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18. Januar 2013 von Spiegelfechter
Glaubt man dem deutschen Finanzminister hat „die Eurozone den schlimmsten Teil der Krise [bereits] überstanden“. Dies ist eine höchst erstaunliche Aussage, wenn man bedenkt, dass uns nahezu täglich neue Hiobsbotschaften aus ganz Europa erreichen. Wenn Schäuble wirklich meint, was er sagt, leider er unter einem fortgeschrittenen Realitätsverlust.
Wenn Wolfgang Schäuble sich einen Eindruck von der düsteren Realität verschaffen will, sollte sich nur einmal die Januar-Überschriften des Blogs „Querschuesse“ zu Gemüte führen:
Portugal: reale Einzelhandelsumsätze mit -5,2% zum Vorjahresmonat
Italien: mieseste PKW-Neuzulassungen seit 1979!
Portugal: Industrieproduktion mit -4,1% zum Vorjahresmonat
Portugal: schwächste PKW-Neuzulassungen seit 27 Jahren
Deutschland: PKW-Neuzulassungen mit -16,4%
Griechenland: Kreditkontraktion ist ungebrochen
Irland: Industrieproduktion mit -6,6% zum Vorjahresmonat
Griechenland: Industrieproduktion auf dem Level von 1978
Griechenland: Allzeithoch bei der Arbeitslosenquote mit 26,8%
Spanien: Industrieproduktion mit -7,3% zum Vorjahresmonat
Italien: Industrieproduktion mit -7,6% zum Vorjahresmonat
EU27: PKW-Neuzulassungen mit -16,3% zum Vorjahresmonat
Italien: Bau und Industrie in der Abwärtsspirale
Die Liste ließe sich nahezu endlos fortführen. Wenn dies Schäuble nicht reicht, sei ihm auch ein Blick in den „Sozial- und Beschäftigungsbericht“ empfohlen, den EU-Sozialkommissar László Andor am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt hat. 2012 war für Andor „ein weiteres miserables Jahr für Europa“ und es sei „unwahrscheinlich, dass sich die sozialökonomische Lage in Europa 2013 wesentlich verbessern wird“, die Entwicklung sei „besorgniserregend“. Das klingt alles ganz und gar nicht danach, dass wir den schlimmsten Teil der Krise bereits überstanden hätten. Im Gegenteil.
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04. Januar 2013 von Spiegelfechter
In diesem Videopocast beantworten die NachDenkSeiten Fragen ihrer Leser. Heute geht es um die ungleiche Lohnentwicklung in Deutschland und Griechenland.
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21. Dezember 2012 von Spiegelfechter
Die Eurokrise geht nun ins dritte Jahr. Der Flügelschlag eines griechischen Schmetterlings hat einen Orkan entfacht, der das europäische Haus in seinen Grundfesten erschüttert. Die Politik hangelt sich derweil von einem Rettungsgipfel zum nächsten und verordnet dem Patienten Gift anstelle von Medizin.
Anstatt einen deprimierenden Rückblick über die verpassten Gelegenheiten und zerschlagene Porzellan des ausgehendes Jahres vorzunehmen, ist es heute wohl nötiger denn je, sich Gedanken über die kommenden Krisenjahre zu machen. Europas Wirtschaft befindet sich im freien Fall. Glaubt man aktuellen Konjunkturprognosen, dann wird die Eurozone im nächsten Jahr noch tiefer in die Rezession gleiten, wobei vor allem die Daten für die ökonomisch ohnehin schon gebeutelten Krisenstaaten rabenschwarz sind.
Die Zeiten, in denen die Zinsen für Staatsanleihen noch das primäre Problem darstellten, sind passé. Heute stehen ganze Volkswirtschaften mit dem Rücken an der Wand, und es gibt keinen Lichtstreif am Horizont, der auf eine Trendwende hindeuten könnte.
Die Dimension der Krise wird in Deutschland gern heruntergespielt. Hierzulande blickt man nur ungern über den eigenen Tellerrand. Um eine Vorstellung vom Ausmaß der Krise zu bekommen, könnte es hilfreich sein, sich folgende Zahlen vor Augen zu halten: Würde Deutschland die Rente derart kürzen wie Griechenland, hätten deutsche Rentner im Schnitt 261 Euro weniger pro Monat.
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03. Dezember 2012 von Spiegelfechter
Vor nicht einmal einem Jahr führte Griechenland seine erste große Umschuldung durch. Teil dieser Umschuldung war es, dass die Anleihen im Besitz privater Gläubiger „freiwillig“ gegen einen bunten Strauß neuer Papiere umgetauscht wurden. Neben soliden Papieren des EFSF gehörten auch die sogenannten „neuen Griechenland-Anleihen“ zum obligatorischen Tauschangebot. Genau diese Papiere soll Griechenland nun nach Willen der Troika zu einem Preis zurückkaufen, der weit über dem Tauschwert vor einem Jahr liegt. Grund für den Preisanstieg ist das dilettantische Vorgehen der Troika. Grund für den Rückkauf dürfte die Angst vor Klagen der Hedge-Fonds sein. Europa verhält sich wieder einmal absolut marktkonform und die Zeche zahlt der Steuerzahler.
Die Idee hört sich auf den ersten Blick ja verlockend an. Griechenland leiht sich 10 Mrd. Euro vom EFSF und kauft dafür die eigenen Anleihen auf den Finanzmärkten zurück, die heute nur zu einem Bruchteil des Nennwertes gehandelt werden. Mit 10 Mrd. Euro, so die Theorie, kann Griechenland Papiere im Nennwert von rund 30 Mrd. Euro kaufen. Damit würde sich die Staatschuldenquote auf einen Schlag um zehn Prozentpunkte verringern. Wie so oft unterscheiden sich hier jedoch Theorie und Praxis grundlegend. Daher lohnt es sich auch, einen näheren Blick auf das Rückkaufangebot zu werfen.
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29. November 2012 von Spiegelfechter
Und täglich grüßt das Murmeltier. Das Rettungspaket für Griechenland, das der Bundestag am Freitag verabschieden soll, wird nicht das letzte gewesen sein. Schon Ende März 2013 steht die nächste Prüfung der Troika an. Wer ernsthaft glaubt, dass Athen die neuen Vorgaben diesmal nicht mit Pauken und Trompeten verfehlt, muss schon ein sehr argloser Zweckoptimist sein.
Während die Zielvorgaben der selbst ernannten Retter von Rettungsgipfel zu Rettungsgipfel unerreichbarer werden, befindet sich die griechische Volkswirtschaft im freien Fall. Mit jedem Tag wächst die Gefahr, dass aus einer vergleichsweise überschaubaren Refinanzierungskrise ein realwirtschaftlicher Tsunami wird, der nicht nur die europäische Wirtschaft, sondern auch den europäischen Gedanken überrollt. Es ist höchste Zeit, sich das Scheitern der bisherigen Rettungsstrategie einzugestehen und neue Wege zu gehen.
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