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  • SPON stellt Vorbedingungen

    geschrieben am 04. Oktober 2007 von Jens Berger

    SPIEGEL ONLINE überraschte seine Leser heute nachmittag um 17.00 mit einem Bericht über die neuerliche Dialogbereitschaft des burmesischen Generalissimus Than Shwe. Sein Angebot an die Oppositionsführerin Suu Kyi ist an seltsame Vorbedingungen geknüpft. So soll die Lady zunächst von ihrer Haltung der ?Konfrontation, Verwüstung und Sanktionen? abrücken. Dies ist keine neue Forderung – sie wurde von anderen Vertretern der Junta schon häufiger genannt und ist eher als Nebelkerze zu werten. Suu Kyi ist als sture Vertreterin ihrer Grundsätze bekannt, die sicher nicht von ihren Standpunkten abrückt. Da die Bedingungen im Staatsfernsehen und im staatlichen Rundfunk vorgetragen wurden, ist dies ferner als Propaganda zu werten, die fälschlich den Eindruck vermittelt, Suu Kyi sei für die Sanktionen des Westens verantwortlich – dies ist natürlich unredlich und falsch.

    Dies ist es, was im burmesischen Rundfunk gesendet wurde, und so von allen seriösen Medien, wie IHT, NYT, Washington Post, BBC, Telegraph, Süddeutsche, Handelsblatt oder der Tagesschau berichtet wurde – nur die Art der Kommentierung differiert von Medium zu Medium. SPIEGEL ONLINE weiß allerdings mehr, als die gesamte Konkurrenz. Laut SPIEGEL ONLINE stellte Generalissimus Than Shwe für die Gespräche auch die Vorbedingung, der Westen solle die Sanktionen einstellen.

    Der Junta-Chef forderte als Voraussetzung für Gespräche mit Suu Kyi außerdem ein Ende der westlichen Sanktionen gegen sein Land.
    SPON

    Die Quelle dieser “exklusiven” Meldung dürfte die DPA sein. So meldete der WELT-Ticker, unter Berufung auf DPA, um 16.50 die gleiche Ente.

    Auch müssten die westlichen Sanktionen gegen sein Land aufgehoben werden.
    WELT-Ticker 16.50

    Die WELT merkte anscheinend den Widerspruch dieser Agenturmeldung, zu den Meldungen von AP, Reuters und AFP, die allesamt über das Thema ausführlich berichteten. Die Meldung von 16.50 wurde aus dem Ticker genommen und um 19.17 in einer korrekten Form, ohne die falsche Passage wieder online gestellt.

    Das SPON Falschmeldungen, die in die journalistische Linie des Blattes passen, nicht etwa korrigiert, sondern so lange wiederholt, bis es keinen mehr interessiert oder ein kleiner Skandal daraus wird, ist bekannt. So auch diesmal: In einem Folgeartikel, der gegen 21.00 online gestellt wurde, wiederholte SPON die Fehlmeldung und schmückte sie auch noch kommentierend aus, indem man die Vorbedingungen “abstrus” nennt.

    Auch einen Stopp der Sanktionen des Westens gegen Burma machte Than zur Vorbedingung für die Gespräche.
    SPON

    Es ist das gute Recht eines Journalisten, die wirklich geäußerten Vorbedingungen “abstrus” zu nennen, aber im Kontext der Falschmeldung wird der falsche Eindruck vermittelt. Dies ist ganz auf der politischen Linie, mit der SPON bei seiner katastrophale Asien-Berichterstattung in letzter Zeit glänzt. China ist die “Gelbe Gefahr”, gegen die der Westen sich gemeinsam wehren muss. Dieses Mantra hat SPIEGEL-Hauptstadtbürochef Gabor Steingart schon in seinem fragwürdigen Buch “Weltkrieg um Wohlstand” vorgebetet. Dass heute nicht berichtet wurde, dass der Sprecher des chinesischen Außenministeriums expressis verbis mehr “Demokratie” für Myanmar forderte, steht ganz in dieser unrühmlichen Kampflinie.

    So kann man auch hier von einem Fehler ausgehen, oder unterstellen, der Fehler passte so schön ins Konzept, dass man ihn lieber nicht bemerken will.

    Update (5.10/19:35): In einem heute erschienenen Artikel vermeidet SPON die “Falschmeldung” ein weiteres mal zu wiederholen. In den beiden alten Artikeln ist der Fehler freilich nicht korrigiert.

    Jens Berger

    22 Kommentare

    Quo vadis, Burma?

    geschrieben am 02. Oktober 2007 von Jens Berger

    Heute endete der viertägige Besuch des UN-Sondergesandten Gambari in Myanmar. Während seines Aufenthaltes, der hinter den Kulissen von Singapur und China gegen den Willen der Militärjunta ermöglicht wurde, traf der nigerianische Diplomat den Premierminister Thein Sein, der innerhalb der Junta für den verfassungsbildenden Prozess zuständig ist, den obersten General Than Swe und gleich zwei mal die unter Hausarrest stehende Oppositionspolitikerin Suu Kyi. Noch ist unbekannt, was bei den Gesprächen herauskam, aber eins sollte klar sein ? großartige Verschiebungen in Richtung Demokratie sind nicht zu erwarten.

    Die UN selbst ist ein zahnloser Tiger ? mögliche Sanktionen können durch das Veto einzelner Staaten im UN-Sicherheitsrat geblockt werden. Sowohl die USA als auch die EU haben keinen diplomatischen Einfluss auf Myanmar mehr, da von beiden westlichen Mächten bereits harte Sanktionen bestehen. Zwischen Myanmar und China bestehen bereits seit langem beste wirtschaftliche Beziehungen, die natürlich auch geographisch bedingt sind. Die Sanktionen des Westens haben Myanmar keine andere Wahl gelassen, als sich noch enger an China zu binden. Der ?internationale? Druck auf die ASEAN-Staaten, die neben China die besten wirtschaftlichen Verbindungen zu Myanmar haben, wurde von denen mit dem Hinweis abgeblockt, man würde mit einem Boykott nur erreichen, dass Myanmar so zwangsläufig zu einem ?Wurmfortsatz? Chinas würde ? was logisch erscheint, welche Wahl hätte die Junta in Yangon auch sonst?

    Zwischen China und Indien ist in den letzten Monaten ein Wirtschaftskrieg um das Land Myanmar entbrannt. Beide Länder haben großes Interesse an den Öl- und Gasvorkommen um Golf von Bengalen. Während China sich langsam international als Global-Player im Energiegeschäft etabliert, steckt Indien noch in den Kinderschuhen. Im internationalen Hype um China wird immer gerne vergessen, dass das aufstrebende Indien, eine kommende Wirtschaftsmacht mit momentan 1,1 Mrd. Einwohnern und einem Wirtschaftswachstum von 9,4%, mindestens ebenso von Energieimporten abhängig ist, wie der benachbarte Gigant.

    In Myanmar hatte China bis dato die besseren Karten ? erst vor wenigen Wochen erhielt der chinesische Ölgigant PetroChina gegen die Konkurrenz aus Indien den Zuschlag für zwei Fördergebiete im Golf von Bengalen. Auch sind bereits Verträge für den Bau einer Pipeline unterzeichnet, die Öl aus dem mittleren Osten vom burmesischen Hafen Yanbal ins 1.440 km entfernte Kumming transportieren soll. Die Kapazität dieser Pipeline soll 800.000 Barrel pro Tag betragen, dies sind vier Fünftel der Kapazität der berühmt-berüchtigten Baku-Tblissi-Ceyhan Pipeline, bei fast gleicher Länge.

    Diese Pipeline ist nicht nur wirtschaftlich für China sinnvoll, sondern stellt auch Entlastung des Tankerverkehrs durch die Meerenge bei der Straße von Malakka bei Singapur dar. Durch diese Meerenge müssen 80% der chinesischen Energieimporte transportiert werden. Im Falle eines Konfliktes mit den USA (z.B. wegen Taiwan) wäre dieses Nadelöhr innerhalb kürzester Zeit durch amerikanische Marineverbände blockiert, was China wirtschaftlich ruinieren würde.

    Chinas Interessen in Myanmar sind in Myanmar sind also umfassend und Indien hockt bereits in den Startlöchern. Dies bedeutet aber keineswegs, dass China der burmesischen Militärjunta einen Blankoscheck für Menschenrechtsverletzungen ausgestellt hätte, wie es deutsche Politiker und Medien, wie der SPIEGEL, gerne suggerieren. Der SPIEGEL fährt seit mehreren Monaten eine Kampagne gegen China, angefangen über vermeintliche ?gelbe Spione?, über ?Merkels Dalai-Lama Treffen? bis zu ?der Gefahr, ?rot-gelber? Kapitalfonds für den Standort Deutschland. Dies ist auch sprachlich erkennbar ? so ?erschliessen? westliche Konzerne Erdöl-/gasfelder, während chinesische Unternehmen sie ?ausbeuten?. Zum Thema China/Myanmar überholt der SPIEGEL sogar das Weiße Haus auf der proamerikanischen Schnellstraße. Washington arbeitet auf diplomatischer Ebene, entgegen weitläufiger Meinungen, sehr konstruktiv mit China zusammen. Dort weiß man anscheinend, dass China nicht den ?Hebel? auf Myanmar hat, den man ihm gerne zuschreibt.

    Das ZK in Peking weiß auch sehr gut, dass es riskant und kontraproduktiv wäre, den Generälen in Naypyidaw einen Blankoscheck auszustellen. Chinas Interesse in Myanmar ist am meisten gedient, wenn dort stabile politische Verhältnisse herrschen. So drückt China bereits seit Monaten aufs Tempo, wenn es um die Umsetzung der burmesischen Verfassung geht. Auch hat Peking der Junta bereits des Öfteren geraten, den Dialog mit der Oppositionspolitikerin Suu Kyi zu starten ? bislang lehnte die Junta dies wegen “einer Gefährdung der innereren Sicherheit” jedoch ab.

    Wenn in Myanmar der Prozess zur schrittweisen ?Demokratisierung? gestartet werden sollte, so ist dies zu signifikanten Teilen ein ?Verdienst? Chinas. Dieser ?Verdienst? speist sich natürlich nicht aus Altruismus oder demokratischen Missionierungsgedanken. Ein permanenter Unruheherd, vielleicht sogar ein Bürgerkriegsgebiet, an der Südflanke und in einem wichtigen strategischen Gebiet, ist das letzte, was China sich wünschen könnte. Auch weiß Peking, dass die internationalen Proteste gegen Myanmar auch auf China abfärben. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking, wäre ein internationaler Protest gegen China wohl der GAU der ?PR-Offensive des Land des Lächelns?.

    Die Junta in Myanmar wird über kurz oder lang in einen Dialog mit der Opposition treten müssen. Dies wäre der erste Schritt zu einer Verbesserung der politischen Situation. Es bleibt indes abzuwarten, ob die Opposition überhaupt gewillt ist, diesen Dialogprozess zu starten. Suu Kyi ist als eiserne Lady bekannt und (auch unter Oppositionspolitikern) gefürchtet ? bislang sieht sie sich als reguläre Wahlsiegerin von 1990 und somit als gewählte Ministerpräsidentin. Für einen Dialog sah sie die Anerkennung der Wahlergebnisse immer als ?conditio sine qua non?. Dies hat auch in den Reihen der Opposition zu Verstimmungen geführt ? als ehrenwerte Märtyrer zu darben, ist nicht das Ziel der meisten Oppositionellen. So waren auch die Forderungen der Demonstrierenden in den letzten Tagen durchaus realistisch und umsetzbar ? es ging nicht um die Vertreibung der Junta, sondern um den Beginn eines Dialoges.

    Bei diesem Dialog kann Peking als ?ehrlicher Makler? auftreten. Ob einer solcher Dialog mit den Spitzen der Junta möglich ist, mag bezweifelt werden ? zu weit haben sie sich bereits vom Volk entfernt. In der zweiten Reihe gibt es aber Generäle, mit denen ein solcher Dialog möglich wäre. Und Than Shwe und Co. müssen auch keine Panik haben ? in China gibt es sehr viele wunderschöne Orte, an denen man seinen Lebensabend in einer prächtigen Villa im Exil genießen kann. Sie müssen nur beim ?Kollegen? Ferdinand Marcos im Nirwana anrufen, der einst auf Hawaii sein Exil fand.

    Der Newsticker wird von mir auch weiterhin gepflegt, auch wenn die “Nachrichtendichte” stark zurückgegangen ist.

    Jens Berger

    Bildnachweis: nik´s Public Gallery, American University Washington DC, Der Kurier (Copyright), RFA Unplugged, The Onion


    31 Kommentare

    Aktuelle Entwicklungen in Myanmar [Ticker]

    geschrieben am 29. September 2007 von Jens Berger

    05.10/19:30: Der UN-Sonderbeauftragte Gamabri warnte die burmesische Militärjunta und stellte “ein ernsthaftes internationales Nachspiel” in den Raum. Wie er sich dieses “Nachspiel” vorstellt, erwähnte er freilich nicht. Quelle

    • Mizzima News ruft seine Todesmeldung zurück. Laut neueren Informationen, ist der burmesische Premier Soe Win nicht tot, sondern “lediglich” in einem sehr kritischen Zustand auf der Intensivstation des Yangoner Mingalardon Krankenhauses.

    05.10/11:35: Suu Kyi hat die Dialog-Offerte der Junta abgelehnt. Die Vorbedingungen waren für sie nicht tragbar. Quelle

    • Die Junta hat der US-Legationsleiterin Shari Villarosa Gespräche angeboten.
    • In einem ausführlichen Artikel vermittelt Peter Mühlbauer auf Telepolis Hintergrundinformationen über ethnische Konflikte in Myanmar und die Rolle des Drogenanbaus.

    05.10/07:35: Die Seite Meta-Web TV hat verschiedene Filmbeträge zum Thema zusammengestellt und Protestbriefe zum Download vorbereitet.

    04.10/19:15: Es sieht so aus, als sei die SPON-Meldung von 17:00 mal wieder auf eine kapitale Ente der DPA zurückzuführen. Keine andere Presseagentur und kein anderes Qualitätsmedium meldet, dass die burmesische Junta die Bereitschaft, den Dialog mit Suu Kyi aufzunehmen, von der Einstellung der Sanktionen des Westens abhängig machen würde. Außer von SPON wird dies auch vom Ticker der WELT gemeldet, der sich auf die DPA bezieht. Im Artikel des Onlineangebots der WELT fehlt die Passage.

    Der Junta-Chef forderte als Voraussetzung für Gespräche mit Suu Kyi außerdem ein Ende der westlichen Sanktionen gegen sein Land.
    SPIEGEL ONLINE

    Auch müssten die westlichen Sanktionen gegen sein Land aufgehoben werden.
    WELT-Ticker

    Es ist mal wieder bezeichnend, dass SPON es noch nicht einmal vermag, Agenturmeldungen gegenüber zu stellen und auf Plausibilität zu prüfen.

    04.10/17:00: SPON meldet, dass der oberste General der burmesische Junta, Than Shwe, sich unter “bestimmten Bedingungen” mit der Oppositionsführerin Suu Kyi treffen will. Diese Bedingungen – so die Einstellung der Sanktionen des “Westens” – sind allerdings derart abstrus, dass dieses Treffen kaum zu Stande kommen wird. Agenturmeldungen von Reuters und AP erwähnen diese Vorbedingung allerdings nicht. Dort weiß man (wie SPON auch) nur von Vorbedingungen, die an Suu Kyi selbst gestellt werden. Nebenbei berichtet SPON, dass die verhaftete UN-Mitarbeiterin wieder freigelassen wurde.

    04.10/16:35: Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldet, hat der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Liu Jianchao, die Gespräche zwischen dem UN-Sondergesandten Gambari und seinen burmesischen Gesprächspartnern als sehr “fruchtbar” bezeichnet. Der Text von Xinhua ist einerseits voll von Sarkasmus: Man spricht davon, dass “die Lage in Myanmar sich aufgrund der gemeinsamen Anstrengungen der burmesischen Seite und der internationalen Gemeinschaft beruhigt hätte“. Andererseits ist die Meldung von einer nicht zu erwartenden Offenheit. So wird Liu zitiert, es müsse “auf friedlicher Ebene zu einem nationalen Ausgleich kommen, der die materielle Lage des Volkes verbessert und Demokratie und Entwicklung gewährleistet“. Dass ein chinesischer Spitzenpolitiker offen bekennt, es müsse in Myanmar mehr “Demokratie” geben, ist eine kleine Sensation.

    04.10/16:20: Auf den Seiten der SZ-Online, ist ein Interview mit dem burmesischen Blogger Ko-Htike veröffentlicht.

    04.10/16:00: Ein ganz besonderer Lesetipp: Cloud of Pessimism Hangs Over Burma. Der burmesische Journalist und Autor Aung Zaw lässt seinen Frust über die UN, die EU, die USA und die burmesischen Nachbarn in diesem außerordentlich empfehlenswerten Artikel freien Lauf. Dabei enttarnt er die bigotte und heuchlerische Linie des Westens und zeichnet ein düsteres Bild für Myanmars Zukunft.


    (C) The Irrawaddy

     

    • The Irrawaddy berichtet von Razzien in fünf Klöstern. Die Sicherheitskräfte suchen nach Mönchen, von denen sie Photos haben. Wenn sie einen Mönch gefunden haben, der auf den Photos der Demonstrationen zu sehen ist, nehmen sie alle Mönche des betreffenden Klosters gefangen.Quelle
    • Die 88er Studenten Gruppen und die “National League for Democracy” schätzen, dass während der vergangenen Tage mindestens 130 Menschen umgebracht und über 3000 Mönche und Demonstranten festgenommen wurden. Quelle

    04.10/14:00: Die beiden Hauptakteure in der Myanmar-Frage, Indien und China, “überbieten” sich in der Öffentlichkeit gegenseitig in Sachen Zurückhaltung. Indien betrachtet die gewaltsame Unterdrückung der Proteste als “interne” Angelegenheit – die größte Demokratie der Welt hat kein Interesse, seine Energiegeschäfte mit seinem Nachbarn zu gefährden. “Erst kommt das Fressen, dann die Moral” – die Machthaber in Delhi unterscheiden sich genau so wenig von Mackie Messer, wie der Rest der Weltpolitik. Die Forderungen der EU an Indien, Sanktionen zu beschließen, wirken anhand der fehlenden Sanktionen der EU, die den französischen Energiekonzerne Total zu einem Rückzug aus dem Land bewegen könnten, geradezu bigott.

    04.10/12:10: Lesetipps:

    04.10/10:10: Wie die ZEIT meldet, befindet sich unter den tausenden Festgenommenen auch eine Mitarbeiterin der Vereinten Nationen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte an, alles für die 38-jährige UNDP-Mitarbeiterin Mynt Ngwe Mon zu tun, was in seiner Macht stehe.

    • Der UN-Sondergesandte Gambari schweigt weiterhin über Details und Ergebnisse seiner Mission in Myanmar.
    • Der UN-Menschenrechtsrat hat Myanmar aufgefordert, einer Untersuchung der Ereignisse der letzten Woche zuzustimmen. Es ist indes wenig wahrscheinlich, dass Myanmar zustimmen wird, den Sonderbeobachter Paul Sergio Pinheiro ins Land zu lassen.
    • Die EU hat härtere Sanktionen gegen Myanmar in Aussicht gestellt. Betroffen sind vor allem Handelsfragen – europäische Energiekonzerne, die mit Myanmar Geschäfte im Öl- und Gassektor tätigen sind freilich nicht betroffen. Quelle
    • Die Junta in Myanmar verhaftet – laut Meldungen der First Post – mittlerweile auch Bürger, die “westliche” Medien, wie BBC oder CNN, verfolgen. Quelle
    • Die Sicherheitsbehörden sind auf der Suche nach Bloggern und Journalisten, die für die Leckage verantwortlich sind, bei der immer wieder Bilder und Nachrichten, das streng abgeriegelte Land verlassen. Quelle

    03.10/14:00: Deutsche Wertarbeit für burmesische Schlächter:

    03.10/13:45: Dieses Video von CNN zeigt das “zurückhaltende” Vorgehen der burmesischen Sicherheitskräfte:
    [MEDIA=5]
    02.10/19:30: Mizzima News meldet, dass der burmesische Premierminister Soe Win heute gestorben ist. Soe Win war schwer krank und kam erst vor wenigen Tagen von einer medizinischen Behandlung in Singapur zurück.

    02.10/19:25: Podcasts:

    02.10/18:40: Auch ich habe mir in einem Artikel weiterführende Gedanken, über das Schicksal der burmesischen Bevölkerung gemacht: Quo vadis, Burma

    02.10/13:25: Zum Abschluss seines Myanmar-Besuches hat sich der UN-Sondergesandte zum zweiten mal mit der Bürgerrechtlerin Aung San Suu Kyi getroffen. Nach dem 15-minütigen Gespräch verließ der Gesandte das Land und flog nach Singapur. Quelle

    02.10/12:15: Bei einer Rede vor der UN machte der burmesische Außenminister U Nyan Win Opportunisten und – nicht näher genannte – andere Länder für die Aufstände verantwortlich.

    • Ein Sprecher der UN bestätigte, dass sich der UN-Sondergesande Gambari heute mit dem obersten General der burmesischen Militärjunta, Than Shwe, treffen soll. Anschließend soll es eine Pressekonferenz geben. Quelle
    • Nach den Gesprächen mit Gambari wurde eine Verkürzung der Ausgangssperre in Yangon um zwei Stunden verkündet. Quelle
    • Australien lehnt den offiziellen Abgesandten der Militärjunta für das Amt des Botschafters ab, da dieser als General ein direkter Verantwortlicher für die Menschenrechtsverletzungen sei. Quelle

    Linktipps:

    01.10/18:30: Laut BBC hat der oberste Vertreter der Militärjunta, General Than Shwe, zugestimmt, am Dienstag den UN-Sonderabgesandten Gambari zu empfangen.

    • Die BBC meldet ebenfalls, dass China seinen Einfluss geltend macht, dass die Mission des UN-Sondergesandten verlängert wird.
    • 3000 Mönche sollen alleine in Yangon in Gefangenenlagern in den Außenbezirken festgehalten werden. Im Stadtbild ist nichts vom Rot der buddhistischen Mönche zu sehen. Quelle

    In der “Rheinischen Post” ist ein Artikel erschienen, der die persönlichen Eindrücke eines deutschen “Elefantenexperten” schildert, der das Land öfters bereist hat.

    01.10/15:40: Die Londoner “Daily Mail” berichtet von einem übergelaufenen hochrangigen Geheimdienstoffizier, der behauptet, dass die Zahl der Todesopfer mehrere Tausend betragen soll. Außerdem sollen die Leichen mehrerer hundert Mönche im Dschungel “entsorgt” worden sein. Der Offizier mit dem Namen Hla Win, hat die Flucht aus Myanmar angetreten, nachdem ein schwedischer Diplomat vorhersagte, dass die Revolte gescheitert sei. Mittlerweile soll er die Grenze zu Thailand erreicht haben.

    Anlässlich der unklaren Quellenlage ist diese Meldung sicher mit äußerster Vorsicht zu genießen.

    01.10/14:40: Linktipps:

    • Democracy Now! hat verschiedene Aktivisten (u.a. den Blogger Ko Htike) zur Lage in Myanmar interviewt.
    • Larry Jagan schreibt in der Asia-Times über die Spannungen innerhalb der Militärjunta.
    • Die FAZ hat den indischen Schriftsteller Amitav Gosh interviewt.
    • Die Coordination gegen Bayer-Gefahren berichtet von Plänen des Bayer-Konzerns, in Myanmar hybride Reissorten einzuführen. In Indien haben sich bereits 150.000 Landwirte das Leben genommen, da sie durch den sterilen Hybridreis in den Ruin getrieben wurden.
    • German-Foreign-Policy hatte bereits letzte Woche einen Hintergrundbericht veröffentlicht, der das Interesse der deutschen Politik für das Schicksal Myanmars kritisch hinterleuchtet.

    01.10/14:30:The Norway Post” berichtet von einem burmesischen Oberst, der in Norwegen Asyl haben will. Er habe den Befehl verweigert auf demonstrierende Mönche schießen zu lassen und sei übergelaufen. Der norwegische Freelancer Hans-Joachim Schilde hat den Oberst getroffen, der sich bei den Karen im Dschungel versteckt hält. Der Oberst bietet an, bei Erteilung des Asylstatus, umfassend über die Lage in Myanmar berichten.

    01.10/14:00: 700 Mönche und Nonnen, die im “InnSein GTI” inhaftiert sind, haben laut Burmanews einen Hungerstreik gestartet.

    • Auch heute gibt es mehreren burmesischen Städten wieder Demonstrationen mit tausenden Teilnehmern. Die Militärs sind dazu übergegangen Zivilisten systematisch nach Kameras und Handys zu durchsuchen. Quelle
    • Der UN-Sondergesandte Gambari besucht heute laut Mizzima News die Städte Muse und Lashio im ostburmesichen Shan-Staat.
    • Channel NewsAsia berichtet heute von einer deutlichen Entspannung der Lage in Yangon. So sollen die meisten Schulen und Geschäfte zum ersten mal seit Beginn der Unruhen am Mittwoch wieder geöffnet sein. Auch der Busverkehr, der wegen der Strassensperren ausgesetzt wurde, soll wieder aufgenommen worden sein. Der Zugang zu den heiligen Pagoden von Shwedagon und Sule soll Buddhisten wieder ermöglicht sein.

    30.09/18:35: Der schwedische Myanmar-Experte Bertil Lintner ist der Ansicht, die Tatsache, dass keiner der obersten Mitglieder der Militärjunta den UN-Sondergesandten Gambari gesprochen hat, müsse nicht unbedingt auf einen Machtkampf innerhalb des Regimes hindeuten, sondern könne auch schlicht ein Zeichen der Ignoranz der Junta sein. Eine Demütigung wie diese, passe, so Lintner, ins Bild. “[Myanmars] Regime zeigt seine äußerste Geringschätzung der internationalen Meinung”. Quelle

    Gerüchten zufolge, wurden die beiden Befehlshaber, die sich in Mandalay geweigert hatten, gegen Mönche Gewalt anzuwenden, vom Dienst suspendiert. Quelle

    30.09/17:40: An dieser Stelle möchte ich auch auf die Online-Petition der AVAAZ hinweisen, die bis jetzt bereits von 245.800 Menschen unterschrieben wurde.

    30.09/16:55:

    Der Karikaturist Stephane Peray hat die Rolle der UN recht gut erkannt

    30.09/15:00: Eine Liste mit Unternehmen (via), die Geschäfte mit der Militärjunta machen, ist auf den Seiten der “Burma Campaign UK” zu finden.

    Es ist allerdings zu bedenken, dass die Konkurrenz, der dort genannten Unternehmen ebenfalls oft ihre eigenen “Hurensöhne” hat, mit denen sie Geschäfte macht und die Praxis westlicher Konzerne, mit Ländern, die Menschenrechte mit Füßen treten, Geschäfte zu machen, geht weit über Myanmar hinaus. Auch finde ich es bedenklich, dass dort Tourismusunternehmen aufgeführt sind. Ein nachhaltiger Tourismus, der die Situation im Reiseland auch offen anspricht, ist sicher förderlicher, als eine komplette Isolation.

    30.09./14.35: Der UN-Sondergesandte Gamabri hat sich laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters noch nicht mit dem Staatschef General Than Swe getroffen. Bei seinem gestrigen Aufenthalt in der isolierten Retorten-Hauptstadt Naypyitaw traf er sich mit dem Premierminister Thein Sein – die Nummer 5 der Generalität – und zwei Ministern (auch Generäle). Das Schicksal der beiden höchsten Generäle bleibt damit unklar, genau so wie die Frage, wer momentan im Staat das Sagen hat.

    Einen sehr guten Hintergrundartikel über die chinesisch-burmesischen Beziehungen schrieb der Freelancer Larry Jagan im Juni in der Asia-Times.

    30.09/13:00: Heute hat sich der UN-Sondergesandte Gamabri mit der Friedensnobelpreisträgerin und Menschenrechtlerin Aung Sa Suu Kyi getroffen. Das Gespräch fand in der Nähe ihres Hauses statt, in dem sie – mit kurzen Unterbrechungen – seit 1989 unter Hausarrest gestellt ist. Quelle

    Derweil versuchen die Militärs – laut verschiedenen Quellen – Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. Der Blog Burma-Myanmar Genocide 2007 meldet, dass Leichen in einem Krematorium verbrannt werden.

    29.09/20:55: Eine Gruppe ehemaligen 8888-Studenten (Aufstand in Myanmar am 8.8.1988) hat der chinesischen Regierung ein Ultimatum gestellt. Wenn China nicht anfängt, sich bis zum 2. Oktober 09.00 EST aktiv gegen die Militärjunta in Myanmar zu stellen, und eine führende Rolle in der internationalen Gemeinschaft übernimmt, werden die Studenten eine Kampagne starten, in der sie zum Boykott der Olympischen Spiele 2008 in Peking und zum Boykott sämtlicher chinesischer Produkte aufrufen. Dafür haben die Aktivisten schon einmal zwei Banner erstellt:

    Eine gute Idee – wie ich finde. Dies scheint der einzige Weg, China und die westlichen Konzerne, die mit der Junta blendende Geschäfte machen, zum Einlenken zu bewegen.

    29.09/20:00: An dieser Stelle möchte ich alle Blogger und Nicht-Blogger noch einmal eindringlich auf die Free Burma! Wiki hinweisen, die über die gleichnamige Blog-Aktion am 4. Oktober informiert.

    29.09/19:40: DiePresse.com beleuchtet im Artikel “China und Indien schielen auf Burmas Öl- und Gasfelder “die wirtschaftspolitischen Hintergründe rund um die burmesischen Energiereserven.

    29.09/18:20: Kommentar: Auch Harald Neuber macht sich auf Telepolis Gedanken darüber, wie sich die internationale Politik in der Myanmar-Frage verhalten kann. Das entmutigende Fazit ist: Der Westen kann eigentlich gar nichts machen, was in einer realistischen Art und Weise helfen könnte. Daher bleibt die Hoffnung an China hängen – eine Hoffnung die sehr vage ist. China kann kein Interesse an einer Demokratisierung Myanmars haben und verfolgt eigene globalstrategische Wege. Die Hoffnung der Demonstranten in Myanmar stützt sich derweil nahezu vollkommen auf den UN-Sondergesandten. Auch dies ist eine trügerische Hoffnung, hat er doch keine Mittel in der Hand, Änderungen herbeizuführen. So sind die Demonstranten in Myanmar wohl auf das Placet aus Beijing angewiesen – eine groteske und aussichtslose Situation.

    29.09/17:35: “The Irrawaddy”, eine regimekritische Internetseite, die vom thailändischen Chiang Mai aus betrieben wird, behauptet, seine Internetseiten wären durch einen eingeschleusten schadhaften Code mit einem Trojaner infiziert wurden. Ziel sei eine Erhöhung des Transfervolumens und die, damit verbundene, Abschaltung der Seite. Die Seite war seit gestern Nacht (MESZ) sehr schlecht zu erreichen. Mittlerweile wurde der Verkehr auf einen anderen Server umgelegt.

    29.09/17:25:The Irrawaddy” meldet:

    • Laut burmesischen Oppositionsgruppen sind seit Beginn der Demonstrationen 200 Menschen von Regierungstruppen getötet wurden und es mehrere hundert Verletzte auf seiten der Regimegegner gab. Viele Leichname wurden zu geheimen Stellen gebracht.
    • Schäden an gestürmten Klöstern werden derweil schnell behoben.
    • Alleine in Yangon wurden 1.000 Mönche in Haft genommen. Sie mußten ihre roten Roben gegen Gefängniskleidung eintauschen.
    • Einige Mönche wurden in einem Schnellverfahren zu sechs Jahren Haft verurteilt.
    • Die Preise für Grundlebensmittel steigen stündlich. Einige Lebensmittelhändler berichten, dass die Reisvorräte zu Ende gehen.

    29.09/14:40: “Mizzima News” meldet, dass das Unternehmen “Htoo Trading Company”, das dem berüchtigten Waffenhändler, Holzexporteur und burmesischen Tycoon Tay Zaa gehört, geschlossen wurde. Den Angestellten wurden zwei Monatsgehälter ausgezahlt und ihnen wurde gesagt, sie sollten sich erst im November wieder melden. Dies könnte ein Zeichen für einen Wechsel in der Machtstruktur in der Militärjunta sein. Tay Zaa ist ein guter Amigo und der Schwiegersohn des Machthabers Than Swe – mit der Nummer 2 – General Maung Aye – verbindet ihn indes eine tiefe Feindschaft.

    29.09/14:10: Laut Agenturmeldungen hatten hunderte Demonstranten versucht, zum Trader-Hotel in Yangon vorzudringen, da sie dort den UN-Sondergesandten erwarteten. Sie kamen allerdings an den massiven Sperren des Militärs nicht vorbei. Mindestens 40 Demonstranten wurden auf Lastwagen abtransportiert.

    29.09/13:55: Über 30 Mönche, die am Donnerstag verhaftet wurden, haben laut Quellen vor Ort im Bamaw-Gefängnis einen Hungerstreik gestartet. Quelle

    29.09/13:35: Wie Channel NewsAsia meldet ist der UN-Sonderbeauftragte Gambari in Myanmar eingetroffen. Er soll von Yangon direkt in die neue Hauptstadt Naypyidaw gebracht werden, um sich dort mit Mitgliedern der Militärjunta zu treffen. Dies ist ein herber Schlag für die Regimegegner. Die neue Hauptstadt ist eine schwer gesicherte Retortenstadt, in der fast nur Militärs und Regierungsbeamte leben. Ein Kontakt zur normalen Bevölkerung oder zu Vertretern der Demonstrationen ist dort unmöglich.

    29.09/13:05: Offensichtlich ist die Militärjunta in zwei konkurrierende Teile zerfallen. Einige Generäle und Minister sind auf der Seite des (alten) Machthabers, General Than Shwe und Teile der Generalität stehen auf der Seite der (alten) Nummer 2, General Maung Aye. Dieser hat seinen Truppen den Befehl erteilt, auf Plünderer zu schiessen.

    29.09/11:40: Heute erwartet das burmesische Regime den UN-Sondergesandten Gambari, auf den alle Hoffnungen der Demonstranten lasten. Aufgrund dieses Besuches, gehen die Demonstranten davon aus, dass die Militärs heute keinen Schießbefehl erteilt haben – dies wird auch von mehreren regimenahen Quellen bestätigt.

    • In der Nähe des Trader-Hotel in Yangon, in dem der UN-Sondergesandte untergebracht werden soll, lässt das Regime Gegendemonstranten auflaufen, um die Lage zu verschleiern.
    • Der Blogger Ko Htike hat hingegen erfahren, dass der Gesandte in die neue Hauptstadt Naypyitaw gebracht werden soll – dies ein isolierter Hochsicherheitsbezirk, in dem er keinen Kontakt zum normalen Volk hätte. Diese Meldung lässt sich allerdings nicht verifizieren und widerspricht anderen Quelle.
    • Trotz der äußersten Brutalität der Einsatzkräfte am gestrigen Tag, sind in Yangon wieder viele Menschen auf den Strassen – es sind allerdings wesentlich weniger als an den Tagen zuvor. Das Bild der Proteste hat sich indes gewandelt. Buddhistische Mönche sind kaum noch zu sehen – diese wurden festgenommen, verschleppt oder werden in ihren Klöstern festgehalten.
    • In Mandalay patroulieren Militärhelikopter.
    • Die Internetaktivisten von burmanews.cbox berichten von einem Aufruf zum Generalstreik, der ab kommenden Montag beginnen soll.
    • Die Gerüchte, dass Staatschef Than Shwe durch seinen zweiten Mann Maung Aye gestürzt wurde, halten sich weiterhin hartnäckig. Quelle

    28.09/21:15: In einem Interview mit DiePresse.com berichtet Benno Röggla, der Chef von “Helfen ohne Grenzen”, dass nach seinen Informationen im Norden Yangons Regierungstruppen gegeneinander kämpfen. Außerdem sollen Einheiten der bisher regierungstreuen “Democratic Karen Buddhist Army” sich gegen das Regime gestellt haben und bereit sein, die Mönche in Yangon mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.

    28.09/20.15: Die Nr. 2 im burmesischen Militär, General Maung Aye, soll gegen die Nr.1 General Than Shwe geputscht haben. Seine Truppen sollen die Bürgerrechtlerin Aung San Suu Kyi bewachen. Ein Gespräch zwischen ihr und Maung Aye wird erwartet. Quelle

    28.09/20.05: Laut der Organisation “Helfen ohne Grenzen” hat die 66. Division in Yangon die Seiten gewechselt und kämpft nun gegen die Regierungstruppen. Quelle

    28.09/19.20: Die burmesische Bloggerin Moe Moe, die momentan in Berkley studiert, fasst in Ihrem Blog die Ereignisse des heutigen Tages zusammen (Übersetzung: Spiegelfechter):

    • Das Stadtzentrum von Yangon ist nahezu komplett abgeriegelt. Die Demonstranten liefern sich ein Versteckspiel mit den Soldaten – sie protestieren und wenn die Soldaten bereit sind, das Feuer zu eröffnen und schießen, rennen sie um ihr Leben.
    • Die aufgebrachten Demonstranten skandieren nun, das Militäregime müsse zurücktreten. (Bislang forderten sie lediglich friedliche Gespräche, aber die Soldaten haben einen Schiessbefehl)
    • Die Soldaten, die Spezialpolizeitruppe “Swann Arr Shin” (Zivilpolizisten) und Verbrecher, die frisch aus den Gefängnissen kommen (ihnen wurde Straferlass gewährt, wenn sie unschuldige Demonstranten verletzen) schlagen – laut Berichten – Menschen mit Knüppeln zu Tode (sie versuchen lautlos zu morden). So versuchen sie die Zahl der hörbaren Schüsse zu reduzieren.
    • Augenzeugen berichten, dass einige Hotels von Soldaten und der Polizei gestürmt wurden und die Laptops und Kameras der Gäste nach Aufnahmen von den jüngsten Ereignissen durchsucht wurden. Ich bin nicht sicher, ob etwas konfiziert wurde.
    • Die Klöster sind schwer bewacht. Einige leere Klöster, deren Mönche bereits verhaftet oder abtransportiert wurden, werden von den Soldaten als Basis genutzt.
    • Als die Klöster gestürmt wurden, wurden die jungen Novizen verprügelt – aber nicht so schwer, wie die älteren Mönche. Diese wurden schwerstens verletzt und einige leitende Mönche wurden – laut Berichten – umgebracht.
    • Es wird berichtet, dass einige Studenten der Medizinhochschule, die vor den Kugeln davonrannten, von Armeelastwagen überfahren wurden. (Dies wird offensichtlich in South Okkalapa ebenfalls gemacht)
    • In South Okkapala wurden die Ausgangssperren geändert – von 21.00 bis 6.00 auf 18.00 bis 6.00, da die Mengen dort nicht nachgeben wollen.
    • Maung Aye (die Nr. 2 in der Armee) und seine Anhänger sollen sich mit Than Shwe (die Nr.1 in der Armee) überworfen haben. (Ich schätze sie werden sich gegenseitig umbringen oder beide von einem anderen General umgebracht werden)
    • Die Armee geht wieder zu der Taktik über, Strassen abzusperren und die Demonstranten so einzukesseln und dann entweder das Feuer zu eröffnen oder sie zu überrennen.
    • Mir wurde berichtet, dass die Demonstrantenmassen mittlerweile wutentbrannt sind und sich in der Nähe von Sule mit Stöcken und Steinen bewaffnet haben und die Zivilpolizisten der “Swann Arr Shin” herausfordern. Ich weiß nicht, wie viele von ihnen noch leben.
    • Die WHO wollte medizinische Hilfsmittel zur Verfügung stellen, was von der Regierung zurückgewiesen wurde. “Mizzima” [eine exilburmesische Zeitung] rief beim General Hospital an, aber diese hängten auf ohne zu antworten. Es wird berichtet, dass die Pforten des Krankenhauses geschlossen sind.
    • Der einzige Internet-Provider in Burma hat seinen Dienst eingestellt (Bagan net – das Tay Za gehört, einem guten Freund der Generäle und Geschäftsführer von Htoo Trading, und – laut Berichten – ein Waffenhändler, neben anderen Geschäften, verheiratet mit einer von Than Shwes Töchtern)
    • Die Familienmitglieder von Than Shwe sind – laut Meldungen – nach Laos geflohen. Viele Burmesen, die in Singapur leben, schrieben mir, dass einigen Familienmitglieder von Than Shwe in Singapur eingetroffen sind.
    • Es gibt keine offiziellen Zahlen darüber, wie viele Menschen heute umgebracht wurden. Ein Augenzeuge sagten im Radio, er hätte zwei Leichnahme in den Strassenrinnen vor der State High School 3 Tar Mway gesehen.
    • Augenzeugen im ganzen Land berichten, dass die Todeszahlen am heutigen Tag bis hetzt bereits in die Hunderte gehen, da die Soldaten und Spezialpolzeieinheiten mit äußerter Brutalität vorgehen.
    • Die Armee erklärte, dass die Zahl der getöteten Mönche 9 betrage – was wahrscheinlich eine Lüge ist.
    • Die leichten Divisionen 66 und 77 kontrollieren Yangon, während viele andere Divisionen hinzugezogen werden.
    • Zivilbedienstete wurden heute aufgefordert zur Arbeit zu gehen – obwohl alles drunter und drüber geht.
    • Channel News Asia strahlte eine Dokumentation aus (“The Saffron robes revolution”). Überraschenderweise wurden einige junge Burmesen interviewt, die Kinder von Ex-Generälen sind. Sie stehen auf der Seite des Volkes – was eine gute Sache ist.

    Diese schreckliche Bild zeigt die Hirnmasse eines Jugendlichen, der von Soldaten mit eisernen Schlagstöcken derart malträtiert wurde, dass sein Kopf platzte (Vorsicht! Das Bild ist nichts für schwache Gemüter). Quelle

    28.09/15.05: Laut Burmanews.CBOX wollen sich auch die Kadetten der burmesischen “Defense Service Academy” den Demonstranten in Mandalay anschliessen. Vorher wurden ihre Waffen konfisziert.

    Auch der Spreeblick hat einen empfehlenswerten Artikel zum Thema “Myanmar/Burma/Birma” verfasst, in dem auch interessante weiterführende Links aufgeführt sind.

    Lupe hat eine unterstützenswerte Aktion ins Leben gerufen: “Blogger für Burma” – der SPIEGELFECHTER schließt sich dem gerne solidarisch an.

    28.09/14.20: Wie Burmanews.CBOX meldet, haben Anhänger der burmesische Militärregierung in Teilen Yangons Bürger unter Gewaltandrohung gezwungen, an “Gegendemonstrationen” teilzunehmen. Ziel dieser Aktion ist es, dem UN-Bevollmächtigten Gambari vorzugaukeln, bei den Demonstrationen handele es sich in der Mehrzahl um “Gegen-Demonstrationen”.

    Der Ticker wurde aufgrund der Übersichtlichkeit vom eigentlich Beitrag “Myanmar an der Schwelle zum Bürgerkrieg? getrennt.

    Jens Berger

    133 Kommentare

    Myanmar an der Schwelle zum Bürgerkrieg?

    geschrieben am 28. September 2007 von Jens Berger

    Nachdem in den letzten Tagen Bilder (hier oder hier) von niedergeschlagenen Demonstranten und Massenunruhen das abgeriegelte Land Myanmar auf dem ?Online-Weg? verlassen konnten, hat die burmesische Militärjunta heute Vormittag (Ortszeit) die Internetverbindungen der staatlichen Provider gekappt. Informationen dringen nun nur noch über Telefon und langsame Einwahlverbindungen über ausländische Provider nach draußen ? was die Übersendung von Bildmaterial massiv erschwert. Einige populäre burmesische Blogs konnten so durch die burmesische Junta bereits ?stillgelegt? werden. Nichtsdestotrotz gelangen weiterhin brisante Informationen über Netzaktivisten nach draußen.

    Diese Informationen sind spektakulär und deuten auf eine massive Verschärfung des Konfliktes hin. Morgen wird Ibrahim Gambari, der Sondergesandte der UN, nach einer Intervention des Staates Singapur, in Myanmar eintreffen und mit den Generälen einen ?konstruktiven Dialog? über eine Lösung des Konfliktes anstreben. Die Strategie der burmesischen Junta war in solchen Fällen in der Vergangenheit meist eine Blockadehaltung. Es wurde bestritten, dass es überhaupt Proteste gäbe und da laut burmesischer Version kein Problem existierte, könne man auch nicht konstruktiv darüber sprechen.

    Dadurch entsteht in Yangon eine angespannte Lage ? die Demonstranten wollen den Eindruck massiver Aufstände vermitteln, um die UN unter Druck zu setzten. Aus Online-Quellen wird berichtet, das Ziel der Demonstranten sei es, zu einem Gespräch mit Gambari vorgelassen zu werden. Das burmesische Militär wiederrum, hat als Ziel Demonstrationen für den Zeitraum des UN-Besuches möglichst niederzuschlagen und zu verhindern.

    In Yangon hat sich dadurch die Lage angespannt. Laut lokalen Quellen gibt es momentan mehrere große Demonstrationszüge, die durch die Stadt ziehen. Auch wird aus Yangon immer wieder von Schüssen und brutalen Übergriffen der Militärs berichtet. Ein Augenzeuge spricht von ?Pools of blood?, die nach einem Einsatz mit eisernen Schlagstöcken die Straßen überziehen

    Für Spekulationen sorgen momentan Bilder von besonders brutal vorgehenden Sicherheitskräften, die, entgegen der normalen Praxis, keine Stiefel, sondern “Badelatschen” tragen – auch der Mörder des japanischen Photographen hatte dieses Outfit. Burmesische Blogger gehen davon aus, dass es sich dabei nicht um reguläre Streitkräfte handelt, sondern um Kriminelle, die vom Militär mit Waffen und Drogen “gekauft wurden”, um gegen Demonstranten vorzugehen.

    Im zentralburmesischen Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, hat sich der Befehlshaber der 33. Armee-Division, General Tin Htun Aung, geweigert, seine Soldaten auf Mönche schießen zu lassen. Anstatt dessen sollen die Soldaten weinend vor den Mönchen niedergekniet seien und sich dann zurückgezogen haben. Mittlerweile haben sich viele Soldaten den Protesten angeschlossen. Die Junta schickte daraufhin die 99. Armee-Division aus, um gegen die 33. Armee-Division vorzugehen. Andere Quellen berichten von Fallschirmjägern, die nahe Mandalay abgesetzt werden sollen.

    Aus Zentralburma sollen Soldaten den Marsch auf Yangon angetreten haben. Derweil ist es allerdings unklar, ob diese Truppen die lokalen Verbände in Yangon verstärken, oder gegen sie vorgehen sollen. Myanmar könnte an der Schwelle eines Bürgerkrieges stehen.

    Die Updates sind in den “Ticker” gewandert.Jens Berger

    80 Kommentare

    The Country formerly known as Burma

    geschrieben am 27. September 2007 von Jens Berger

    Bushs Job, die UN auf einen Konfrontationskurs mit Iran vorzubereiten, durften dieses Jahr seine neuen europäischen Pudel, Merkel und Sar-ko-zee, übernehmen. “His Madness himself” nahm sich der Menschenrechtslage und der Demokratie in Myanmar an. Und wenn der Fürst der Dunkelheit die Worte “Freiheit” und “Demokratie” in den Mund nimmt, muss die Welt zittern … im Falle Myanmars ist dies nicht nötig, da der Westen es bei Schaumschlägereien belassen wird.

    Wenn USA und EU Myanmar mit Sanktionen drohen, so ist dies für die dortige Militärjunta in etwa so bedrohlich, wie ein Strafzoll auf burmesische Exporte, verhängt von der zentralafrikanischen Union. Myanmar hat fast keine Wirtschaftsbeziehungen zum Westen und wird seit 2003 von den USA massiv sanktioniert. Seitens der EU bestehen seit 1996 weitreichende Sanktionen, die zuletzt 2004 verschärft wurden. Mit was will der Westen eigentlich drohen?

    Wichtige Partner für Myanmar sind Thailand, Indien und Malaysia (Petronas wünscht Zugang zu den burmesischen Erdgasvorkommen) und vor allem China. Myanmar hat 283 Mrd. Kubikmeter nachgewiesene Erdgasvorkommen – das ist in etwa so viel, wie Deutschland.

    Den kostspieligen Umzug der Hauptstadt ins gesicherte Pyinmana Naypyidaw hat China nahezu komplett aus eigener Tasche bezahlt – eine Tatsache, die den westlichen Medien unbekannt ist, SPON nennt beispielsweise Rangun immer noch “Hauptstadt”. Auch, dass Rangun eigentlich Yangon heißt, wird vom SPIEGEL geflissentlich ignoriert. Dafür verwendet der SPIEGEL seit heute anstatt des offiziellen Landesnamens “Myanmar” den alten Kolonialnamen “Burma” (das CIA-World Factbook benutzt ebenfalls diesen Namen) – es bleibt abzuwarten, wann Zimbabwe wieder Rhodesien genannt und Thabo Mbeki als “Hottentotte” bezeichnet wird.

    Myanmar ist ein wichtiger Handelspartner für Holz und ein idealer Standort für einen Hafen, der über Pipelines die chinesische Provinz Yunnan mit dem Saft des Lebens versorgen kann. Das komplette Grenzgebiet zu China soll mittlerweile abgerodet sein – alleine 2005 betrugen die Holzexporte 350 Mio. US$ (und dies sind nur die offiziellen Exporte, ein gigantischer Raubbau mit illegalen Exporten kommt noch hinzu). Offizielle Zahlen über Myanmars Hauptexportgut – Drogen – sind freilich nicht zu bekommen. Myanmar ist der größte Opiumproduzent des “Goldenen Dreiecks” und wird international nur vom Weltmarktführer Afghanistan getoppt.

    Wenn Bush und Merkel wirklich etwas für die unterdrückten Menschen in Myanmar tuen wollten, so würden sie China auffordern, die Unterstützung für die burmesische Militärjunta einzustellen. Als Druckmittel käme beispielsweise die Drohung, amerikanische und deutsche Sportler nicht bei den Olympischen Spielen in Peking starten zu lassen, in Frage. Würden Bush und Merkel das tun? Nein, ganz sicher nicht – daher ist das Geheuchel über die unterdrückten Burmesen auch nur schwer zu ertragen.

    Man kann den unterdrückten Menschen in Myanmar nur die Daumen drücken, dass sie es schaffen, die blutige Militärjunta zu vertreiben. Auf Unterstützung dürfen sie allerdings nicht zählen – der Westen ist ein zahnloser Papiertiger, die Nachbarn haben ein ökonomisch-strategisches Interesse an der Fortführung der Militärdiktatur und für China wäre ein buddhistischer Staat an der Südflanke, der sich von seinem oppressiven Regime befreit hat, eine Katastrophe, so daß China sicherlich keine Probleme mit einem gigantischen “neuen Tiananmen” hätte. Armes Myanmar.

    Hintergrundinformationen:
    Harald Neuber: Blasse Farbrevolution in Myanmar
    Brian McCartan: Monks in the vanguard for regime change
    Richard Ehrlich and Shawn W Crispin: The man behind the madness
    Economics at the root of protests
    Brian McCartan: Moment of truth for Myanmar’s military
    Pepe Escobar: Buddha vs. the barrel of a gun

    Die geeigneten Informationsportale zum Konflikt in Myanmar hat BloggingTom zusammengestellt. (via)

    Jens Berger

    Bildnachweis: Ko-Htike, The Irrawaddy

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