Ein trojanisches Pferd im politischen Web 2.0?
geschrieben am 22. August 2007 von Spiegelfechter
Heute bekam ich, wie sicher viele andere politische Blogger auch, eine Mail der ?Trupoli AG”, in der man aufgefordert wurde, ein Video für einen Wettbewerb (Trupoli nannte es natürlich schön denglisch ?Contest”) unter dem Motto ?Politik und Demokratie” zu erstellen.
Als Anreiz wurden kleinere Preise ausgelobt, aber bereits ein Blick auf die Teilnahmebedingungen weckte erste Zweifel an der Seriosität dieses Angebots. Nicht nur, das man ein Logo und den “Claim” der neuen Politik-Community (Eigenbezeichnung) “Trupoli” im Video platzieren sollte, über die Platzierung entscheidet nicht die ?Community” ? obgleich diese per Yigg votieren soll -, sondern eine ?Fachjury”. Eigentlich hatte ich diese Mail bereits ad acta gelegt ? also gelöscht ? aber eine Anfrage des Bloggerkollegen Soeren vom onezblog machte mich ein wenig neugierig, was es mit dieser Plattform auf sich hat und vor allem, wer dahinter steht.
Auf den ersten Eindruck macht die Seite Trupoli.com einen sehr professionellen Eindruck ? ein wenig zu professionell und zu glatt, wenn es nach meinem Geschmack geht. Irgendwie zu trendy, zu hip und zu gestylt – aber das ist letztendlich Geschmackssache. Ein Blick in das Blog der Seite hinterlässt einen ebenso zwiespältigen Eindruck – alles konditioniert kritisch, hochprofessionell aber dennoch – oder gerade eben deshalb? – oberflächlich. In der Rubrik ?Über Trupoli” (Trupoli steht für ?True Politics”) entdeckt man folgenden vielversprechenden Satz:
Trupoli wird eine Umgebung schaffen, in der Politik frei von Medieninszenierungen erlebt werden kann. Durch mehr Medienunabhängigkeit und Transparenz wird Trupoli eine interessante Umgebung für Politiker und Wähler sein. Trupoli spricht somit die allgemeine Wählerschaft sowie auch die Politiker als Zielgruppe an.
Unabhängigkeit bei einer so professionellen und ambitionierten Seite, die laut Interview mit dem CEO schon im nächsten Jahr siebenstellige Besucherzahlen anpeilt und offensichtlich über gute finanzielle Unterstützung verfügt? In einem Interview mit turi2.de erzählt der CEO Johannes Stumpe ein wenig mehr über das Projekt. Unter anderem erzählt er, dass Trupoli auch als ?Social Community” projektiert ist, die ?ähnliche Funktionalitäten wie StudiVZ” bieten soll ? damit soll man ja ganz gut Geld verdienen könen.
Ein Blick hinter die Kulissen lässt den Betrachter auch gleich an der Unabhängigkeit der Plattform zweifeln. Der CEO Stumpe war zuletzt als Project Manager bei der Firma Teltschik Associates tätig, einer Politberaterfirma, die sich mit besten Kontakten zu den Firmen Kissinger Associates und der Scowcroft Group dem Kunden empfiehlt ? also ein Big Player im manchmal schmutzigen Geschäft der Beraterfirmen.
Teltschik Associates wird von Horst Teltschik geleitet ? dem ehemaligen Kohl-Berater, ehemaligen Chef der Bertelsmann-Stiftung, ehemaligen Vizepräsidenten für internationale Beziehungen bei Boeing Deutschland und Veranstalter der Münchner “Unsicherheitsfestspiele”. Teltschik ist auch Mitglied im ?International Advisory Board” des ?Council on Foreign Relations“, einem US-Think Tank, von dem der Politologe William Domhoff sagte ?die Wichtigkeit dieser Vereinigung [kann] für das Verständnis der Grundmotive und der Grundlinien amerikanischer Weltpolitik kaum hoch genug veranschlagt werden, [ obgleich] die allermeisten Bürger dieses Landes, das sich für das bestinformierte Gemeinwesen aller Zeiten hält, keine Ahnung von der Existenz eines solchen privaten Gremiums haben”.
Die Geldgeber und Initiatoren von Trupoli sind Friedrich von Dienst und Olaf Jacobi von der Firma ?Sirius Venture Partners“, einem Unternehmen, dass sich u.a. bester Netzwerkbeziehungen zur Bertelsmann Gruppe rühmt.
Dieses Netzwerk hilft den Beteiligungsunternehmen in neue Märkte zu expandieren, wichtige Partnerschaften zu entwickeln und zusätzliche Finanzierungen durchzuführen. Sirius Venture Partners dient in dieser Bereichen als Türöffner für seine Portfoliounternehmen. (Zitat von “Sirius Venture Partners”)
Honi soit qui mal y pense ? der Kreis schließt sich. Trupoli scheint eher ein trojanisches Pferd der Mainstreammedien, der Politberater und der Netzwerke, die hinter der Politik stehen, zu sein, als eine unabhängige Plattform. Das politische Web 2.0 lebt jedoch nicht von gelenkter Meinung und moderierter Einflussnahme, sondern von seinen anarchischen Strukturen und seiner anarchischen Meinungsvielfalt. Das Kernelement von Web 2.0 ist die Authentizität ? diese Authentizität hat Trupoli bereits verloren, ehe es gestartet ist.
Jens Berger
Bildnachweis: Screenshot Trupoli.com, Screenshot Bertelsmann.de, Securityconference.de, Wikicommons


Wer in den letzten Jahren die deutsche Politik und den politischen Journalismus aufmerksam verfolgt hat, dem kommt unweigerlich ein Simulacrum in den Sinn. In einer medialen Scheinrealität wird ein Diskurs inszeniert, der an den Wünschen und Bedürfnissen der Betrachter vorbeigeht. ?Wir müssen den Wähler mitnehmen?, so klingt es allenthalben aus den Talkshowsesseln der Macht, die die Kanzeln dieser Scheinrealität darstellen. Wohin will die Politik ihre Wähler mitnehmen und mit welcher Legitimation? Ein Kernelement der Demokratie ist es, dass die Politik den Willen des Souveräns umsetzt. Wenn zwischen dem Willen des Souveräns und dem Willen der Politik allerdings unüberbrückbare Gräben bestehen, so muss eine Scheinrealität aufgebaut werden, die dem Souverän den Willen der Politik als den Willen des Souveräns verkaufen soll.
Das 



Als ich neulich durch die Printmedienlandschaft blätterte, erinnerte ich mich an ein altes Lied aus fernen Zeiten, dargeboten von den Dire Straits. ?Money for nothing? so der Name des künstlerischen Machwerks. Und passender ist folgende Meldung nicht zu überschreiben. ?Die Parteien der großen Koalition wollen mehr Geld ? Ausrufezeichen?.
Ein weiterer Grund könnte sein, dass zum Beispiel die SPD seit dem Jahr 2002 rund 145.000 Mitglieder verloren hat, und die CDU immerhin 50.000. Jetzt könnten sich die Parteivorderen mal hinsetzen und überlegen, was sie denn falsch gemacht haben, wenn so viele ihnen den Rücken zukehren, eine lange Nase machen, aus der Partei austreten. Doch das würde ein Mindestmaß an Selbstkritik erfordern, was gerade in Wahlkampfzeiten völlig indiskutabel ist. Ein Paradebeispiel für dese Gesinnung ist die künftige Schatzmeisterin der SPD, Barbara Hendricks, die in der ?Rheinischen Post? folgende Worte vor sich her plapperte: ?Wenn die Bürger sich entschließen, sich nicht als Mitglieder zu engagieren, wird dies zumindest zum Teil durch öffentliche Mittel ausgeglichen werden müssen.? Richtig, denn das Volk ist nicht nur Wahlvieh, sondern auch Goldesel. Dank des Aufschwungs, für den die große Koalition aber auch nichts kann.
Mit der Forderung nach mehr Geld stellt sich die große Koalition zudem mal wieder außerordentlich ungeschickt an. Denn die kleinen Parteien wie die Grünen, FDP oder Die Linken können sofort groß herumkrakelen, wie dreist eine solche Forderung doch eigentlich sei und ?mit uns wird man das nicht durchsetzen können?. Tja, braucht man auch nicht. Denn egal wie die anderen stimmen, die SPD und die CDU haben die Mehrheit, der Gesetzentwurf kommt also durch. Und die kleinen Parteien erhalten ebenso mehr Geld. Stehen aber moralisch besser da, was will man mehr.
Nach einer Reihe von verlustreichen Tagen an den Börsen der ganzen Welt hat Helikopter-Ben (Bernanke) ein deutliches Signal gesetzt, dass er alles tun wird, um die Kreditkrise an den Weltmärkten zu entschärfen. Den Spitznamen bekam er übrigens, nachdem er einmal sagte, im Falle einer Wirtschaftskrise würde er notfalls Geld vom Hubschrauber aus über die Volkswirtschaft regnen lassen ? das tut er jetzt ja auch. Es ist anzunehmen, dass die heutige Senkung des Diskontsatzes um 50 Basispunkte nur die erste ?Großtat? zur Rettung des maroden Finanzsystems war. Folgt man der inneren Logik der Finanzpolitik der FED und den Implikationen, die sich daraus ergeben, so ist kaum ein anderer Schluss möglich.
Der ABCP-Markt für Kurzfrist-Anleihen hat ein Volumen von 2.200 Mrd. US$. Auf ihm werden Forderungen in gebündelten Paketen mit Laufzeiten von 30 bis 90 Tagen gehandelt. 1.200 Mrd. US$ davon sind laut New York Times durch Hypothekenkredite, Kreditkartenforderungen, Autokredite etc. gesichert. Ausgegeben werden diese Papiere von Großbanken wie Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Die Forderungen stammen häufig von Hedge-Fonds und Private-Equity Fonds, die auf diese Art und Weise an neue Liquidität kommen wollen. Durch die Subprime-Krise sind diese Papiere unter Generalverdacht gekommen, da sie auch Forderungen aus Hypothekenkrediten enthalten, was aufgrund der Strukturierung aber für den Käufer nur schwer erkennbar ist.
Der ABCP-Markt ist seit der letzten Woche zusammengebrochen. Da niemand die Papiere kaufen will, gibt es auch keinen gültigen Marktpreis. Wie diese Papiere zu bewerten sind, und vor allem, was sie wert sind, ist vollkommen unbekannt. Die Emittenten haben diese Papiere teilweise zu Niedrigstpreisen von 50, 40 oder gar 20 Prozent des Ausgabepreises zurückgenommen ? so groß war die Panik der Käufer, und so groß wird der Gewinn der Emittenten sein, wenn sich herausstellt, das ein Großteil der gebündelten Forderungen erfüllt wird. Ein großartiges Geschäft von Ackermann und Co. Die kleineren Banken mussten die Zeche zahlen. Wenn jetzt die FED ABCPs als Sicherheit für frisches Geld akzeptiert, werden diese momentan unhandelbaren Papiere wahrscheinlich gänzlich zur FED übertragen werden. Erst wenn die Papiere auslaufen, wird sich zeigen, wie groß der Schaden ist.
Hedge-Fonds sind eine Krankheit des Finanzsystems. Sie entziehen sich jeglicher staatlichen Kontrolle und setzen auf kurzfristige Gewinne, – nicht Jahre, sondern Tage, Stunden und sogar Minuten sind ihre Anlagehorizonte. Durch den riesigen Hebel und die extreme Verschuldung sind sie hochspekulativ. Wenn die Sonne scheint, erreichen sie Rekordrenditen, an denen die “reale” Wirtschaft sich messen lassen muss, was ihr aber nicht gelingen kann, wodurch der ungesunde Druck auf das Management, Kosten zu sparen und Menschen zu entlassen, generiert wird. Wenn es aber regnet, sind die Auswirkungen auf diese Instrumente unkalkulierbar. Daher stellen sie eine immense Gefahr für das Finanz- und Wirtschaftssystem dar.
Dieser Prozess wäre derzeit wohl noch umkehrbar: Wenn die FED im September nicht das erwartete Signal gibt und den Leitzins senkt, werden Wallstreet und die Weltbörsen zwar erbeben, und eine neue Konkurs-Welle wird das globale Finanzsystem überziehen, – das aber ist wohl als das kleinere Übel zu betrachten. Leider stehen die Zeichen jedoch auf Sturm…
Nach der ersten Panikwelle in den Medien, die für den Aktienmarkt einen Crash oder Crash auf Raten prognostizierten, durchzieht sich die Berichterstattung momentan mit einem Schwall von 
Der Schnelltender, der am Donnerstag 95 Mrd. ? und am Freitag 61 Mrd. ? betrug, ist ein “gutes” Zeichen für die Nervosität der Märkte. Wenn sich der Markt nicht beruhigt, wird am Montag wohl ein weiterer Schnelltender nötig sein. Bei der Bewertung muß man allerdings Haupttender und Schnelltender getrennt beobachten.Während der Haupttender “echtes” für rund 3 Monate Geld in die Märkte bringt, hat der Schnelltender meist nur eine Laufzeit von einem oder wenigen Tagen. Das Geld, welches für diesen Zeitraum den Märkten zur Verfügung gestellt wird, könnte auch als “Luftbuchung” bezeichnet werden, da es kurze Zeit später wieder aus der realen Welt verschwindet und somit keine Auswirkungen auf die Geldmengenpolitik hat und somit weder inflations- noch defaltionssteigernd wirkt. Auch hat die EZB nie 156 Mrd. ? in die Märkte gepumpt – als der zweite Tender herausgegeben wurde, lief der erste bereits aus, so dass am Freitag de facto 34 Mrd. ? weniger Tendervolumen auf den Märkten waren, als am Donnerstag.
Auf dem Börsenparkett ist der ?Crash auf Raten? bereits in vollem Gange. Im Langzeitvergleich sind die Kurse auf einem sehr hohen Niveau und kaum ein Anleger hat momentan derart Vertrauen in den Markt, dass er im größeren Maße kaufen würde. Verkäufe gibt es allerdings auf breiter Front. Jedem Verkauf steht natürlich ein Kauf gegenüber. Da Privatanleger als Käufer eher unwahrscheinlich sind, muss man davon ausgehen, dass dies Stützungskäufe der Banken und institutionellen Anleger sind, um psychologisch die Nervosität aus dem Markt zu nehmen.
Derweil herrscht immer noch keine Klarheit über das Maß der faulen Posten in den Büchern deutscher Banken. Laut SPIEGEL-Informationen ist die IKB wesentlich tiefer verstrickt, als zunächst vermutet wurde. Der Gesamtschaden soll sich auf 7,8 Mrd. Euro belaufen. Auch die SachsenLB (über eine 13 Mrd. Euro starke Zweckgesellschaft) und die WestLB mit einem vermuteten Engagement von 2,25 Mrd. Euro geraten immer stärker in den Strudel. Langsam wagen sich auch die Großbanken aus der Deckung. Nachdem bereits die Postbank eine 600 Millionen Euro Einlage bei der IKB Untergesellschaft Rhineland Fonds abschreiben mußte, kamen heute erste
Sehr interessant im Kontext rund um IKB/KfW/WestLB ist ein
Die Zeche zahlt, wie immer, der Michel. Natürlich werden die Banken die Verluste sozialisieren und über schlechtere Konditionen an ihre Kleinkunden weitergeben, die nicht frei auf dem Weltmarkt nach Alternativen suchen können. Auch die Überschussbeteiligungen von Michels Rentenversicherung und seiner Riester-Rente, die ihm ein unbeschwertes Alter bescheren sollten, wird durch die Inkompetenz in der Belle Etage der deutschen Finanzbranche magerer ausfallen als prognostiziert ? wer heute immer noch gegen eine umlagefinanzierte Rentenversicherung argumentiert, wird einen schweren Stand haben. Es wird Zeit, dass für Finanzmanager ein Treuhänderparagraph eingeführt wird, nach dem sie mit ihrem persönlichen Vermögen für grobe Fahrlässigkeit und überbordende Inkompetenz bestraft werden, die das Sparvermögen ihrer Kleinkunden verbrennt.