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  • Niveau ade: Lustige Wahlwetten und tolle Preise beim „Spiegel“

    geschrieben am 29. Juli 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Ein Kommentar

    Alles nur ein Spiel? Auf die nächste Bundestagswahl scheint das zuzutreffen, zumindest wenn man dem „Spiegel“ glauben will, der stolz seine eigene Wahlwette auf Facebook anpreist. Weil die Meinungsforschungsinstitute seit 2009 mit ihren Prognosen immer so schrecklich daneben lagen, sollen nun die Leser ihre Tipps abgeben. Und tolle Reisen gewinnen, zum Beispiel nach Bali oder Österreich. Trostpreise gibt es auch, ein Tablett, ein Heimkino-Lautsprecher-Set oder ein Rennstrecken-Training für den Porsche 911. Wählen gehen, Gewinne einsacken und einfach mal die Seele baumeln lassen oder Porsche fahren. Klingt doch gut als Abwechslung zu unterbezahlten Jobs, Urlaub im Park und einer Bundesregierung, die das Ausspähen der Bürger als nicht so wild abtut.

    Wir sollen also Wetten darauf abschließen, wer die Bundestagswahl gewinnt. Was will der „Spiegel“ damit erreichen? Dass mehr Menschen wählen gehen? Dass mehr Menschen sich politisch engagieren? Oder ist es nur so eine interaktive Facebook-Marketingmaßnahme, um Likes zu sammeln? Man weiß es nicht, aber auf die Wahl zu wetten, ist schon ein ziemlich frecher Versuch, aus einem politischen Prozess eine Spaßveranstaltung zu machen, auch wenn es schon ohne die Wahlwette schwerfällt, die Bundestagswahl ernst zu nehmen.

    Der „Spiegel“ sieht seine Wahlwette als „innovatives Instrument“, um das Wahlergebnis ziemlich präzise vorhersagen zu können. Er legt daher gesteigerten Wert auf Objektivität und bittet seine treuen Leser beim Setzen des Wettkreuzes: „Dabei sollten Sie nicht Ihr Wunschergebnis angeben, sondern den Wahlausgang, den Sie persönlich für wahrscheinlich halten.“
    Hoppla, guter Hinweis, das wäre sonst sicherlich falsch verstanden worden.

    Schon im Teasertext heißt es: „Noch wenige Wochen bis zur Bundestagswahl, und die Kanzlerin liegt weit vor ihrem SPD-Herausforderer. Schafft er noch die Wende? Bei der SPIEGEL-ONLINE-Wahlwette können Sie jetzt Ihre Prognose abgeben – und gewinnen.“
    Wenn das jetzt womöglich noch von Markus Lanz oder Thomas Gottschalk publikumswirksam in einer Arena auf Mallorca präsentiert worden wäre, hätte man glatt Popcorn und Kaltgetränke rausholen wollen.
    Besteht durch die Wette nun die Gefahr, dass ein paar Irregleitete nicht ihrer politischen Meinung entsprechend wählen – sofern sie diese tatsächlich haben -, sondern lieber auf den wahrscheinlichen Sieger Merkel tippen, in der Hoffnung, dafür Somme, Sonne, Strand genießen zu können?
    Offen gesagt: Ja. Aber das Peinliche ist eher das, was der „Spiegel“ betreibt. Er zeigt eine billige Unterhaltungsfratze, die ihn einmal mehr als neoliberales Pseudonachrichtenmagazin demaskiert.
    Wetten, dass es immer schlimmer wird?

    42 Kommentare

    NachDenkGespräche – Warum ist Angela Merkel so beliebt?

    geschrieben am 26. Juli 2013 von Jens Berger

    Woran liegt es, dass Angela Merkel so beliebt ist? Liegt es „nur“ an der unkritischen Berichterstattung der Medien? Oder trägt auch die SPD mit ihrem nicht eben sozialdemokratischen Kurs eine Mitverantwortung an der Stärke ihrer Konkurrentin? Darüber unterhalten sich in unseren NachDenkGesprächen Jörg Wellbrock und Jens Berger.

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    175 Kommentare

    Alles nur Show?

    geschrieben am 25. Juli 2013 von Thorsten Beermann

    augstein vs. fleischhauer

    Von Thorsten Beermann.

    Es gibt diesen wunderbaren Moment…im Oktober 2004 war Jon Stewart, Moderator der „Daily Show“ auf Comedy Central, Gast bei der mittlerweile eingestellten CNN-Sendung „Crossfire“. Konzept der Sendung war, konservative bis rechte Positionen auf liberale bzw. linke Ansichten prallen zu lassen. Illustriert wurde das auch durch die Moderatoren-Duos, von denen jeder eine Seite vertrat.
    Im Laufe des Gesprächs warf Stewart seinen Gastgebern vor, eine politische Diskussion nur zu simulieren und gerade damit eine echte inhaltliche Auseinandersetzung unmöglich zu machen. Den Widerspruch des eingeschnappten „konservativen“ Moderators Tucker Carlson kontert Stewart mit den Worten: „Das hier ist Theater. Wie alt bist du? …und du trägst eine Fliege?“

    Szenenwechsel: Im Jahr 2011 begann Spiegel Online mit regelmäßigen Kolumnen. Dabei stach besonders das Gegenteilpaar von Jan Fleischhauer für die konservative Seite und Jakob Augstein als Vertreter des linken Spektrums hervor, die im wöchentlichen Rhythmus mehr oder weniger aktuelle Ereignisse kommentieren und dabei teilweise auch auf die vorherige Veröffentlichung des jeweils anderen reagieren.

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    68 Kommentare

    Das Supergrundrecht auf Sicherheit ist bestenfalls eine Nullnummer

    geschrieben am 24. Juli 2013 von Gastautor

    eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Der deutsche Durchschnittsbürger will Sicherheit. Dafür schließt er mit Vorliebe Versicherungen gegen jedes denkbare Risiko ab. Und wenn es keine Versicherung gibt, weil den gewerblichen Versicherern das Risiko zu groß erscheint, erwartet er, dass der Staat einspringt und die gewünschte Sicherheit bietet.

    Ganz offensichtlich beabsichtigte der im bayerischen Freistaat sozialisierte Bundesinnenminister den deutschen Sicherheits-Reflex zu aktivieren, als er von einem Supergrundrecht auf Sicherheit fabulierte. Wenn jetzt Sicherheit zum Supergrundrecht hochstilisiert wird, dann stellt sich ziemlich schnell die Frage, welche Sicherheit hier gemeint ist. Und vor welchen Risken mit Hilfe dieses Supergrundrechts geschützt werden soll. „Super heavy duty“ waren in der Werbung für Schmiermittel langezeit geläufige Attribute. Und jetzt halt offensichtlich auch in der Politik, die sich nicht erst seit dem „Exportweltmeister“ durch Superlative auszeichnen will.

    Irgendwie soll das Supergrundrecht auf Sicherheit dem Schutz vor Terror oder gar dem Terrorismus dienen. Die naheliegende Frage, wieviel Opfer der Terrorismus – vor dem man schützen will -in Deutschland bislang gefordert habe und wie viele dieser Attentate durch die beinahe flächendeckende Kommunikationsüberwachung aufgeklärt werden konnten, wird gerne damit beantwortet, dass es wegen der Überwachung gar nicht erst zu Anschlägen gekommen sei. Warum dies eine sehr eingeschränkte Weltsicht sein dürfte, steht am Ende dieses Beitrags.

    Risiken und Gefahren in Deutschland

    Welches sind denn überhaupt die Risiken, die hierzulande Menschenleben bedrohen? Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft sterben in Deutschland pro Jahr circa 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. In der Zahl sind offensichtlich nicht nur aktive Raucher enthalten, sondern auch sogenannte Passivraucher. Ein allgemeines Rauchverbot könnte die Zahl der sogenannten Rauchertoten mittelfristig deutlich reduzieren. Mit einem allgemeinen Alkoholverbot könnte nicht nur die Zahl von 74.000 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland an den Folgen ihres Alkoholkonsums sterben, verringert werden, sondern auch die Zahl der Straftaten, die unter Alkoholeinfluss begangen werden. Mit der ganz simplen Verpflichtung des Krankenhauspersonals zum Desinfizieren der Hände könnte das Risiko, dass jedes Jahr bis zu 600.000 Patienten an den sogenannten nosokomialen Infektionen erkranken und bis zu 15.000 jährlich dadurch zu Tode kommen, deutlich verkleinert werden.

    Man könnte auch die Systemfolgen von des Deutschen liebstem Kind einmal wieder einmal näher in Augenschein nehmen. Mit einer Ausweitung der Geschwindigkeitsbegrenzungen könnte die Anzahl von 3.600 Menschen, die jährlich 2012 bei Unfällen im Straßenverkehr starben, noch weiter heruntergeschraubt werden. Auch wenn die Unfalltoten im Straßenverkehr in den vergangenen Jahren immer mehr zurück gegangen sind, 1.000 Verletzte, die der Straßenverkehr in Deutschland täglich fordert, sind auch noch viel zu viele. Im Blick auf die individuellen Freiheiten der Bürger hat jedoch niemand den politischen Mut, Verbote auszusprechen, die Menschenleben retten könnten. Auch könnte man durch klare Vorschriften zur Raumlüftung die Zahl der 400 Menschen reduzieren, die jedes Jahr in Deutschland durch die toxische Wirkung von Kohlenmonoxid (CO) – der sogenannten Rauchgasvergiftung – sterben. Alles kein Problem, Alles gesellschaftlich akzeptiert als ganz normales Lebensrisiko.

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    46 Kommentare

    Freihandelsabkommen: Die Freibeuter des Neoliberalismus schlagen zu

    geschrieben am 23. Juli 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU musste medial weitgehend dem Abhörskandal der Amerikaner weichen. Außerdem der Jagd nach Edward Snowden und nicht zuletzt der berechtigten Kritik an der Bundesregierung, die sich vor allem durch offenbar verlogene Ahnungslosigkeit und devote Treue auszeichnete. Doch die Konsequenzen des für 2015 geplanten Projekts werden gravierend sein. Und die Wirtschaftsräume in Europa komplett neu ordnen. Mit verheerenden Folgen.

    Wenn es nicht so traurig und gefährlich wäre, müsste man fast müde lächeln, während man dem Kapitalismus dabei zusieht, wie er seinem eigenen Schwanz hinterher rennt in der Hoffnung, dadurch würde etwas besser werden. Wie immer sind es Arbeitsplätze, ausgezeichnete Konjunkturerwartungen und das enge Zusammenwirken von „Freunden“, die als Totschlägerargumente herhalten müssen, um einen Plan zu rechtfertigen, der ausufern und im schlimmsten Fall zum Kollaps führen wird. Aber so ist das wohl, wenn man dem eigenen Schwanz nachjagt – irgendwann hat man Erfolg, beißt zu. Und hat Schmerzen. Doch vorher fügt man sie anderen zu.

    Höher, schneller, weiter?

    Jubel, Trubel, Heiterkeit! Eine Studie der EU-Kommission geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung sowohl in den USA als auch in Europa um 0,5 Prozent steigen würde, käme es 2015 zum geplanten Freihandelsabkommen. Optimisten des Ifo-Instituts sprechen gar von 5 Prozent Steigerung, wobei unklar ist, was sie vorher eingenommen haben. Der „Spiegel“ stellt eine einfache und ziemlich unverschämte Rechnung auf. Er geht von 0,5 Prozent Steigerung der Wirtschaftsleistung aus und errechnet, dass dadurch ein durchschnittlicher EU-Haushalt jährlich 545,- Euro mehr in der Kasse hätte. Nicht überliefert ist die Antwort auf die Frage, warum es zu einer derartigen fairen Verteilung kommen sollte. Und Konjunkturerwartungen sind ja in aller Regel in etwa wie der verschwommene Blick in die Kugel aus Milchglas, insbesondere bei einem Projekt dieser Größenordnung. Den Artikel weiterlesen »

    88 Kommentare
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