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  • Wird der Sport zum Opfer des neuen Kalten Kriegs?

    geschrieben am 20. Juni 2016 von Jens Berger

    Russlands Leichtathleten dürfen nicht bei den in wenigen Wochen beginnenden Olympischen Spielen in Rio an den Start gehen. Es wird bereits spekuliert, ob die Sperre auf sämtliche russischen Olympioniken ausgeweitet wird. Schuld daran ist, dass die russische Anti-Doping-Agentur von der Welt-Anti-Doping-Agentur für „nicht konform“ mit dem aktuellen Welt-Anti-Doping-Regelwerk erklärt wurde. Das ist ein ernster Vorgang … jedoch sind zum jetzigen Zeitpunkt auch Spanien, Mexiko und Kenia auf der schwarzen Liste der „nicht konformen“ Staaten. Warum wird nur Russland gesperrt? Eine ähnliche Frage tut sich im Umfeld der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich auf. Dort sind Hooligans aus England, Deutschland, Kroatien, Russland und Frankreich selbst negativ in Erscheinung getreten – einen „Ausschluss auf Bewährung“ bekam indes nur Russland. Deutsche Politiker fordern derweil bereits, Russland die Austragung der Weltmeisterschaft 2018 wieder wegzunehmen. Mit Sport hat das Ganze nichts mehr zu tun. Der Kalte Krieg ist wieder da und der Sport ist eines seiner ersten Opfer.

    Es hat schon etwas groteskes. Da suspendiert der britische Lord Sebastian Coe den russischen Leichtathletikverband, da die Russen es nicht geschafft haben, ihr Anti-Doping-System gemäß der internationalen Vorgaben in Ordnung zu bringen. Derweil wird der Amtsvorgänger ihrer Sportlordschaft mit einem Haftbefehl von Interpol weltweit gesucht – er hatte Kraft seines Amtes unter anderem dafür gesorgt, dass die Dopingproben tausender Leichtathleten – darunter zahlreicher Russen – nicht kontrolliert wurden und sich dafür fürstlich bezahlen lassen. Die Spatzen pfeifen es bereits von den Dächern, dass auch Lord Coe zumindest ein „Mitwisser“, wenn nicht gar ein „Mittäter“ war. Die Erfahrung lehrt in solchen Fällen, dass es stets am Besten ist, die Flucht nach vorne anzutreten und „Haltet den Dieb, er hat mein Messer in seinem Rücken“ zu rufen. Auch wenn die Russen in diesem Doping-Skandal ganz sicher keine unschuldigen Opfer sind: Es hat schon mehr als ein G´schmäckle, wenn ihre Mittäter sich nun als die Wortführer der Anklage inszenieren.

    Russland ist kein Einzelfall

    Russland steht – nach Aktenlage auch vollkommen zu Recht – auf der Liste der Staaten, die sich nicht konform zum Welt-Anti-Doping-Regelwerk der WADA verhalten und damit laut Sportgesetzbarkeit als Höchststrafe vom IOC von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden können. Ob ein solcher Ausschluss erfolgt, liegt somit in den Händen des IOC. Auf der schwarzen Liste der WADA stehen jedoch auch Kenia, Spanien und Mexiko. Polen steht auf der Beobachtungsliste, Belgien, Griechenland, Brasilien, Frankreich, Israel, Argentinien, die Ukraine, Andora und Bolivien haben die WADA in „bilateralen Verhandlungen“ überzeugen können, wieder von der schwarzen Liste gestrichen zu werden. Russland ist kein Einzelfall, auch wenn die russische Doping-Praxis – sollten sich alle Vorwürfe als korrekt erweisen – schon besonders dreist ist; aber das ist die Doping-Praxis von Ländern wie Kenia zweifelsohne auch.

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    97 Kommentare

    Wird der Spiegelfechter demnächst zwangsweise dicht gemacht?

    geschrieben am 20. Juni 2016 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    The Opte ProjectZiemlich provokante Frage, zugegeben. Denn warum sollte jemand ein Interesse daran haben, unseren Blog zu schließen? Und ich meine nicht die Trolle, denen wir schon seit einer gefühlten Ewigkeit ein Dorn im Auge sind. Hinzu kommt, dass Trollerei doch gar keinen Spaß macht, wenn es die verhasste Seite nicht mehr gibt.
    Also noch mal die Frage, wer sollte unseren Blog dicht machen wollen?

    Monika Hohlmeier vielleicht. Die Frau von der CSU sitzt im EU-Parlament und kämpft gerade wie eine Löwin für Netzsperren. Alles für die gute Sache, versteht sich, also für die – natürlich! – Terrorbekämpfung. In Zukunft sollen Seiten, die „öffentlich zur Begehung terroristischer Straftaten auffordern“, gesperrt werden können. Das klingt ja durchaus vernünftig, denn so etwas geht natürlich gar nicht!
    Andererseits: Wäre ich ein Terrorist (alles im Konjunktiv, liebe neugierige Mitleser, alles im Konjunktiv!), läge mir wohl mehr daran, meinen Plan eines Anschlages erfolgreich umzusetzen, statt ihn großkotzig auf meiner Website anzukündigen und womöglich für Nachfragen auf das Kontaktformular oder mein Impressum zu verweisen. Den Artikel weiterlesen »

    9 Kommentare

    30 Prozent oder mehr: Ist die SPD gerettet?

    geschrieben am 19. Juni 2016 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

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    52 Kommentare

    Je suis heuchlerisch … warum zählen für uns nur „unsere“ Toten?

    geschrieben am 16. Juni 2016 von Jens Berger

    Wenige Tage nach dem fürchterlichen Anschlag von Orlando, bei dem 49 Clubgänger aus der LGBT-Szene erschossen wurden, ist die Solidaritätswelle in den Medien und sozialen Netzwerken mal wieder auf ihrem Höhepunkt. Der Eiffelturm erstrahlt in den Regenbogenfarben der LGBT-Community, auf Facebook wird man von Profilfotos erschlagen, die von eben diesen Farben überdeckt werden. Vor wenigen Monaten wurde nach den Anschlägen von Paris das One World Trade Center in den französischen Nationalfarben illuminiert, die auch damals „unsere“ Facebook-Profile überdeckten, genau so wie der „Je suis Charlie“-Schriftzug im Jahr zuvor. Nein, was sind wir doch solidarisch! Komischerweise sind wir jedoch immer nur dann solidarisch, wenn die Opfer aus unserem Kulturkreis kommen. Opfer aus Afrika und Asien sind uns offenbar herzlich egal; vor allem dann, wenn ihre Mörder unsere gewählten Politiker sind. Wir sind nicht die Weltmeister der Solidarität, sondern die Weltmeister im Heucheln.

    Am 7. Januar begann das Jahr mit einem Terroranschlag in der lybischen Kleinstadt Zliten. Islamisten zündeten eine Autobombe, die mindestens 60 Menschen tötete und mehr als 200 Menschen verstümmelte. Hat irgendwer von uns damals sein Facebook-Profilbild mit der lybischen Flagge überdeckt? Wenige Monate zuvor stürmten Terroristen im Norden Kenias eine Schule und töteten dabei mehr als 147 Schüler. Offenbar suchten die Täter dabei vor allem Christen aus. Zeigte damals irgendwer ein Kreuz zum Zeichen der Solidarität mit den Opfern? Am 25. Januar dieses Jahres zündeten Selbstmordattentäter eine Bombe auf einem belebten Markt in Bodo, Kamerun. 32 Menschen starben. Unseren Nachrichten war dies noch nicht einmal eine Meldung wert. Auch das Massaker am nigerianischen Dorf Dalori, bei dem mindestens 86 Menschen starben und der Selbstmordanschlag zweiter nigerianischer Terroristinnen in Dikwa (wenige Tage später, 60 Todesopfer), kamen in unseren Nachrichten gar nicht erst vor. Einen ARD-Brennpunkt gab es auch nicht, als am 27. März dieses Jahres 72 Menschen, darunter 29 Kinder, starben, weil sich ein Selbstmordattentäter im pakistanischen Lahore am Eingang zu einem beliebten Park in die Luft gesprengt hat.

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    102 Kommentare

    Das Spiel dauert 90 Minuten – ein neues Gesetz 57 Sekunden

    geschrieben am 15. Juni 2016 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    800px-Autobahn_A9_Ausfart_48_800_m_from_southMorgen wird es wohl im Schatten des EM-Spiels von Deutschland gegen Polen zur Privatisierung des zukünftigen Autobahnbaus kommen. Jens Berger schrieb bereits gestern über die „Untreue im Kielwasser der Fußball-EM“. Wirklich überraschend ist das nicht, denn die Deutschen neigen von Haus aus nicht dazu, im Falle unliebsamer Gesetze alles stehen und liegen zu lassen und – bewaffnet mit Fahnen und Plakaten – auf die Straße zu gehen, um ihrer Empörung Luft zu machen. Wenn dann aber noch Bier und Chips dazukommen und ein spannender Kick live im Fernsehen übertragen wird, dann reduziert sich das Interesse um einen weiteren Faktor. Das klappt schon eine ganze Weile. Den Artikel weiterlesen »

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