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  • Hass und Fußball: Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen

    geschrieben am 24. April 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Nachdem bekannt wurde, dass der Dortmunder Mario Götze in der kommenden Saison beim FC Bayern München spielen wird, schlug ihm eine Welle des Hasses entgegen. Von den Großverdienern im Profi-Fußball wird Loyalität erwartet.

    „Ich bin enttäuscht“, „Schade, dass Du gehst“ – so gesittet ging es auf der Facebook-Seite von Mario Götze nur selten zu, nachdem klar war, dass das Nachwuchstalent von Borussia Dortmund zum Meister aus München wechselt. Als „Hurensohn“ wurde er beschimpft, ein „Judas“ sei er, der einfach nur „geldgeil“ sei. Viele Fans kündigten an, Götzes Trikot zu verbrennen und warnten ihn massiv davor, im Champions-League-Spiel gegen Real Madrid in Dortmund aufzulaufen. „Die letzten Spiele werden Dich quälen“ lautet die bedrohliche Botschaft der Fans. Diese Reaktionen dürften ganz im Sinne des FC Bayern München sein, der ebenfalls den Titel in der Champions-League holen will.
    Doch wieso eigentlich die Aufregung? Da wechselt doch nur ein junger Fußballer von einem Verein zum anderen. Einerseits. Andererseits hat dieser Sport für viele eine weit höhere Bedeutung als das Balltreten.

    Fußballspieler haben treu zu sein!

    Die Top-Spieler der Bundesliga verdienen mehr als manch Manager in einer hohen Position eines Unternehmens. Trotzdem wird man einen Managerwechsel an der Spitze einer Firma in aller Regel öffentlich kaum wahrnehmen. So ist das Geschäft nun einmal. Wenn allerdings ein Fußballspieler wie Mario Götze den Verein verlässt, hat das bei den Fans einen anderen Stellenwert. Erst recht, wenn der neue Verein Bayern München heißt, das wird nicht nur Manuel Neuer bestätigen können, der vor seinem Wechsel ähnliches wie Götze durchmachen musste. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen sind Fußballspieler Identifikationsfiguren, sie stehen für Leistung, Kampfgeist, Verlässlichkeit. Deshalb beklagt sich kaum ein Fan über unfassbare Summen, die im Profi-Fußball verdient werden. Zumindest nicht, solange es keine Abtrünnigen gibt. Aber wenn doch, dann werden sie humorlos. Den Artikel weiterlesen »

    36 Kommentare

    Berliner Wasser: Kontrollklagen, Organklagen, Wehklagen

    geschrieben am 23. April 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Die Auswirkungen der Privatisierung von Wasser sind in Berlin gut zu erkennen. Ein Grund mehr, die Wasserversorgung künftig nicht in die Hände privater Unternehmen zu legen.

    Als Berlin im Jahre 1999 durch CDU und SPD 49,9 Prozent der Wasserbetriebe verkaufte, hielt man das für eine ausgezeichnete Idee. Inzwischen steht längst fest, dass dem nicht so war. Das Drama einfach rückgängig zu machen, funktioniert jedoch nicht. Und die Opposition ist sich auch nicht einig.

    Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Böger war Überzeugungstäter, als die Berliner Wasserversorgung im Jahr 1999 neu geordnet wurde. Und so verstand er die Kritiker überhaupt nicht und warf ihnen vor, “ständig mit den vorhandenen Ängsten und Sorgen und Nöten von Menschen um Arbeitsplätze zu spielen”. CDU-Senator Elmar Pieroth setzte volles Vertrauen in die private Wirtschaft und sagte im Abgeordnetenhaus: „Lassen wir sie noch mehr unternehmerisch tätig werden, dann werden die Arbeitnehmer in den Wasserbetrieben durch sichere, neuartige und besser bezahlte Arbeitsplätze davon profitieren, aber auch andere, die in Berlin Arbeit suchen.“
    Gesagt, getan. Doch statt mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen, fielen nach der Teilprivatisierung zahlreiche Jobs weg. Was deutlich anstieg, waren der Gewinn der Wasserbetriebe und die Preise, die die Menschen für das Wasser zahlen mussten. Doch die Berliner mussten auch in ihre Portemonnaies greifen, weil die Landesregierung in Geheimverträgen Gewinngarantien für die Unternehmen vereinbart hatte. Und so verdienen die Konzerne RWE und das französische Unternehmen Veolia heute jedes Jahr dreistellige Millionenbeträge. Einfach nur, weil CDU und SPD damals einen Vertrag unterschrieben haben. Selbst das Landesverfassungsgericht konnte die Vertragsklauseln nicht kippen. Die Grünen, die LINKE und die Piraten wollten nun im April 2013 einen gemeinsamen Versuch unternehmen, eine Wendung herbeizuführen. Durch eine Organklage. Doch aus der Dreisamkeit ist eine einsame Piratenpartei geworden. Im wesentlichen, weil es an der Kommunikation scheiterte. Und weil die Piraten zu voreilig agierten.

    Teures Wasser

    Seit 1999 ist eine Menge passiert. Die Preise der Berliner Wasserbetriebe (BWB) haben sich um ein Drittel erhöht. Im Jahr 2010 forderte ein Volksentscheid erfolgreich die Offenlegung der Geheimverträge, die elf Jahre zuvor geschlossen worden waren. 2012 versuchte der Senat zurückzurudern und kaufte 24,95 Prozent von RWE zurück, weitere Rückkäufe sind in Planung. Im selben Jahr verfügte das Bundeskartellamt eine Preissenkung für Wasser. Die BWB klagten dagegen.
    Geändert hat sich dennoch nichts, die Wassertarife gelten weiterhin, die Gewinngarantien stehen noch immer wie in Stein gemeißelt. Der Versuch einer Klage gestaltet sich juristisch schwierig. Zudem arbeiten die Oppositionsparteien aneinander vorbei. Und CDU und SPD präsentieren sich vornehmlich als träge Blockierer, denen offenbar nicht viel daran liegt, die Sache zu klären. Den Artikel weiterlesen »

    88 Kommentare

    „SatirEck“ – Jetzt geht’s um die Wurst! Hoeneß will ganz viele verklagen

    geschrieben am 22. April 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Nur weil er ein paar Euro beiseite gelegt hat, hacken alle auf Uli Hoeneß rum. Doch der gibt sich kämpferisch und will die Opposition verklagen. Und nicht nur die.

    Uli Hoeneß ist sauer! Den ganzen Tag schon wird über ihn berichtet. Doch wer Hoeneß kennt, weiß, dass er so leicht nicht aufgibt. Erstmal will er die Medien verklagen. Die berichten nämlich viel mehr als nötig ist. Hoeneß will eine maximale Anzahl von 2 veröffentlichten Artikeln pro Tag erwirken und Einfluss auf die Inhalte nehmen. So dürfen die Themen Geld, Steuern, Würste, Steuern, Geld und Würste nicht mehr in den Medien behandelt werden. Doch der eigentliche Hauptschuldige ist ganz klar die Opposition.

    Reden mit Steinbrück

    Peer Steinbrück und den Genossen in der SPD weht ein kalter Wind aus München entgegen. Ein Sprecher von Hoeneß ließ mitteilen, dass das alles nicht passiert wäre, wenn die Opposition nicht das Steuerabkommen mit der Schweiz blockiert hätte. Jetzt will er die SPD verklagen. Aus SPD-Kreisen hieß es, dass man Verständnis für Hoeneß’ Reaktion habe. Man habe damals einfach vergessen, dass auch Unschuldige von dem Abkommen mit der Schweiz betroffen sein könnten. Die späte Einsicht nützt jetzt freilich auch nichts mehr, gell? Den Artikel weiterlesen »

    32 Kommentare

    Uli Hoeneß – der tiefe Fall des „Vater Teresa vom Tegernsee“

    geschrieben am 22. April 2013 von Jens Berger

    Uli Hoeneß gab sich stets redlich Mühe, sich selbst als moralisches Vorbild zu stilisieren. Durch tatkräftige Mithilfe der Medien avancierte er in den letzten Jahren zum integren Sprachrohr konservativer Politik. Spätestens seit den Steuerhinterziehungsvorwürfen von diesem Wochenende ist jedoch klar, dass der FC-Bayern-Boss und Wurstoligarch Hoeneß höchstens als Vorbild für konservative Doppelmoral taugt. Ob Hoeneß die Spiele des FC Bayern künftig hinter schwedischen Gardinen verfolgen muss, ist derzeit noch offen. Eine – vielleicht entscheidende – Frage wird von den Medien bislang noch nicht gestellt: Warum erhielt Hoeneß „um das Jahr 2000 herum“ ein Darlehen des damaligen Adidas-Chefs? 2002 beteiligte sich Adidas mit 10% am FC Bayern München. Es ist nicht auszuschließen, dass sich Hoeneß durch Annahme des Darlehens auch der Untreue schuldig gemacht hat.

    Siehe dazu auch: Albrecht Müller – Fall Hoeneß: Die Einschläge im Milieu der Regierungsparteien werden heftiger

    Der Saubermann als Spekulant

    Vor gerade einmal zwei Monaten verriet Uli Hoeneß einem Videoblog des Handelsblatts seine persönliche Anlagestrategie: „Ich bin da sehr aufgeschlossen für Aktienkäufe und auch mal für eine Devisenspekulation“. Natürlich weiß ein Finanzprofi wie Hoeneß, dass Spekulationsgewinne steuerpflichtig sind. Und da er offenbar bereits seit mehr als zehn Jahren von seinem Schweizer Depot aus an den Finanzmärkten spekuliert und damit offenbar Millionengewinne realisiert hat, muss man ihm durchaus unterstellen, dass er sich mit Vorsatz der schweren Steuerhinterziehung strafbar gemacht hat. Seine Verteidigung, er hätte das von Schwarz-Gelb geplante Steuerabkommen mit der Schweiz abwarten wollen, klingt da wie ein schlechter Witz. Wie viele Amnestieangebote für reuige Steuerhinterzieher hat es seitens der Finanzministerien in den letzten Jahren gegeben?

    Hätte Hoeneß auch nur einen Hauch Unrechtsbewusstsein, hätte er ohne Probleme auf diese Angebote eingehen können. Als positiver Nebeneffekt der Affäre Hoeneß ist jedoch zu verbuchen, dass nun auch einen breiten Öffentlichkeit der eigentliche Zweck dieses Steuerabkommens klar wird – das Steuerabkommen wäre, wenn es den Bundesrat passiert hätte, eine „Lex Hoeneß“, ein Generalamnestie für sämtliche Großkopferten, um der Strafverfolgung zu entgehen.

    Kredit vom Freund? Das hört sich sehr merkwürdig an

    Wenn sich die Meldungen der süddeutschen Zeitungen, die sich mit der Sache intensiv beschäftigen, bestätigen, hat Uli Hoeneß von seinem Schweizer Konto aus mit vermeintlich „sauberem“ und „versteuertem“ Geld Spekulationsgewinne erzielt, die er bei seiner Steuererklärung nicht angegeben hat. Je nach Quelle handelt es sich dabei um einen niedrigen zweistelligen bis zu einem hohen dreistelligen Millionenbetrag. Dank seiner offenbar gerade noch rechtzeitig gestellten Selbstanzeige dürfte Hoeneß dabei – wenn nicht noch mehr herauskommt – straffrei aus der Sache gehen. Ein entscheidendes Detail wird dabei jedoch vergessen. Nach Informationen der SZ stammt der Grundstock von Hoeneß Spekulationskasse aus einem „Darlehen“ in der Größenordnung „von 10 bis 15 Millionen Euro“, das Hoeneß „um das Jahr 2000“ herum vom damaligen Adidas-Chef und –Großaktionär und Hoeneß-Freund Robert Louis-Dreyfus erhalten haben soll.

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

    155 Kommentare

    Den New Conservatism verstehen lernen

    geschrieben am 22. April 2013 von Jens Berger

    ein Gastartikel von Roberto Delapuente

    Lynndie England und Joe Bageant sind aus derselben Gegend. Aus den beiden Virginias. England machte Karriere als Foltermagd von Abu Ghuraib. Ihr kühles und sadistisch paffendes Gesicht ging um die Welt. Bageant wurde Journalist. Beide sind Kinder einer Arbeiterklasse, die gesellschaftlich vernachlässigt wurde und die es laut der von den Medien verbreiteten Ideologie von der “klassenlosen Gesellschaft” eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. In Auf Rehwildjagd mit Jesus nimmt Bageant mit auf einen Streifzug durch ein kaltes, ja mörderisches Milieu, in dem fundamentalistische Kirchen auf fruchtbaren Boden stoßen.

    Obwohl die propagierte Klassenlosigkeit Doktrin ist, spricht Bageant von “der großen Masse der Unterbezahlten, wenig Gebildeten und Überarbeiteten”. Die Mittelschicht sei abhängig von Menschen seiner Klasse, erklärt der Autor weiter. “Wir sind der Grund dafür, dass sich Amerika einer niedrigen Inflation erfreut und die privaten Altersruhegelder der Mittelschicht stabil bleiben. Gleichzeitig hat man dafür gesorgt, dass die Arbeiterschaft vollständig am Tropf der Sozialhilfe-Programms hängt, eines Programms, das sich Social Security nennt und von der besitzenden Klasse über kurz oder lang durch die Hintertür gekürzt und privatisiert werden wird, um die Aktienkurse in einer auf wundersame Weise den eigenen Interessen dienenden Schleife und ganz im Sinne der von ihnen am meisten profitierenden oberen Mittel- und Oberschicht in die Höhe zu treiben.”

    Folgt man Bageant durch die Lebenswelt seiner Klasse, so glaubt man sich in ein Entwicklungsland versetzt, in das sich zu allem Überdruss auch noch religiös-rassistische Fanatiker verirrt haben.

    Weiterlesen auf ad sinistram

    Anmerkung Jens Berger: Offenbar hatte der Übersetzer leider noch nicht einmal grundlegende Kenntnisse von der Materie. In den USA bezeichnet “Social Security” mitnichten die “Sozialhilfe”, sondern vielmehr das gesetzliche Rentensystem.

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