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  • “Empörte Ökonomen” (II)

    geschrieben am 05. September 2011 von Gastautor

    Dt. Übersetzung: Gerhard Rinnberger

    Fehlbehauptung #2: Finanzmärkte tragen zum Wirtschaftswachstum bei

    Die Integration des Finanzsektors hat die Macht der Finanzmärkte massiv gestärkt, weil sie die Kapitalvermögen auf globalem Level vereinigt und zentralisiert hat. Sie bestimmt die Rentabilitätsnormen, die jede Form von Kapital benötigt. Die Idee dahinter war, daß Finanzmärkte die Banken bei der Finanzierung von Investitionen ersetzen sollen. Dieses Projekt ist allerdings gescheitert, da heute insgesamt gesehen die Unternehmen die Anleger finanzieren statt umgekehrt. Gleichwohl wurde der unternehmenspolitische Ordnungsrahmen (im Sinne von Corporate Governance) tiefgreifend umgewandelt, um den Vorgaben der Marktprofitabilität zu entsprechen. Mit dem Aufstieg des “Shareholder Value” hat sich eine neue Ansicht von Unternehmen und ihrem Management etabliert, indem das Unternehmen als Einheit, das den Ansprüchen der Anteilseigner genügen soll, wahrgenommen wurde. Die leitenden Mitarbeiter öffentlich gehandelter Unternehmen haben die vordringliche und ausschliessliche Aufgabe, dem Wunsch der Anteilseigner, sich selbst zu bereichern, zu entsprechen. Folgerichtig verhalten sie sich nicht mehr als Arbeitnehmer, da sie einen exzessiven Anstieg ihrer Einkommen wahrnehmen. Gemäß der Prinzipal-Agent-Theorie (Anm. d. Ü.: s. auch Agentur-Theorie) verschmelzen somit die Interessen der Manager mit denen der Anteilseigner.

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    “Empörte Ökonomen” (1)

    geschrieben am 31. August 2011 von Gastautor

    Dt. Übersetzung: Gerhard Rinnnberger

    Fehlbehauptung #1: Finanzmärkte sind effizient

    Heutzutage ist eine Tatsache für alle Beobachter offensichtlich: Finanzmärkte spielen die entscheidende Rolle im Funktionieren der Wirtschaft. Dies ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, die in den späten siebziger Jahren begonnen hat. Wie auch immer diese Entwicklung erfasst wird, stellt sie sowohl quantitativ als auch qualitativ einen klaren Bruch mit vorangegangenen Dekaden dar. Unter dem Druck der Finanzmärkte hat sich die globale Regulierung des Kapitalismus grundlegend geändert, indem sich eine neue Form des Kapitalismus bildete, welche manche als „patrimonialen Kapitalismus“, „Finanzkapitalismus“ oder „neoliberalen Kapitalismus“ bezeichnen.

    Die theoretische Rechtfertigung für diese Veränderung ist die Hypothese der Informationseffizienz der Finanzmärkte (oder Effizienzmarkthypothese). Gemäß dieser Hypothese ist es wichtig, die Finanzmärkte zu fördern, um sicherzustellen, daß diese so frei wie möglich operieren können, weil sie den einzigen Mechanismus für die effiziente Kapitalallokation darstellen. Die in den letzten dreissig Jahren beharrlich verfolgten Strategien sind mit dieser Empfehlung konsistent. Ihr Ziel war ein globaler integrierter Finanzmarkt, in dem alle Beteiligten (Unternehmen, Haushalte, Staaten, Finanzinstitutionen) alle Formen von Sicherheiten (Aktien, Anleihen, Verbindlichkeiten, Derivate, Währungen) für alle Fälligkeiten (lang-, mittel-, kurzfristig) austauschen konnten. Finanzmärkte ähnelten zusehends dem „reibungsfreien“ Markt aus dem Lehrbuch: der ökonomische Diskurs wurde Wirklichkeit. So wie die Märkte im landläufigen Sinn zunehmend „perfekter“ wurden, glaubten Analysten, daß das Finanzsystem viel stabiler als in der Vergangenheit sei. Die “Great Moderation”, diese Periode wirtschaftlichen Wachstums ohne Lohnsteigerungen, welche die USA von 1990 bis 2007 erlebten, schien diese Ansicht zu bekräftigen.

    Sogar jetzt ist man in der G20 der Ansicht, daß die Finanzmärkte der beste Mechanismus zur Bereitstellung von Kapital sind. Die Vorrangstellung und Unversehrtheit der Finanzmärkte bleiben die höchsten Ziele, die von den neuen finanzpolitischen Reglementierungen eingeschlagen wurden. Die Krise wird nicht als unausweichliches Ergebnis der Logik deregulierter Märkte verstanden, sondern als Effekt der Unredlichkeit und Verantwortungslosigkeit einiger Finanzmarktakteure, die von den Regierungen nur ungenügend beaufsichtigt wurden.

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