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  • Religion aus der atheistischen Perspektive: 2. Religion und Wissenschaft

    geschrieben am 04. Dezember 2011 von Thorsten Beermann

    Nachdem ich mich im ersten Teil dieser Reihe an einer Definition von Religion versucht habe, geht es heute auf dieser Grundlage in das erste große Konfliktfeld: Wissen und Wissenschaft. Hier würde es eigentlich leicht fallen, polemisch zu werden. Ein Blick über den Großen Teich würde reichlich Beispielen von Personen bis in höchste politische Ämter, zu Tage fördern, die allen Ernstes behaupten, die Welt wäre in sechs Tagen geschaffen worden, nur ungefähr 6000 Jahre alt und zeitweise von Dinosauriern und Menschen gleichzeitig bewohnt worden. Ganze Themenparks gibt es in den USA, in denen diese Sichtweise „belegt“ werden soll. Nicht, dass wir so weit in die Ferne schweifen müssten. Auch die damalige hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) hat 2007 angeregt, die biblische Schöpfungsgeschichte gleichberechtigt mit der Evolutionstheorie um Biologieunterricht zu lehren.

    Wie im ersten Teil beschrieben, gehen religiöse Mythen in der Regel davon aus, dass der Ist-Stand der Welt der endgültige Stand der Schöpfung und wie er gewollt ist. Auch die gesellschaftlichen Strukturen, so in der Regel der Tenor, sind genau so, wie ihn höhere Mächte wollen, demnach also nicht verhandelbar.
    Das ist zumindest die Theorie, denn viele nicht-schriftliche Religionen sind erstaunlich flexibel. Das zeigt sich zum Beispiel daran, die die Bewohner Amerikas und Australiens bei ihrer „Entdeckung“ auf die Ankunft der Europäer reagierten und sie recht schnell in ihre Kosmologie einfügen konnten.
    Mit der Verschriftlichung religiöser Mythen wird eine Anpassung an neue Lebensumstände oder einen sich verändernden Wissensstand schwierig und immer schwieriger, je direkter die heiligen Schriften von einem übernatürlichen Wesen diktiert worden sein sollen.

    Weiter geht es bei Workingmensdeath.

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    Blogtipp: Das Dossier

    geschrieben am 02. Dezember 2011 von Spiegelfechter

    Heute möchte ich Euch einmal ein ambitioniertes Blogprojekt aus der Nachbarschaft vorstellen. Ich stehe schon länger mit Axel Weipert von “Das Dossier” in Kontakt und nutze die Seite selbst regelmäßig zur Information. Für mich ist es dabei besonders interessant, dass Axel und seine Kollegen sich nicht “nur” auf die gerade aktuellen und viel diskutierten Themen stürzen, sondern auch Themen, die nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen, einen breiten Raum geben. Axel bat mich, auch den Lesern des Spiegelfechters einmal “das Dossier” näher zu bringen. Dem komme ich natürlich gerne nach und präsentiere ich Euch hier eine kurze Vorstellung der Seite, die Axel selbst geschrieben hat.

    Eine Verbindung von Journalismus und Blogosphäre schaffen

    DAS DOSSIER startet einen Relaunch

    Seit Jahren schon gibt es – auch hier beim Spiegelfechter – eine Debatte über die Rolle der Blogosphäre: Wie wichtig ist sie als Informationsquelle und zur Meinungsbildung? Kann und soll sie den herkömmlichen Journalismus ersetzen? Wir als Redaktion von das Dossier haben uns auch darüber Gedanken gemacht. Unsere Antwort lautet: Es geht nicht um ein Entweder-Oder, sondern um die sinnvolle Zusammenführung. Das ist eines der Kernanliegen unserer Seite, die wir in den letzten Monaten gründlich umgebaut haben.

    2011 zeigte eine neue Qualität in der Beschleunigung des Nachrichtengeschäfts: ständig aktualisierte Newsticker-Meldungen zu umwälzenden Ereignissen wie den Revolutionen im arabischen Raum, dem Reaktorunglück von Fukushima und den neuesten Pleitekandidaten im Euro-Raum ließen Journalisten und deren Leser bisweilen schwindelig werden. Einen Kontrapunkt zu der daraus entstehenden Flut an Informationen will das journalistische Web-Portal das Dossier bieten, indem hochwertige Analysen und Hintergrundinformationen zum Weltgeschehen gesammelt und aufbereitet werden. Das Konzept zeichnet sich durch eine Gegenüberstellung von klassischem Journalismus und Blogosphäre aus. Die thematische Erfassung der Beiträge in Dossiers erlaubt dem Leser einen gebündelten Überblick zu dem Geschehen nach aktuellen Ereignissen, Themen und Regionen.

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    24 Kommentare

    Ich werde auch nervös

    geschrieben am 01. Dezember 2011 von Gastautor

    Geht alle Staatsgewalt vom Markte aus?

    ein Gastartikel von Alexander Unzicker

    Die Märkte sind heute wieder beunruhigt. Die Anleger machten sich gestern schon Sorgen, und womöglich werden die Investoren morgen nervös. Ich kann es nicht mehr hören. Aber leider kann man es nicht wie andere unwichtige Tagesmeldungen von sich fern halten, denn die seit Monaten andauernden Berichte über Finanz-, Euro-, Schulden- und Währungskrise, über Banken, Hedgefonds, Rettungsschirme und Hebel, sowie die permanente Beschäftigung der Regierungen mit dem Thema sind beunruhigend. Nicht zuletzt deshalb, weil über einige einfache Dinge nicht nachgedacht wird. So diskutiert man zum Beispiel im Moment die Frage kontrovers, ob die Europäische Zentralbank EZB Anleihen von Staaten zum derzeitigen Zinssatz von ca. 7 % kaufen soll, weil die `Märkte´ derzeit jenen Staaten nur gegen hohen Risikoaufschlag Geld leihen. Interessant wäre aber doch, woher die gleichen Märkte das Geld haben – über Umwege von der EZB, die es den Banken zu 1% Zins zur Verfügung stellt – ohne Risikoaufschlag, wobei sie seltsamerweise die Anleihen jener gefährdeten Staaten als Sicherheit akzeptiert. Kurz: der Finanzsektor kann sich Geld für 1% leihen und für 7% an Italien weiterverleihen, oder übrigens auch an Deutschland für 2%! Das bedeutet, dass ein permanenter Subventionsstrom in Höhe der Zinsdifferenz aus dem Vermögen des europäischen Steuerzahlers an die `Märkte’ fließt, die sich dann tatsächlich Sorgen machen, wo sie das ganze Geld noch anlegen sollen. Die Diskussion um das richtige Handeln der EZB entspricht der, ob man einen Brand besser mit Pulver oder Wasser löscht, den sie gleichzeitig mit reichlich Öl anfeuert. Es sind die niedrigen Leitzinsen, die absurd sind. Man muss nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben, um das Bizarre der Situation zu sehen, manchmal habe ich den Eindruck, dass es eher hinderlich ist.

    Der Risikoaufschlag spiegelt angeblich das Ausfallrisiko eines Kreditgebers wider. Wenn Banken sich billiger Geld leihen können als Staaten, bedeutet dies, dass deren Kreditwürdigkeit höher liegen müsste. Nun weiß jeder, dass praktisch alle Banken Bankrott wären, hätten die Saaten nicht für ihrer Schulden gebürgt. Sie können also gar nicht kreditwürdiger sein als die Saaten, die ihre Existenz garantieren. Würde die EZB rational marktkonform handeln, dürfte sie ihnen kein Geld geben. Warum tut sie es trotzdem? Antwort: Die Banken seien systemrelevant. Und die Staaten? Man macht uns heute weis, der Zusammenbruch eines Staates sei möglich, aber der einer Bank nicht. Irgendwie habe ich vielleicht missverstanden, was `marktkonforme Demokratie’ bedeutet. Systemrelevant kann doch nur heißen, für das Funktionieren des staatlichen Gemeinwesens unverzichtbar, also Teil von diesem. Entweder ist das ein Lüge, oder permanenter Verfassungsbruch, denn alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Nicht vom Vorstand. Für unsere Regierenden, zum Nachschlagen: Artikel 20 Absatz 2 Grundgesetz. Würde die EZB nicht weiterhin öffentliche Gelder verschenken, sondern den Leitzins heben, wären natürlich die Banken pleite. Ein staatlich kontrollierter Konkurs wäre die klarste Möglichkeit, verfassungsgemäße Zustände wiederherzustellen.

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    Der Staat schützt die Täter und nicht ihre Opfer

    geschrieben am 30. November 2011 von Gastautor

    ein Gastartikel von Jacob Jung

    Dem Staat wird in Bezug auf den entschiedenen Einsatz gegen Rechtsextremismus partielle Blindheit vorgeworfen. Auch wem diese Einschätzung übertrieben erscheint: Zumindest werden Links- und Rechtsextremisten in Deutschland gleichartig behandelt, wenngleich sich die Gewalt der einen hauptsächlich gegen Gegenstände und die Gewalt der anderen gegen Menschenleben richtet.

    Bedienen die etablierten Parteien und ihre verantwortlichen Politiker mit dem zurückhaltenden Vorgehen gegen Rechtsextremismus einen weit verbreiteten Rassismus in der Mitte der Gesellschaft? Wie sonst sind die kraft- und konzeptlosen Maßnahmen zu erklären, mit denen die Bundesregierung auf die rechte Gefahr in Deutschland reagiert?

    Während das Innenministerium auf eine Ausdehnung der staatlichen Kontroll- und Überwachungsstrategien drängt, verweigert sich die Politik im Rahmen einer Scheindebatte dem längst überfälligen NPD-Verbot und legt so ihre Hand schützend über rechte Netzwerke, Gewalttäter und Mörder.

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    Medienadvent in der Gutti-Stube

    geschrieben am 29. November 2011 von Gastautor

    ein Gastgedicht von meinem väterlichen Freund und Hauslyriker Kaiserbubu

    Advent, Advent, der Gutti brennt
    Er will‘s schon wieder wissen
    Das Feuilleton ist außer sich
    Er hat so schön beschissen

    Schnappatmung in den Redaktionen
    Teutonen, Adel, Sensationen
    Der Kuchen ist noch nicht verteilt
    Heißa, bald ist Weihnachtszeit

    Nun singet und seit froh, Verleger
    Gutti ist DER Quotenfeger
    Ausverkauft ist bald das Buch
    Doch kommt nach Segen dann der Fluch?

    So pilgerten die Medienhirten,
    vorweihnachtlich erregt
    um sich mit Gutti zu bewirten
    nach Halifax, von früh bis spät

    Macht hoch die Tür, die Tor‘ macht weit
    Es spricht jetzt seine Lieblichkeit
    Gewaltig rauscht’s im Blätterwald
    Erlöst er sich und uns jetzt bald?

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