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  • Der Fall Prokon – Es ist an der Zeit, den grauen Markt für Finanzprodukte endlich abzuschaffen

    geschrieben am 14. Januar 2014 von Jens Berger

    Die drohende Insolvenz des Windparkbetreibers Prokon erhitzt die Gemüter. Mit Prokon droht einem Unternehmen, das seit mehreren Jahren auf den Warnlisten der Verbraucherschützer steht, nun die Pleite. Es drängt sich dabei der Verdacht auf, dass das Geschäftsmodell von Prokon in frappierender Weise einem klassischen Schneeballsystem gleicht. Derart dubiose Finanzprodukte geben sich auf dem unregulierten Markt für Finanzprodukte, dem sogenannten „grauen Markt“, ein Stelldichein. Der letzte Versuch, den grauen Markt stärker zu regulieren, scheiterte im Jahre 2010 an der Blockade der FDP. Nach dem Regierungswechsel spräche eigentlich nichts dagegen, die bereits 2010 vom Finanzministerium geplanten Gesetze zur Regulierung des grauen Finanzmarktes nun umzusetzen. Warum geschieht dies nicht?

    Wieder einmal raubt eine drohende Insolvenz zehntausenden gutgläubigen Anlegern den Schlaf. Wieder einmal zeigt sich, dass exorbitant hohe Zinsversprechen, die an exotische Finanzprodukte geknüpft sind, das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. So gesehen wäre der Fall Prokon ein Fall von vielen. Doch der Fall Prokon ist dennoch etwas besonderes: Prokons Zielgruppe waren offenbar vor allem ansonsten sehr kritische Verbraucher, die den Banken nicht mehr über den Weg trauten. Vor allem im Sog der Finanzkrise konnte Prokon mit einer Art „Anti-Establishment-Marketing“ zahlreiche Kunden für sich gewinnen. Damals wie heute gehörte die scharfe Kritik an den „Banken und Großkonzernen“ zur Vermarktungsstrategie von Prokon. Es ging ja schließlich auch um ein löbliches und gesellschaftlich sinnvolles Projekt – die Energiewende. Auch heute sieht sich Prokon nicht als Täter, sondern als Opfer. Die kritischen Berichte der Medien werden von den Verantwortlichen als „Kampagne“ gedeutet. Welch´ bittere Ironie.

    Das Geschäftsmodell von Prokon war spätestens seit 2007 – formulieren wir es vorsichtig, um juristisch nicht angreifbar zu sein – fragwürdig. 96% des Kapitals von Prokon stammen aus sogenannten Genussrechten, die der Konzern mittels einer sehr groß angelegten Marketingkampagne von 75.000 Anlegern eingesammelt hat. Dabei dürften wohl nur die wenigsten Anleger überhaupt verstanden haben, was Genussrechte überhaupt sind. Bei Genussrechten handelt es sich um eine Art Mischung aus Anleihe und Aktie, die vor allem die negativen Eigenschaften beider Instrumente bündelt. Wer Genussrechte hält, hat sich „still“ am Unternehmen beteiligt und verzichtet – anders als bei der Aktie – auf jegliche Mitsprache. Anders als Anleihen und Kredite werden Kapitalbeteiligungen über Genussrechte grundsätzlich nachrangig behandelt. Geht ein Unternehmen in die Insolvenz, werden also zunächst sämtliche offenen Forderungen aus der Insolvenzmasse bezahlt und das Geld was ggf. übrig bleibt, dürfen sich dann die Besitzer der Genussrechte teilen. Das Risiko eines Totalverlusts ist bei Genussrechten also stets gegeben. Genussrechte sind somit ein hoch riskantes Produkt, das vergleichsweise selten eingesetzt wird und an das aufgrund des hohen Risikos meist auch hohe Zinsversprechen gebunden sind. In der Regel greifen Unternehmen zu diesem Instrument, wenn sie keine Chance haben, an reguläre Kredite zu kommen.

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    55 Kommentare

    Ursula von der Leyen: Kriegsspaß für die ganze Familie!

    geschrieben am 13. Januar 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Kommentar

    Wo Ursula von der Leyen hin trällert, das wächst kein Satz mehr. Zumindest aber braucht man ein bisschen, bis man sich gefangen hat und wieder Luft bekommt. Die neue Kriegsministerin hat kürzlich ein paar Soldaten nach Afghanistan verabschiedet, für den Frieden dort und hier, versteht sich. Jetzt widmet sie sich den alltäglichen Aufgaben von Soldatinnen und Soldaten. Mit denen (also den Aufgaben) ist sie irgendwie nicht so richtig zufrieden. Deshalb setzt sie auf Familienfreundlichkeit und Teilzeit.

    Die von von der Leyen angedachten Maßnahmen muss man eigentlich gar nicht mehr kommentieren. Mehr Kitaplätze in Kasernen wünscht sich die Mutti mit Hauspersonal. Teilzeitarbeit, weniger Versetzungen von Soldaten und überhaupt: Die Bundeswehr soll familienfreundlicher werden. Hurra!
    Dass daraus nichts wird, lässt sich an drei Fakten ablesen:
    1. soll das Ganze nichts weiter zusätzlich kosten. Das Budget, das der Bundeswehr zur Verfügung steht, reiche aus, um von der Leyens Pläne zu realisieren. Das ist – zumindest so lange sich an der Ausgabenpraxis für die Bundeswehr nichts ändert – ziemlicher Blödsinn.
    2. möge man sich vorstellen, wie das aussehen soll mit der Familienfreundlichkeit. Zum Beispiel bei Auslandseinsätzen. Ein kleiner Ausflug nach Afghanistan für die ganze Familie? Mit McDrive und einem Eis für zwischendurch? Eine spannende Schnorcheltour auf hoher See, mit einem Kopfsprung von einem Kriegsschiff? Es gibt wahrlich familientauglichere Programme.
    Und 3. muss die Frage erlaubt sein, wie das gehen soll mit Teilzeitarbeit und flexiblen Arbeitszeiten? Man könnte womöglich auf 400,-Euro-Jobs setzen und eigens ein paar Zeitarbeitsunternehmen ins Konzept einbauen, gut möglich, dass dann etwas ginge. Und wenn man die Bundeswehr dann noch als Ausnahmeregelung vom Mindestlohn ausnimmt, lässt sich da womöglich doch etwas drehen.
    Aber all das ist gar nicht der Punkt der ganzen Diskussion. Der liegt ganz woanders. Den Artikel weiterlesen »

    125 Kommentare

    Von Hartz IV für Rumänen, der bösen EU und niederen deutschen Instinkten

    geschrieben am 10. Januar 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Kommentar

    Als SPIEGEL ONLINE auf Facebook titelte „Einschätzung der EU-Kommission: Arbeitslose Ausländer haben Anspruch auf Hartz IV“, dauerte es nicht lange, bis die Kommentarfelder mit erbosten Wutausbrüchen gefüllt wurden. Einer beklagte: „Klar! Und Begrüßungsgeld. Und eine Grundausstattung für die erste Wohnung. Und eine Familienmonatskarte für den ÖPNV. Und ein Auto. Und Tankgutscheine. Und…“.
    Ein anderer meinte: „Super, gehen wir mal fröhlich für die ganze EU arbeiten. Das motiviert…“.
    Es gab noch mehr Kommentare, und die meisten waren sich einig, wie schrecklich das ist, dass wir armen Deutschen ganz Europa „füttern“ müssen und dass – Zitat – „denen noch leichter unser Geld in den Arsch gesteckt“ werden soll. „Unfassbar“ sei das.

    Das stimmt. Es ist unfassbar, mit welcher Großkotzigkeit und Arroganz die Meinung vorherrscht, wir würden ganz Europa versorgen. Es ist unfassbar, wie mit aufreizender Ignoranz übersehen wird, dass Deutschland einen gehörigen Anteil an der wirtschaftlichen Schieflage zahlreicher europäischer Länder hat. Unfassbar auch, dass wir seit Jahren auf Teufel komm raus exportieren, ohne die negativen Folgen dieser Politik auf das europäische Ausland zu bedenken. Es ist nicht zu fassen, dass wir hierzulande unterirdische Löhne zahlen und andere Länder gleichzeitig ausbluten. Den Artikel weiterlesen »

    244 Kommentare

    Wir sind Leistung!

    geschrieben am 10. Januar 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Rubrik:Satire

    Leistungsmerkel

    Selbstredend stammt dieser Satz nicht von Angela Merkel, er ist lediglich in meiner wirren Vorstellung entstanden.

    16 Kommentare

    Petitionen: Mickrige Stürme im Wasserglas

    geschrieben am 09. Januar 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Online-Petitionen haben derzeit Hochkonjunktur. Aber bringen sie auch etwas? Eher nicht. Das liegt in ihrer Natur.

    Das lateinische Wort „petitio“ steht für Eingabe, Gesuch oder – das beschreibt es am besten – für Bittschrift. Petitionen gelten als demokratisches Grundrecht und man könnte den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine große Errungenschaft der Demokratie. Doch in Wahrheit sind sie meist nichts weiter zahnlose Tiger, die sich aufbauen, Pranken und Zahnfleisch zeigen, ein kurzes knurrendes Geräusch von sich geben und dann wieder müde in der Ecke liegen. Weil einer Bitte entsprochen werden kann. Aber eben nicht muss. Eine Petition kann theoretisch genutzt werden, um Gesetze zu ändern oder zu erlassen. Faktisch ist das sogar geschehen – bisher ein einziges Mal.

    Beispiel Netzneutralität

    Es war eine der Petitionen, die ganz schnell die erforderliche 50.000-Unterzeichner-Grenze knackte. Das Thema Netzneutralität beschäftigt offenbar so viele Menschen, dass es ein Leichtes war, genügend Namen auf die Online-Liste zu setzen. Auch die Medien nahmen rege durch ihre Berichterstattung an der Thematik teil. Inzwischen hat eine Bundestagswahl stattgefunden, die Große Koalition hat (wider Erwarten) tatsächlich ihre Arbeit aufgenommen, die Posten sind verteilt. Netzneutralität ist allerdings heute kein großes Thema mehr. Die Bundesregierung hat das Verkehrsministerium für den Breitband-Ausbau verantwortlich erklärt, im Koalitionsvertrag ist zudem das Projekt „Industrie 4.0“ festgeschrieben worden. Wo dabei die Netzneutralität vorkommt, ist nicht klar. Zu einer gesetzlichen Festschreibung (oder zumindest zum Weg dorthin) ist es jedenfalls bisher nicht gekommen, auch wenn kürzlich die Piratenpartei auf ihrem medial kaum beachteten Drei-Königstreffen erneut darauf hinwies, dass die Abschaffung der Netzneutralität zu einer Entdemokratisierung des Internets führe.
    Insgesamt 76.530 Online-Unterzeichner hatte die Petition mit der Nummer 41906. Der Status der Petition lautet „abgeschlossen“, sie ist heute nicht mehr als eine Akte in der Schublade. Den Artikel weiterlesen »

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