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  • Nur eine entspanntere Form von Arbeitszeit

    geschrieben am 28. Juni 2013 von Gastautor

    oder Für Unternehmen ist Freizeit nur Arbeitszeit, die fruchtbar gemacht werden muss.

    ein Gastartikel von Roberto De Lapuente

    Neulich berichtete der hessische Systemfunk vom Teambuilding. Im Extremfall – was Idealfall wäre! – würden hierbei die Belegschaften von Firmen zur Stärkung ihrer Teambelastbarkeit am Hochseil balancieren oder Steilwände emporklettern. Die “Expertin” für Arbeitswelt des hessischen Rundfunks beurteilte diese Extreme zwar zwiespältig. Aber wenn man regelmäßig mit den Kollegen sein Privatleben teilte, so beratschlagte sie ins Land hinaus, würde das die Teamfähigkeit immens steigern. Es reichten ja auch weniger extreme regelmäßige Unternehmungen. Man könne ja auch regelmäßig seine Abende miteinander verbringen oder so.

    Nun könnte man mit den Schultern zucken und behaupten, dass in der vor- bis hin zur frühkapitalistischen Zeit, die Sphären von Arbeitszeit und Freizeit miteinander verquickt waren. Mit dieser neuen Form der Zusammenlegung kann dieses ursprüngliche Lebenskonzept, in dem das Familiäre am Puls der Arbeit lag, jedoch nicht verglichen werden. Die auf Effizienz getrimmte Lebens- und Berufsberatung, die sich unter dem Label von Work-Life-Balance sammelt, betreibt eine ganz andere Form der Zusammenlegung. Eine, die das Private nicht als gleichrangig erachtet, sondern als Ausgangsbasis für den Beruf. Familie ist für diese Lehre im optimalen Falle nicht mehr als ein Stimmungsstabilisierer. Sie hat die Laune für die Karriere zu heben – oder ist im gegenteiligen Fall nichts anderes als ein Hemmnis.

    Mit der Work-Life-Balance, nach der man in seiner Freizeit mit Kollegen nur deshalb etwas unternehmen sollte, um damit dem Unternehmen zu dienen, um als Team zu wachsen, greift man nicht auf die früher übliche Vermengung von Arbeitszeit und Freizeit zurück. Die war zwangsläufig und aus der Raumnot geboren. Man arbeitete und wohnte meist unter einem Dach, konnte die Arbeitsphasen also nicht separieren. Heute will man, dass die Freizeit nicht zu doll separiert wird.

    Der ideale Mitarbeiter ist demnach also Single oder hat einen Partner, der im selben Unternehmen tätig ist. Führungskräfte in großen Unternehmen sehen es tatsächlich nicht ungerne, wenn man seinen Lebenspartner im Kreise der Kollegenfamilie hat. Wenn beide Partner nämlich für denselben Arbeitgeber schuften, dann verbindet das ungemein, macht es möglich, dass das Paar sein Privatleben nach den Interessen der Firma ausrichtet. Eine solche Konstellation macht die beiden Arbeitskräfte kalkulierbarer.

    Weiterlesen auf ad sinistram

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    Briefe an Westerwelle: Klartext in Sachen Edward Snowden

    geschrieben am 27. Juni 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jens Berger und Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Die USA drohen ganz offen und ohne auch nur einen Anflug von Skrupeln dem südamerikanischen Land Ecuador mit drastischen wirtschaftlichen Sanktionen, sollte es Edward Snowden Asyl gewähren. Es bleibt abzuwarten, wie sehr sich die Lage noch zuspitzt.
    Wir haben nun Guido Westerwelle angeschrieben und ihn aufgefordert, einem politisch Verfolgten Asyl zu gewähren. Schreiben kann jeder. Und Westerwelle (bzw. sein Büro) muss darauf antworten, so sieht es das Gesetz vor. Wenn sich der eine oder andere anschließt, ist zumindest einiges auf dem Schreibtisch Westerwelles los.

    Also bitten wir Euch, ebenfalls an den Bundesaußenminister zu schreiben.

    Hier geht es zu Guido Westerwelle:

    http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/biografien/W/westerwelle_guido.html

    Natürlich wird sich Herr Westerwelle nicht in eine stille Ecke hocken, unser Schreiben lesen und dann eine humane Entscheidung treffen. Aber wenn sich uns andere anschließen, wird er zumindest eine Menge Arbeit haben. Was in dem Anschreiben stehen soll, muss jeder selbst entscheiden, unser Wortlaut ist dieser:

    Guten Tag, Herr Westerwelle,

    sicherlich sind Sie über die jüngst bekannt gewordenen amerikanischen und britischen Überwachungsprogramme ebenso erbost wie wir. Sicherlich sind auch Sie dem ehemaligen NSA-Contractor Edward Snowden überaus dankbar. Ohne seine selbstlose Tat wüssten wir heute nichts über das Ausmaß der überbordenden Überwachung unserer Kommunikation durch Geheimdienste verbündeter Staaten. Sicherlich wissen auch Sie, dass die Anklage gegen Edward Snowden vor allem politisch motiviert ist und er in den USA nicht mit einem fairen Gerichtsverfahren rechnen darf. Sollten Sie diesbezüglich Zweifel haben, erinnern Sie sich doch bitte daran, wie das Justizsystem der USA mit dem deutschen Staatsbürger Murat Kurnaz umgegangen ist – als Oppositionspolitiker nannten Sie das Vorgehen damals „illegal“, „völkerrechtswidrig“ und „menschenrechtswidrig“.

    Das Asylrecht ist für politisch verfolgte Menschen im Grundgesetz verankert. Edward Snowden droht im Falle einer Auslieferung an die USA die Gefahr gezielter Rechtsverletzungen. Dadurch ist auch seine Menschenwürde bedroht. Daher fordern wir Sie auf, Edward Snowden in Deutschland politisches Asyl anzubieten.

    Art. 4 Abs. 1 des Auslieferungsabkommens zwischen Deutschland und den USA schreibt vor, dass „eine Auslieferung nicht bewilligt [wird], wenn die Straftat, derentwegen sie begehrt wird, vom ersuchten Staat als eine politische Straftat, als eine Straftat mit politischem Charakter oder als eine mit einer solchen zusammenhängende Straftat angesehen wird.” Auch § 6 Abs. 1 Satz 1 des Gesetzes über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRG) besagt, dass „[eine] Auslieferung [...] wegen einer politischen Tat oder wegen einer mit einer solchen zusammenhängenden Tat [nicht zulässig ist].” Sollte Edward Snowden also deutschen Boden betreten, hätte Sie das Gesetz auf Ihrer Seite, wenn Sie ihm politisches Asyl anbieten.

    Edward Snowden hat Machenschaften aufgedeckt, die nicht nur international Bedeutung haben, sondern auch Deutschland betreffen. Auch deshalb ist es Ihre politische und moralische Verpflichtung, ihm politisches Asyl anzubieten.
    Wir bitten um eine Rückmeldung.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Jens Berger
    Jörg Wellbrock

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    Prism und Tempora – nur ein kleines Mosaiksteinchen?

    geschrieben am 26. Juni 2013 von Gastautor

    eine Glosse von Christoph Jehle

    Nachdem Edward Snowden, der als Subcontractor für den amerikanischen Auslandsgeheimdienst NSA tätig war, den Schleier über den Strukturen zur Überwachung der elektronischen Kommunikation ein wenig zur Seite gezogen hatte, gab es ein kurzes Erschrecken. Die deutsche Bundesregierung blieb seltsam still und verschickte Fragebögen and die anglo-amerikanischen Geheimdienste, die mit einem Dreizeiler beantwortet wurden. Dass im offiziellen Berlin gespannte Ruhe herrscht, mag damit zusammenhängen, dass man nicht wirklich überrascht sein konnte, weil man informiert war und selbst an vergleichbaren Projekten arbeitet. Zudem weiß niemand, was Snowden noch aus dem Köcher seiner Notebookfestplatten zieht.

    Das Erschreckende an der ganzen Geschichte ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich von der Kommunikationsüberwachung ziemlich unbeeindruckt gibt. Man glaubt, die Überwachung sei ohne Risiko, weil ja es ja unmöglich sei, alle Gespräche zu belauschen. Und so zeigt man sich vielleicht gerade noch dafür interessiert, ob Putin dem Ruf und den Drohungen der amerikanischen Regierung folgt oder nicht. Und ähnlich wie bei Menges Millionenspiel reizt vielfach lediglich die Frage, ob die US-Regierung jetzt wohl eine Kampf-Drohne nach Moskau fliegen lässt oder den Mossad übernehmen lässt. Das Dilemma, das mit dem Bekanntwerden von Prism offenbar wurde, liegt jedoch ganz woanders.

    Mit der Verknüpfung der reinen Verbindungsdaten zeigen sich Handlungsmuster, die klassifiziert und zu Profilen zusammengefügt werden können. Keiner der Überwachten kennt diese Profile und ist sich auch nicht bewusst, welchen Mustern sein Handeln folgt. Wobei hier immer nur der Teil des Handelns herausgegriffen wird, der über die Kommunikationstechnik digital erfass- und vergleichbar ist. Wie diese Profile durch den Abgleich mit anderen, ähnlichen Profilen dann interpretiert werden, bleibt dem Betroffenen verborgen.

    Was sich zur Zeit des Deutschen Herbstes als Rasterfahndung einen Namen machte, wurde in der Art einer Schleppnetzfahndung mit zunehmender Rechnerkapazität weiter ausgebreitet. In der Summe liegen in absehbarer Zeit genügend Daten vor, um durch rechentechnische Verknüpfungen praktisch Jeden zum Gefährder werden zu lassen. Nach dem amerikanischen Motto „erst schießen, dann fragen“ wird aus einem errechneten Verdächtigen dann schnell ein toter Verdächtiger. Die Technik ist vorhanden. Die notwendige Verknüpfung letztlich ein Kinderspiel.

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    Mitarbeiter der Jobcenter: Zielen Sie nicht auf Ihre Mitmenschen!

    geschrieben am 26. Juni 2013 von Jens Berger

    Mit der nunmehr zehnjährigen Geschichte der unsäglichen Hartz-IV-Gesetze in Deutschland hat die Vergesellschaftung der politisch-bürokratisch initiierten Stigmatisierung ihren Lauf genommen. So stolz auch alle Bundesregierungen seit Gerhard Schröder die Hartz-Gesetze präsentiert haben, so sehr hat die Industrialisierung der Armut vielerorts Leid geschaffen, Ausgrenzung produziert und die Menschen unter erheblichen Druck gesetzt, der für eine Vielzahl von ihnen weder psychisch noch physisch erträglich ist.

    Inzwischen werden Menschen, die sich wie die Mitarbeiterin des Hamburger Jobcenters, Inge Hannemann, in legitimer, dem demokratischen Meinungsbildungsprinzip entsprechender, Weise gegen dieses staatlich organisierte System der Angst wenden, durch Politiker wie auch Behörden öffentlich an den Pranger gestellt. Politische, aber auch zivilgesellschaftliche Forderungen nach einem Ende dieser Repressionsmaßnahmen gegen „Arbeitsunwillige“, „notorische Faulenzer“ oder „Leistungsverweigerer“ werden inzwischen völlig ignoriert.

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter,

    beenden Sie diese Tragödie durch Ihre Menschlichkeit!

    Greifen Sie aktiv ein, indem sie Ihre Ermessensspielräume nutzen. Sanktionieren Sie nicht weiter, ordnen Sie keine Zwangsumzüge mehr an, die ganze Familien aus ihrem sozialen Umfeld und Kinder von geliebten Freunden wegreißen. Gerade diese Sanktionspolitik ist es, die Menschen an die Grenze ihrer Existenz treibt und eine nicht zu rechtfertigende Spirale der psychischen Gewalt in Gang setzt, welche zuletzt immer häufiger beiderseits in physische Gewalt umschlägt.

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    Jagd auf Edward Snowden – Die Rückkehr des hässlichen Amerikaners

    geschrieben am 24. Juni 2013 von Jens Berger

    Stellen wir uns einmal vor, ein Mitarbeiter des chinesischen Geheimdienstes, nennen wir in Aidéhuá Xuě, hätte der Öffentlichkeit bislang nicht für möglich gehaltene Details über die ganzen Ausmaße der digitalen Schnüffel- und Hackeraktivitäten des chinesischen Geheimdienstes enthüllt. Stellen wir uns nun vor, Xuě habe fluchtartig das Land verlassen und sei auf der Suche nach einem Land, das ihm politisches Asyl gewährt. Wahrscheinlich wäre in diesem Fall bereits ein geheimer Firmenjet der CIA unterwegs, um Xuě schnellstmöglich in die USA zu holen, wo er von Kongressabgeordneten und Senatoren als Held der Freiheit gefeiert würde. Die Wünsche Chinas oder beteiligter Drittstaaten wären in diesem Falle keinen US-Cent wert.

    Wo sich der NSA-Whistleblower Edward Snowden momentan aufhält, weiß offenbar noch nicht einmal die allwissende Datenkrake des US-Geheimdienstes. Fest steht lediglich, dass die Behörden der chinesischen Sonderverwaltungszone Hong Kong dem immensen Druck der Vereinigten Staaten nicht nachgegeben haben und Snowden trotz eines Haftbefehls aus den USA ohne gültigen Reisepass haben ausreisen lassen. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat Snowden heute Nacht Hong Kong in einem Aeroflot-Airbus in Richtung Moskau verlassen. Von dort aus soll er – so die Spekulationen – über Kuba nach Ecuador weiterfliegen, wo er angeblich Asyl beantragt haben soll.

    Dem Staat Ecuador steht es selbstverständlich frei, über den Asylantrag eines amerikanischen Staatsbürgers in einem fairen Gerichtsverfahren zu entscheiden. Alleine das Vorhandensein von Guantanamo rechtfertigt schließlich den Anfangsverdacht, dass politische Gefangene in den USA nicht darauf vertrauen dürfen, ein faires Verfahren zu bekommen. Dieser Punkt spielt bei der medialen Berichterstattung jedoch keine Rolle. Die deutsche Presse nimmt es auch gleichgültig hin, dass die USA dem kleinen südamerikanischen Staat nun mit ökonomischen Repressalien drohen. So berichtet SPIEGEL Online* betont neutral über die Verhandlungen zu den Zolltarifen auf ecuadorianische Produkte, die im US-Kongress im nächsten Monat anstehen. Gerade so, als sei es das gute Recht der USA, einen Staat, der nicht nach Washingtons Pfeife tanzt, ökonomisch abzustrafen. Kuba kann ein trauriges Lied davon singen – das amerikanische Handelsembargo gegen Kuba besteht bereits seit 1959. Dass alle Jahre wieder die UNO dieses Embargo verurteilt, stört dabei weder die USA noch die westlichen Medien – erst vor zwei Jahren stimmten in der UNO-Vollversammlung 186 Staaten für die Aufhebung des Embargos, nur die USA und Israel stimmten dagegen und drei Inselstaaten im amerikanischen Herrschaftsbereich (Mikronesien, Marshall-Inseln, Palau) enthielten sich. Aber wehe, ein anderer Staat griffe zu solchen Maßnahmen. Der freie Handel ist offenbar nur dann eine heilige Kuh, wenn er westliche Interessen betrifft.

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