Kommt die Rechtspartei?
geschrieben am 04. August 2010 von Spiegelfechter
Die schwache Performance der schwarz-gelben Regierung hat ein Vakuum rechts der Union entstehen lassen. Droht dem Land nun ein Sechsparteien-System?
„Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“ – früher galt diese Kampfansage von Franz Josef Strauß als impliziter Positionierungsleitfaden der Union. Je stärker der rechte Rand in den Umfragen gehandelt wurde, desto stärker positionierte sich die Union rechts der Mitte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Wahrscheinlich ist es einzig und alleine dem desaströsen Zustand der Parteien am rechten Rand zu verdanken, dass es auch heute noch keine halbwegs ernstzunehmende Partei rechts von der Union gibt. Dieser Zustand droht sich jedoch nun durch die Schwäche der Union zu ändern. Die Frage ist nicht mehr, ob eine Rechtspartei kommt, sondern eher, wann und in welcher Form sie kommt.
Das Vakuum rechts der Union
Nach heutigen Vorstellungen wäre Strauß ein waschechter Rechtspopulist und die CSU der 80er Jahre eine rechtskonservative Partei. Somit hätte die Positionsbestimmung des Bayern prinzipiell auch heute noch Geltung. Die Union von heute ist aber eine vollkommen andere Partei als vor 30 Jahren. Friedrich Merz und Roland Koch haben der aktiven Politik den Rücken gekehrt, man meidet Programmdebatten wie der Teufel das Weihwasser, mutiert zumindest auf Bundesebene zum Kanzlerinnen-Wahlverein und wird dafür in den Umfragen von den ehemaligen Wählen abgestraft. Die heutige Union ist eine neoliberal gesprenkelte Partei der Mitte, die nur noch selten konservative Ecken und Kanten in den eigenen Reihen duldet. Doch in der Mitte ist es eng.
Bei anhaltend schlechter politischer Großwetterlage verliert die Union die Stimmen der Mitte an die Konkurrenz, ohne gleichzeitig die konservative Stammklientel abrufen zu können. Die Hälfte der Unionswähler, die ihrer Partei in den aktuellen Umfragen nicht mehr die Stimme geben würden, sind ins Lager der Nichtwähler abgewandert. Eher verdorrt einem kleinbürgerlichen Konservativen die Hand, als dass er sein Kreuz bei der SPD oder gar den Grünen macht. Für die Union ist dies eine sehr unangenehme Situation: Tendiert sie ins konservative Lager, um die Stammklientel wieder einzufangen, könnte sie womöglich die Mitte an die Konkurrenz verlieren, bleibt sie jedoch auf ihrem konturlosen Mitte-Kurs, würde sie ihre Stammklientel einer möglichen neuen Rechtspartei auf dem Silbertablett präsentieren.
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