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  • Ich distanziere mich nicht vom Terrorismus!

    geschrieben am 15. November 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    moon-544210_640Kommentar

    Warum auch?
    Sich von etwas zu distanzieren, setzt voraus, dass vorher eine Nähe oder Distanzlosigkeit vorhanden war. Zum Terrorismus hatte ich nie Nähe. Ich verabscheue ihn, egal, ob rechts, links oder religiös motiviert. Dementsprechend verabscheue und verurteile ich auch den Terror, der bei den Anschlägen in Paris ausschlaggebend war. Distanzieren muss ich mich aber nicht von diesen Anschlägen. Es gab ja keine Nähe, ich war weder Täter noch Unterstützer. Und wer auch immer sich dieser Tage zu Paris äußert, tut das nicht in Form von Distanzierungen, sondern durch Verurteilung der Taten.
    Aber wenn ich ein Muslim wäre, was wäre dann? Dann müsste ich mich also ganz offiziell vom Terrorismus distanzieren?
    Wieso denn bitte das?

    Was in Paris geschehen ist, ist grausam. Schrecklich. Unmenschlich. Genauso wie das, was jeden Tag auf der Welt in vergleichbarem oder noch schlimmerem Maßstab passiert, ohne dass es mediale Beachtung findet. Und es wäre schäbig, würde man die Folgen des einen Terroranschlages mit denen eines anderen vergleichen. Denn Terror ist Terror, er muss verurteilt werden!

    Nahezu alle Muslime verurteilen den Terrorismus ebenfalls. Den in Paris. Und den anderswo, der im Namen des Islam verübt wird. Weil Terror nicht zum Islam gehört! Noch mal, zum Mitschreiben: weil Terror nicht zum Islam gehört.

    Gab es eigentlich eine massenhafte Distanzierung vom Christentum zum Terror, als Anders Behring Breivik seine unfassbaren Taten verübt hat?
    Distanzieren sich alle Männer von Vergewaltigung und Mord, weil es vorrangig Männer sind, die solche Taten begehen?
    Nein, und das wäre auch unsinnig. Es ist allgemeiner Konsens, dass Terroristen eine extreme Form von Überzeugungstätern darstellen, deren Motive mit denen eines vernunftbegabten Menschen nicht vereinbar sind. Deswegen verurteilen wir auch kollektiv Terroranschläge, wenn sie passieren.

    Wirklich kollektiv? Nein, eben nicht, das ist ein großes Problem. Wenn ich Sprüche höre wie „Das war ein Anschlag auf unsere Werte“ oder „Dieser Angriff galt uns allen“, dann spüre ich den bitteren Beigeschmack, der sich in diese Aussagen mischt. Denn dieses „Wir alle“ schließt Muslime kategorisch aus. Wir alle, das sind Männer, Frauen, Angestellte, Selbstständige, Schwule, Lesben, Christen, Atheisten, aber eben keine Muslime. Die sind „die anderen“, von denen erwartet wird, dass sie sich distanzieren vom Terror. Was, wie bereits erwähnt, eine Nähe zum Terrorismus unterstellt. Der Generalverdacht, dass Muslime Terroristen sind, hat sich im Laufe der letzten Jahre kontinuierlich aufgebaut, er wurde forciert durch die Medien und die Politik. Das ist schlimm. Aber es geht noch schlimmer.

    Denn die Anschläge von Paris werden jetzt nicht nur genutzt, um eine völlig sinnlose Vorratsdatenspeicherung zu rechtfertigen oder die Installation von noch mehr Kameras im öffentlichen Leben zu erklären. Sie werden darüber hinaus missbraucht, um die Flüchtlingsdebatte anzuheizen. So twitterte CSU-Hardliner Markus Söder: „#ParisAttacs ändert alles. Wir dürfen keine illegale und unkontrollierte Zuwanderung zulassen.“
    Das ist an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten. Es stellt nicht nur alle Muslime unter Generalverdacht, was schon völlig absurd ist. Es suggeriert zudem, dass nicht Menschen in größter Not als Flüchtlinge zu uns zu kommen versuchen, sondern Terroristen. Dabei flüchten die Menschen, die bei uns Schutz suchen, selbst vor dem Terror. Sie jetzt mit dem Stempel „Terrorist“ auf eine Stufe mit den Attentätern in Paris (oder anderswo) zu stellen, ist schlicht pervers. Die Tatsache, dass bei einem der Terroristen ein syrischer Pass gefunden worden und er Flüchtling gewesen sein soll, ändert daran nichts, aber auch rein gar nichts.

    Jeder terroristische Anschlag ist ein Anschlag auf den Wert der Menschlichkeit. Und all jene, die diese Menschlichkeit für sich in Anspruch nehmen und verteidigen wollen, sollten das gemeinsam tun. Unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung.

    Nachtrag: Das Buch „Angst ums Abendland“ von Daniel Bax nähert sich dem Thema Islamfeindlichkeit auf sehr unaufgeregte und informative Weise. Es ist im Westendverlag erscheinen und eine Leseempfehlung wert.

    434 Kommentare

    Sollen kleine Kinder aus dem Netz verschwinden?

    geschrieben am 12. November 2015 von Gastautor

    Eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Darf man Kinderbilder in Social Media wie Facebook posten oder sollte man darauf im Interesse der Kinder besser verzichten, wie dies derzeit ein Aufruf der Polizei NRW in Hagen bei Facebook fordert?

    Mit dem Aufruf „Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! – Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre!“ polarisierte die Polizei in Hagen in den vergangenen Tagen bei Facebook und erreicht damit eine beachtliche Medienresonanz.

    Handelt es sich dabei um den berühmten Sturm im Wasserglas oder sind es schin vorauseilende Konsequenzen aus der neuen deutschen Willkommenskultur? Offensichtlich nicht, denn Bilder von Flüchtlingskindern waren nicht das Thema des Posts, sondern kritisiert wurden – für die Jahreszeit eher deplatziert- Schnappschüsse kleiner Kinder am Strand oder nackt badend im Planschbecken. Man bemängelt, dass die Bilder von den Kleinsten nicht selten für jedermann sichtbar seien, also völlig ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen bei den Privatsphäre-Einstellungen online gestellt würden. Wer jetzt jedoch annimmt, dass die Privatsphäre-Einstellungen einen 100%igen Schutz vor unbefugten Einblicken bieten würden, kennt das Netz nur schlecht.

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    37 Kommentare

    Der „DFB-Skandal“ offenbart ein massives Glaubwürdigkeitsproblem der Medien

    geschrieben am 10. November 2015 von Jens Berger

    Gerade in bildungsbürgerlichen Kreisen gilt es ja als schick, über „Fußball-Themen“ die Nase zu rümpfen. Das ist erstaunlich. Schließlich offenbart der aktuelle DFB-Skandal über die eigentlichen skandalösen Vorgänge hinaus doch auch ein massives Glaubwürdigkeitsproblem der Medien. Noch vor wenigen Tagen haben sich zwei Urgesteine der Branche wie ein Tiger für ihre guten Freunde beim DFB in den Ring gestürzt. Heute sehen Alfred Draxler von der BILD und Helmut Markwort vom Focus aus wie begossene Pudel. Die Glaubwürdigkeit, die sie in bestimmten Kreisen hatten, ist dahin. Fraglich ist jedoch, ob das Publikum aus diesem Vorfall lernt und die Glaubwürdigkeit der großen Medien generell in Frage stellt.

    „So war es wirklich: Sommermärchen nicht gekauft!“ – unter dieser vielsagenden Überschrift verteidigte Sport-BILD-Chef Alfred Draxler noch am 22. Oktober seine guten Freunde aus dem Fußball-Business. Grundlage von Draxlers Einschätzung war dabei etwas, dass der „Journalist“, der auch bei BILD federführend kommentierend tätig ist, selbst als „Intensiv-Recherche“ bezeichnet:

    Darum habe ich in den vergangenen Tagen eine Intensiv-Recherche angestellt, bei der mir zugute kam, dass ich handelnde Personen wie Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Günter Netzer, Fedor Radmann seit Jahren gut kenne, teilweise sogar sehr gut kenne. Sie haben lange und intensiv mit mir gesprochen.

    Das Ergebnis dieser seltsamen Art von Recherche fasste Draxler in einem denkwürdigen Satz in Großbuchstaben zusammen: „ICH BIN MIR BEWUSST, DASS ICH MIT DIESEM ARTIKEL MEINE REPUTATION ALS JOURNALIST UND REPORTER AUFS SPIEL SETZE.“ Ist die Reputation erst ruiniert, schreibt es sich ganz ungeniert. Im Laufe der Zeit musste Draxler notgedrungenerweise kräftig zurückrudern. In einem heute erschienen BILD-Kommentar schreibt er: „Ich hätte es mir nie vorstellen können. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir die WM 2006 auf saubere Art bekommen haben […]Unterschrieben hat dieses Papier mein langjähriger Freund FRANZ BECKENBAUER!!“ Man mag schon fast Mitleid mit dem armen Herrn Draxler bekommen, der nun entdeckt, dass seine alten Kumpel ihm bei seiner „Intensiv-Recherche“ nicht die Wahrheit gesagt haben. Aber wie war das mit der Reputation? Wie kann ein Journalist Reputation für sich in Anspruch nehmen, der seiner ureigenen Arbeit nicht nachgeht und stets nur das nachplappert, was seine hochkarätigen Freunde ihm „unter vier Augen“ vorplappern?

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    39 Kommentare

    Subsidiärer Theaterdonner – wie die CDU am rechten Rand fischt

    geschrieben am 09. November 2015 von Jens Berger

    „Angeblich“ war es ja ein Alleingang, mit dem Bundesinnenminister de Maizière am Freitag via Deutschlandfunk vorgeprescht ist: Syrer sollen demnach nur noch „subsidiären Schutz“ in Deutschland bekommen und – so de Maizière – nur noch ein einziges Jahr in Deutschland bleiben und dabei keine Familienangehörigen nachholen dürfen. Zwei Tage später interpretierte Flüchtlingskoordinator Peter Altmaier die Äußerungen de Maizières als „eine kurze Phase der Irritation“. Alles bleibe beim Alten. Ist die CDU wirklich derart desorientiert? Nein, die „Phase der Irritation“ ist wohl vielmehr eine Phase des Wählerfangs am rechten Rand – Theaterdonner, der vor allem für das Publikum gedacht ist.

    Familiennachzug

    Kann Thomas de Maizière syrischen Flüchtlingen tatsächliche den Familiennachzug verbieten? Nein, das kann er nicht. Die deutschen Gesetze und Verfahren müssen sich nämlich an der EU-Richtlinie 2011/95/EU [PDF] ausrichten, die die Normen für die Anerkennung von Flüchtlingen festlegt und ihrerseits auf der Genfer Flüchtlingskonvention fußt. Demnach kann ein EU-Mitgliedsstaat den Familiennachzug nur (Art. 24, Absatz 4) „aus Gründen der nationalen Sicherheit oder öffentlichen Ordnung“ außer Kraft setzen – beides ist in Deutschland nicht gegeben und würde vor Gericht nicht standhalten. Wie und wann ein Flüchtling einen Familiennachzug beantragt werden kann, ist wiederum Sache der nationalen Gesetze. Wenn es um die syrischen Flüchtlinge geht, ist die gesamte Debatte jedoch reichlich sinnlos.

    Beim Familiennachzug geht es darum, dass der Ehepartner und minderjährige Kinder und Geschwister automatisch den Asyl- oder Flüchtlingsstatus des Antragsstellers zugewiesen bekommen. Nun haben die allermeisten syrischen Flüchtlinge aber gar keinen Status, der über den Status hinausgeht, den jeder syrische Flüchtling automatisch bekommt. Nur rund ein Prozent der syrischen Flüchtlinge ist in Deutschland als Asylberechtigter anerkannt. Der Rest bekommt in fast allen Fällen eine Rechtsstellung als Flüchtling. Die bekommt jedoch jeder syrische Flüchtling; egal, ob er bereits Familienangehörige in Deutschland hat oder nicht. Thomas de Maizières Satz ist also eine reine Augenwischerei. Er suggeriert öffentlich, dass er durch einen Verweigerung des Familiennachzugs für Syrer die Zahl der Flüchtlinge reduzieren könne. Das ist aber – egal wie man es dreht oder wendet – nicht der Fall und obendrein hat er dazu auch gar keine rechtliche Handhabe. Dies hindert jedoch weitere CDU-Promis nicht, diesen Unsinn nachzuplappern.

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    108 Kommentare

    Es geht darum die linke Gegenöffentlichkeit zu zerstören – Im Gespräch mit Jens Berger (Nachdenkseiten)

    geschrieben am 06. November 2015 von Jens Berger

    In den letzten Wochen haben verschiedenene Zeitungen den Nachdenkseiten Querfrontaktivitäten und Einseitigkeit vorgeworfen. Dabei wurden sie in einen Topf geworfen mit rechten Webseiten und Verschwörungstheoretikern, Fakten für die Behauptung wurden allerdings nicht genannt. Wir haben mit Jens Berger, Autor bei den Nachdenkseiten, über die Artikel gegen die Nachdenkseiten, ihre Ursachen und die Antwort der Nachdenkseiten gesprochen.

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