er startete teure Programme um Arbeitsplätze zu schaffen und senkte die Leitzinsen um Kredite billig zu machen und die Kaufkraft zu stärken. Dies hat ihn bei der Unterschicht natürlich viele Sympathien eingebracht und es hatte Erfolg ? die Arbeitslosenquote sank auf 10,3%. Auf der anderen Seite hat diese Politik allerdings zu explodierenden Kreditnahmen geführt und die Inflation massiv anheizt. So verdoppelten sich die Immobilienpreise jüngst. Welch Ironie, das der ?große Satan? mit ähnlichen Problemen aus fehlgeleiteter Fiskalpolitik zu tun hat. (1) So schlittert Iran auf eine ökonomische Katastrophe zu, die von den jüngst beschlossenen Sanktionen nicht gerade gelindert wird. Die iranische Unterschicht wartet weiter darauf, dass sich “das Ölgeld auf ihren Esstischen zeigt”, wie es Ahmadinedschad einst versprochen hat. Die iranische Privatwirtschaft verlangt eine Ausweitung des öffentlichen Sektors, wirtschaftsliberale Gesetze und die Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen. Niemand anderes als Rafsandschani spannt sich nun freiwillig just vor diesen Karren und fordert lauthals eine Harmonisierung der Märkte. (2) Wenn Ahmadinedschad die galoppierende Inflation (über 20% pro Jahr) nicht stoppen kann, wird diese nicht nur den beginnenden Aufschwung sondern auch ihn fressen, was sich angesichts der gesunkenen Popularitätsrate und schlechten Ergebnissen bei den letzten Kommunalwahlen auch andeutete. (3)

    Ahmadiedschad unter Dauerbeschuss

    Wenn Ahmadinedschad sagt, er sie nach den neuerlichen UN-Sanktionen nicht im Geringsten besorgt, so ist dies eine politische Lüge, die auf tönernen Füßen steht. Äußerungen dieser Art, bringen ihn auch innenpolitisch unter Druck. So hat Rafsandschani ihm mehrfach zu bedeuten gegeben, die Bedrohung sei durchaus real – man solle sich keiner Täuschung hingeben. Eigentlich ist Ahmadinedschad von so ziemlich allen Seiten der politischen Landschaft unter Dauerbeschuss, seien es die “liberalen” Kräfte, seien es die religiösen Kräfte, denen Ahmadinedschad schon immer suspekt war (4). Ahmadinedschads fortgesetzte Provokationen des Westens setzen auch Russland und China unter Druck. Die Töne aus Moskau werden immer kälter, so hat Moskau z.B. den Bau des Atomreaktors in Busheer unter vorgeschobenen Uneinigkeiten über Zahlungsmodalitäten bis auf weiteres gestoppt.
    So paradox es klingt, der Streit mit dem Westen ist Ahmadinedschads einziges Faustpfand im Amt zu bleiben. Kein Parlamentarier vergisst über der Präsidentenschelte sein patriotisches Gewissen. Ein diskreditierter und vor dem Fall stehender Staatschef würde von den Gegnern Irans als Zeichen von Schwäche gedeutet. Auch die religiöse Elite wird sich in der momentanen Situation keinen innenpolitischen Skandal leisten können. Ahmadiendschads Verbalinjurien und das Reiten auf der nationalistischen Schiene helfen ihm angesichts der (zurecht) gefühlten Bedrohung von außen, Rückhalt bei Teilen der Bevölkerung zu gewinnen. Wenn die Bedrohung von außen kommt, schart man sich hinter der Führung des Landes, egal ob man sie nicht eigentlich zum Teufel wünscht.

    Warum stütz der Westen Ahmadinedschad?

    Für den Westen kann dies eigentlich nur eins bedeuten. Mit Soft-Power die militärische Lage zu deeskalieren und Wirtschaftssanktionen zu verhängen, die weh tun. Dafür muss man natürlich Russland und China mit ins Boot bekommen; diese werden sich allerdings sperren, so lange die militärische Option nicht vom Tisch ist. Beide Länder haben bei einem neuen Krieg in Nahost wesentlich mehr zu verlieren als zu gewinnen. Warum der Westen in den letzten Tagen rhetorisch die militärische Karte spielt und damit Ahmadinedschad sogar noch stützt, bleibt den Strategen in London und Washington vorbehalten. Hilfreich ist dies sicher nicht, wenn das Ziel ihrer Politik ein “Regime-Wechsel” ist.

    Jens Berger

    Einen sehr lesenswerten Artikel über die innen- und wirtschaftspolitische Lage Irans hat M. K. Bhadrakumar in der Asia Times veröffentlicht: Ahmadinejad held hostage to bazaar politics

    1 Kommentar

    Orientexperte Steinbach: ?Am Ende kann ein Militärschlag stehen?

    geschrieben am 31. März 2007 von Spiegelfechter

    In der heutigen Printausgabe der Hannoverschen Neuen Presse warnt Professor Udo Steinbach vom Institut für Nahost-Studien in Hamburg vor einer Eskalation im Iran. Erstaunlich, daß über dieses Interview in den Medien wenig zu erfahren ist. “Lediglich” N24, Der Standard und die Netzeitung berichten in Kurzpassagen, für SPON und Co war der Inhalt wohl nicht solidarisch genug.
    In diesem Interview nennt Steinbach seine Sicht über die Motive Teherans für die Gefangennahme der britischen Seeleute:

    Es geht nicht um Grenzstreitigkeiten. Der Schatt el Arab ist ein schwieriger Grenzverlauf, eigentlich ist man dort immer auf der falschen Seite. Der Iran hat die Geiseln in bewusster Absicht genommen. Erstens als eine Art Gegenschlag für die Festnahme iranischer Geheimdienstler durch US-Truppen vor einigen Wochen in irakisch-kurdischen Gebieten. Zweitens wollen sie mit Blick auf das iranische Atomprogramm deutlich machen, dass sie auf keinen Fall nachgeben wollen.

    Auch Steinbach äußert sich äußerst kritisch über das britische Schmierentheater und macht Blair indirekt dafür verantwortlich, daß es wohl keine einfache und schnelle Lösung geben wird. Auf die Frage nach der voraussichtlichen Gefangennahme der Seeleute:

    Ich glaube, lange. Einen Vorgeschmack hatten wir bereits. Zunächst sollte die weibliche Geisel freigelassen werden. Nach den Drohgebärden des britischen Premiers Tony Blair hat man dann Abstand davon genommen. Es wird wohl zur weiteren Eskalation kommen. Gesichtswahrung spielt eine sehr große Rolle für die Iraner.

    Für die Zukunft prophezeit Steinbach schlimmes. Wie Brzesinski und Hersh sieht er in der US-Strategie für Nahost den Versuch einer Allianzbildung mit den arabischen Staaten und eine Eskalationskette, die zum Militärschlag gegen Iran führen soll.

    Es ist ein Teil jener Eskalation, die am Ende zu einem Militärschlag führen kann. Washington hat seine Politik in den vergangenen zwölf Monaten geändert, man hat die Demokratisierung der Region abgehakt, jetzt steht das Feindbild Iran im Vordergrund. Diesem Feindbild versucht man eine Allianz von gemäßigten arabischen Regierungen und Israel gegenüber zu stellen. Man sucht nach Vorwänden, um auch den Iran zu weiteren Schritten zu provozieren, an deren Ende der Militärschlag steht, von dem seit langem die Rede ist.

    Steinbach sieht die Folgen eines solchen Militärschlages sehr kritisch:

    Das wäre eine Katastrophe für die Region, für die internationale Politik. Der Iran würde dann alle Karten auch im Irak spielen. Im Moment überschreitet man gewisse rote Linien nicht. Dann aber könnte Teheran einen Aufstand sämtliche Schiitengruppierungen im Irak gegen die USA und Großbritannien inszenieren. Einen solchen Aufstand könnte Amerika militärisch nicht durchstehen.

    Jens Berger

    3 Kommentare

    Bomben auf Iran?

    geschrieben am 31. März 2007 von Spiegelfechter

    [MEDIA=2]

    Ein kleiner Denkanstoss, für all diejenigen, die der Überzeugung sind, es gebe in Iran nur durchgeknallte Mullahs, bärtige Fanatiker und Burkha-Mumien eine kleine Diashow.

    Schöne Bilder von Iran gibt es übrigens bei PBase.

    Update: Weiter Bilder von Iran, wie sie in den Medien selten vorkommen gibt es bei Dark Rosted Blend und (danke Frank für den Link, ich hatte ihn verbaselt) in diesem Thread in Ebaums World.

    10 Kommentare
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