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  • Das Schneeballsystem der privaten Krankenversicherung droht zu kollabieren

    geschrieben am 16. November 2012 von Spiegelfechter

    Die Finanzkrise hat dazu geführt, dass Risiken neu bewertet werden und das Zinsniveau für als sicher geltende Finanzprodukte, wie beispielsweise deutsche Staatsanleihen, massiv gesunken ist. Was für das Finanzministerium ein Grund zur Freude ist, stellt für die Versicherungsunternehmen ein großes Problem dar. Nicht nur Lebensversicherungen, sondern vor allem die privaten Krankenversicherungen haben ein Geschäftsmodell, das nicht auf eine längere Niedrigzinsphase eingestellt ist. Für das private Krankenversicherungssystem, das ohnehin bereits mit dem Rücken zur Wand steht, könnten die niedrigen Zinsen der Zündfunke sein, der die schon länger tickende Zeitbombe explodieren lässt. Die Leidtragenden sind dabei vor allem die Versicherten selbst.

    Wer das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherungen (PKV) verstehen will, muss zunächst wissen, was ein Kopfschadenprofil ist. Mit diesem Begriff werden die durchschnittlichen Kosten bezeichnet, die ein Versicherter pro Jahr von seiner Versicherung in Anspruch nimmt. Bei Krankenversicherungen steigt das Kopfschadenprofil mit dem Alter des Versicherten. Während ein jüngerer Versicherter relativ selten Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch nehmen muss, steigen die zu erbringenden Leistungen mit dem Alter. Vor allem die letzten vier Monate vor dem Tod machen (fast unabhängig vom Lebensalter) einen Großteil der insgesamt anfallenden Leistungen aus der Krankenversicherung aus. Vereinfacht kann man daher sagen, dass junge Beitragszahler im Krankenversicherungssystem im Schnitt mehr einzahlen als sie im gleichen Zeitraum als Leistung beanspruchen, während ältere Beitragszahler weniger einzahlen, als sie die Kassen kosten. Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gibt es bei PKV keinen systemischen Ausgleich, bei dem die Überschüsse der Jüngeren die Defizite der Älteren decken. Bei der PKV versichert sich jeder Beitragszahler selbst – zumindest in der Theorie.

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    Gastärzte – ein weiteres Symptom der Krankheit namens Privatisierung

    geschrieben am 14. November 2012 von Spiegelfechter

    Nach aktuellen Zahlen der Bundesärztekammer haben im letzten Jahr 3.039 ausländische Ärzte ihren Job in Deutschland aufgenommen – die meisten davon waren Krankenhausärzte. Nach Angaben des Deutschen Krankenhausinstituts sind momentan rund 5.500 Stellen für Krankenhausärzte nicht besetzt. Schuld daran sei der Fachkräftemangel, so raunt es aus dem Blätterwald. Doch wie so oft springen die Kommentatoren hier zu kurz. Im letzten Jahr verließen nämlich auch 3.410 Ärzte Deutschland. Alleine mit dem negativen Wanderungssaldo der letzten vier Jahr hätte man jede offene Stelle besetzen können. Grund für die Ärzteknappheit ist nicht der Fachkräftemangel, sondern die mangelnde Bereitschaft des Gesundheitssystems, seine Mitarbeiter ordentlich zu bezahlen und für angemessene Arbeitsbedingungen zu sorgen. Leidtragende dieser Entwicklung sind nicht nur die Patienten, sondern vor allem auch die ausländischen Ärzte selbst, die oftmals schlechter bezahlt werden als die bereits outgesourcten Krankenhaus-Putzfrauen.

    Der europäische Arbeitsmarkt ist frei und weitestgehend dereguliert. Wer in seinem Heimatland keinen Arbeitsplatz bekommt oder nur Angebote hat, die zu schlecht bezahlt sind und zu schlechte Arbeitsbedingungen aufweisen, kann meist ohne große Probleme einen Job im europäischen Ausland annehmen – vorausgesetzt, der Bewerber verfügt über ausreichende Sprachkenntnisse und es besteht eine echte Nachfrage nach seinen Fähigkeiten. Diese Freizügigkeit wird vor allem von Krankenhausärzten auch gerne genutzt. So arbeiteten zum Jahreswechsel 2012 insgesamt 28.355 ausländische Ärzte in Deutschland. Hinter den Österreichern belegen dabei die Griechen, Rumänen, Russen und Polen die Plätze zwei bis fünf. Schon heute reiben sich die Krankenhausbetreiber angesichts der Eurokrise freudig die Hände, bieten doch vor allem Griechenland und Spanien ein vorzügliches Personalreservoir für potentielle Neuzugänge, die bereit sind, auch zu schlechten Konditionen in Deutschland anzuheuern.

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    70 Kommentare

    Wilfried Schmickler “Dat is doch normaal”

    geschrieben am 13. November 2012 von Spiegelfechter

    Sehenswert!

    Das ganze Video der Veranstaltung “Arsch huh, Zäng ussenander!” ist zeitlich begrenzt auf den Seiten des WDR abrufbar.

    23 Kommentare

    Zwischentöne

    geschrieben am 11. November 2012 von Spiegelfechter

    Liebe Leser,

    wie einige von Euch bereits wissen, war ich heute (am Sonntag) in der Deutschlandfunk-Sendung “Zwischentöne” bei Michael Langer zu Gast. Leider ist die Sendung noch nicht online abrufbar. Erfahrungsgemäß sollte sie jedoch morgen verfügbar sein. Da der Deutschlandfunk die Sendungen jedoch nur ohne Musik ins Netz stellen darf, hab ich Euch schon einmal die komplette Sendung ins Netz gestellt: Zwischentöne mit Jens Berger.

    Die Playlist findet Ihr hier. Und nicht vergessen: Wenn Euch die Musik gefallen sollte, solltet Ihr sie beim Händler Eures Vertrauens käuflich erwerben ;-)

    p.s.: Das besprochene Buch ist natürlich immer noch zu haben.

    liebe Grüße,
    Euer Spiegelfechter
    Jens Berger

    28 Kommentare

    Promille am Steuer – vorzugsweise steuerbefreit

    geschrieben am 09. November 2012 von Gastautor

    ein Gastartikel von Roberto De Lapuente

    In den letzten Wochen konnte man wieder mehrfach hören und lesen, dass der Posten des mächtigsten Mannes der Welt zur Wahl stehe. Gemeint war freilich die durch Legislaturende theoretisch vakant gewordene Stelle im Oval Office. Der mächtigste Mann der Welt, so würde Hans Jürgen Krysmanski an dieser Stelle einhaken, ist nicht mehr als der primus inter pares unter den politischen Verteilungseliten. Solche, die vom mächtigsten Mann der Welt schreiben oder berichten, so würde er nachlegen, täten dies in Ausübung ihrer Funktion als Funktions- und Wissenseliten, die “für den Erhalt des Gesamtsystems unerlässlich sind”. Anders könnte er auch sagen, dass es sich um eine Art Vorsitz des einen Prozent (Politik) handle, hochgepusht durch die zehn Prozent (Medien), die beide im Dienste stehen für die 0,1 (Konzern- und Finanzeliten) und vor allem die 0,01 Prozent (Superreichen).

    Das Imperium der Milliardäre ist eine in relativer Privatheit zurückgezogene Klasse der 0,01 Prozent, die die Weltgeschicke in jedweder Form leite, urteilt der Autor. Das klingt nach Verschwörungstheorie und genau die betreibt Krysmanski nicht. Die 0,01 Prozent bestehen aus Menschen, die so viel Geld angesammelt haben, dass sie sich damit nicht nur ein schönes Leben, sondern gleich noch eine für sie schöne Welt ermöglichen können. Es sind Milliardäre, die durch ihre pekuniäre Potenz immer stärker zum Machtfaktor geraten, eine Art stille politische Mandatsausübung pflegen und zur Richtlinienkompetenz globaler Politik geraten sind. An diese Klasse wagte sich bis dato keine Soziologie heran; sie galt wenn überhaupt, nur als Teil einer Klasse, die man lapidar als Oberschicht bezeichnete. Bloß sind auch in dieser privilegierten Klasse Diskrepanzen gegeben, denn es macht schon einen Unterschied, ob man mit einem sechsstelligen Jahressalär dort einsortiert ist oder mit einem Milliardenvermögen an ihr teilnimmt. Luxusdefinitionen fürwahr.

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