Benzinpreise im Fokus
geschrieben am 08. April 2012 von Gastautor
ein Gastartikel von Thomas Trares
Der Benzinpreis ist heute das, was früher einmal der Brotpreis war; der Wohlstandsindikator schlechthin. Dies zeigt einmal mehr die aufgeregte Debatte, die die rekordhohen Spritpreise gerade ausgelöst haben. Während die Mineralölkonzerne mal wieder im Verdacht stehen, die Preise abzusprechen, empören sich die Politiker über die Preispolitik der Ölmultis. Die Bevölkerung hat derweil den Eindruck, dass die Politik nur wenig gegen die Konzerne ausrichten kann. Und vor allem mag sich manch einer fragen, was eigentlich das Kartellamt macht, das für solche Fälle zuständig ist.
Die Bonner Behörde hat sich in den vergangenen Jahren tatsächlich verstärkt mit der Mineralölwirtschaft beschäftigt und im Mai 2011 ihre Ergebnisse in einer sogenannten Sektoruntersuchung veröffentlicht. Darin stellten die Wettbewerbshüter fest, dass rund 65 Prozent des Kraftstoffabsatzes auf die „großen Fünf“ entfallen. Das sind BP (Aral), ConocoPhilipps (Jet), ExxonMobil (Esso), Shell und Total. Zudem sei das Oligopol in die Lage, die Preise an der Tankstelle nahezu einheitlich zu bewegen. Auch ein Ausbrechen aus dem Oligopol, etwa durch gezielte Preisunterbietungen, werde durch die vielfachen Verflechtungen der Mineralölkonzerne untereinander erschwert. Die Kartellbehörde hatte für die Untersuchung über drei Jahre hinweg mehr als 400 Tankstellen beobachtet.
Trotz dieses eindeutigen Befunds sind dem Kartellamt die Hände gebunden. Denn die Mineralölkonzerne verstoßen nicht gegen geltende Gesetze. Verboten sind nämlich nur konkrete Preisabsprachen, für die hat das Kartellamt aber keine Belege gefunden. Zwischen den Konzernen hat sich im Laufe der Zeit ein Verhaltensmuster herausgebildet, bei dem keine konkreten Absprachen mehr nötig sind. Kartellamtpräsident Andreas Mundt hat dies kürzlich so beschrieben: „In 90 Prozent der Fälle preschen Shell oder Aral mit einer Preiserhöhung vor – und exakt drei Stunden später folgt der andere. Die nächsten Anbieter erhöhen nach exakt fünf Stunden.“
Wenn Vertreter von Mineralölkonzernen in diesen Tagen in den Medien auftauchen, wollen sie die mehrmaligen und zum Teil heftigen, täglichen Preisschwankungen dem Bürger als Zeichen intensiven Wettbewerbs verkaufen. Tatsächlich dient das Preiswirrwarr an den Tankstellen aber dazu, den Kunden in die Irre zu führen. Der Autofahrer soll schlicht keine Vorstellung mehr davon haben, was gerade teuer und billig ist, ob die Preise gerade steigen oder fallen. Tankstellenmitarbeiter dürfen noch nicht einmal mehr am Telefon Auskunft daüber geben, wieviel das Benzin an ihrer Station gerade kostet. Gäbe es unter den Tankstellen tatsächlich scharfen Wettbewerb, so liefe derjenige, der zuerst die Preise erhöht, Gefahr, seine Kunden zu verlieren. Dies ist jedoch nicht der Fall. Der Preisführer kann darauf vertrauen, dass die Konkurrenten nachziehen.
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