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  • Google Glass – die passende Antwort auf das deutsche Leistungsschutzrecht

    geschrieben am 27. Februar 2013 von Jens Berger

    eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Da bastelt die Bundesregierung immer noch an ihrem Presse- Leistungsschutzrecht, das sie am kommenden Freitag durch den Bundestag peitschen will. Und dabei nimmt sie ebenso wenig wie die sie treibenden Verlage wahr, dass sie mit ihrem Vorhaben eine für die Verlage letztlich viel gefährlichere Entwicklung beschleunigt. Wie beim Märchen vom Hasen und dem Igel bringt sich die hechelnde Verlegerwelt in kürzester Zeit selbst zur Strecke, weil Google wie der doppelte Igel immer wieder schneller am Ziel ist.

    Wo sich die Verlage ihre Inhalte von immer kleineren Stammredaktionen und immer größeren Scharen von freien Autoren mit immer geringeren Honoraren produzieren lassen, bringt Google wohl noch in diesem Jahr mit seinem Project Glass das krasse Gegenteil, honorarfrei und top-aktuell.

    Googles Glass ist offensichtlich mit einer kompakten Action-Kamera und einem head-mounted-Display ausgestattet und lässt sich nicht nur mit Android-Smartphones sondern auch mit Apples iPhones verknüpfen. Mit der Kamera lässt sich das Umfeld des Trägers als Video aufnehmen und über das verbundene Smartphone gleich in die Cloud übertragen. Wenn Googles Glass nach dem noch für dieses Jahr vorgesehenen Verkaufsstart dann bald auch in größeren Mengen verbreitet ist, kann Google sich die übertragenen Videos in einem eigenen Nachrichtenportal online stellen. Über das eingebaute Display kann Google auch dem Träger gezielte Hinweise übermitteln, wo in seiner Nähe gerade etwas Berichtenswertes geschieht und wie er am Schnellsten dahin kommt. Wer in den letzten Jahren verfolgt hat, wie Google erst seine Suchmaschine aufgebaut hat und dann mit Earth, Maps und Streetview nachgezogen hat, wird sich über eine solche Entwicklung nicht wirklich wundern. Sicher, im Augenblick dürfte der Stromverbrauch der Glasses-Smartphone-Combo gerade einmal für den Ausritt um den heimischen Wohnblock reichen. Für eine zusätzliche Stromversorgung gibt es aber von der Solar-Tasche über den Dynamo-getriebenen Stromanschluss am Fahrrad bis hin zum piezzo-elektrischen Minikraftwerk im Absatz des eigenen Schuhwerks ausreichend Lösungen, welche die Reichweite der einzelnen Systeme deutlich vergrößern.

    Bei der Aktualität der Berichte wird ein solches System, das immer auch den Wettbewerb zwischen den einzelnen Brillenträgern herausfordert, alle derzeitigen Anbieter aktueller Meldungen nach kurzem Anlauf überholen. Der Abgleich mit den eigenen Datenbanken lässt sowohl eine geografische Zuordnung, als auch eine sichere Plausibilitätskontrolle praktisch in Echtzeit zu. Die Verleger, die heute für ihre jeweilige Version einer dpa-Meldung von Google Lizenzen einstreichen wollen, werden dann noch deutlich älter erscheinen, als ihr im Pass eingetragenes Geburtsdatum vermuten lässt.

    Christoph Jehle

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    Die Deutsche Bank und der „Rohstoff“ Wahrheit

    geschrieben am 25. Februar 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock

    In der Deutschen Bank zeichnet sich ein „Kulturwandel“ ab. So zumindest nennen die Vorstandschefs selbst das, was in ihrem Haus für die Zukunft geplant ist. Die jüngsten Enthüllungen von Foodwatch sprechen eine andere Sprache. Offenbar hat die Deutsche Bank hinsichtlich der Finanzgeschäfte mit Agrarrohstoffen dreist und öffentlich gelogen.

    Anshu Jain und Jürgen Fitschen haben reichlich an der Werbetrommel gerührt in letzter Zeit. Die beiden Vorstandschefs der Deutschen Bank haben sogar den alten Slogan „Leistung aus Leidenschaft“ von der PR-Liste gestrichen, um seriöser und bescheidener zu wirken. In die Richtung der Mitarbeiter der Bank wurde eine klare Botschaft versendet: Jeder, der die neuen Werte nicht respektieren würde, sollte sich überlegen, besser woanders sein Glück zu versuchen. Die Deutsche Bank also auf dem Pfad der Tugend und Ehrlichkeit? Man mag es kaum glauben.

    Die Wahrheit hinter vorgehaltener Hand

    Wetten auf Nahrungsmittel beeinflussen die Preise und tragen somit einen maßgeblichen Anteil zum Hunger in der Welt bei. Das sagen die Kritiker. Nichts davon ist wahr, ein Zusammenhang ist nicht nachzuweisen. Das sagen unter anderem die Deutsche Bank und die Allianz. Zumindest offiziell. Hinter verschlossenen Türen ist man sich aber scheinbar durchaus der Tatsache bewusst, dass Spekulationen mit Agrarrohstoffen Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise nehmen. Foodwatch liegen interne Papiere der Deutschen Bank und der Allianz vor, die belegen, dass spekulative Faktoren sehr wohl bedeutsam für „die Preisausschläge an den Agrarmärkten“ sind. Diese Formulierung stammt von der Allianz, und zwar bereits aus dem Jahr 2008. In einem anderen Papier ist nachzulesen, es sei „doch wahrscheinlich“, dass „spekulative Kapitalströme (…) die Preisentwicklung zumindest verstärkt haben“. Die Deutsche Bank hat ebenfalls hauseigene Untersuchungen angestellt. Und diese dem Bundestag aufs Brot geschmiert. Allerdings – so geht aus dem Bericht von Foodwatch hervor – mit einer zusätzlichen Schicht eklatanter Lügen.

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    Schrottessen für Menschenschrott?

    geschrieben am 22. Februar 2013 von Gastautor

    ein Gastartikel von Holdger Platta

    Das unfreiwillige Eingeständnis des Göttinger CDU-Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer

    Zu Recht empören sich seit gestern zahlreiche Sozialverbände über den famosen Vorschlag des Göttinger CDU-Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer (by the way: Lebendgewicht dieses „großen“ Politikers weit über zwei Zentner), die Pferdefleischprodukte sollten doch bitteschön an die „Bedürftigen“ in diesem Lande weitergeleitet werden. Unübersehbar die Logik: was den normalen Konsumenten – auch Fischers Auffassung nach! – nicht mehr zugemutet werden kann, das ist immer noch gut genug für die Armen im Land. Verhielte es sich anders und wäre dieser Christ (?) und Christdemokrat der Meinung, diese guten Produkte könnten, nach entsprechender Umdeklarierung auf den Pappkartons und Plastkhüllen, allen Mitmenschen in der Bundesrepublik angeboten werden, hätte sich der Entwicklungshilfepolitiker ja anders äußern müssen. Doch für ihn lag die Logik offenbar auf der Hand: den durchschnittlichen Käufern kann dieses Edel-Essen nicht mehr zugemutet werden, nur noch den unterdurchschnittlichen MitbürgerInnen. Und Fischer platzte mit seiner Variante der Barmherzigkeit heraus zu einem Zeitpunkt, wo nicht einmal die Medikamentenbelastung dieser Pferdefleischprodukte geklärt ist. Schon für diese Selbstoffenbarung des ehrenwerten Politikers sollten wir dankbar sein.

    Doch untergegangen ist – soweit ich sehe – das zweite Eingeständnis dieses mildtätig gestimmten Armengedenkers aus dem Bundestag (wir können davon ausgehen, daß es ein unfreiwilliges Eingeständnis ist). Fischers Begründung für seinen Vorstoß in Sachen Nächstenliebe lautet nämlich so: 1,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik seien, so wörtlich, „auf Lebensmittelspenden der Tafeln angewiesen“. Angewiesen? – Jawohl, der Mensch und Menschenfischer Fischer sagt es uns: angewiesen! 1,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik (apropos: nur die???) seien auf Lebensmittelspenden der Tafeln angewiesen. Was heißt das?

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    TAFTA – eine weitere Hintertür für neoliberale Reformen

    geschrieben am 22. Februar 2013 von Jens Berger

    Das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU ist in aller Munde. US-Präsident Obama thematisierte die Transatlantic Free Trade Area (TAFTA) in seiner jüngsten Regierungserklärung und auch Angela Merkel und David Cameron konnten sich auf dem letzten EU-Gipfel kaum etwas Schöneres vorstellen, als mit den USA eine Freihandelszone zu gründen. Woher kommt dieser plötzliche Enthusiasmus? Die Idee einer transatlantischen Freihandelszone ist ein alter Hut und es ist mehr als unwahrscheinlich, dass die anstehenden Verhandlungen, die Mitte dieses Jahres beginnen sollen, je zu einem nennenswerten Ergebnis kommen. Die Verhandlungen zu TAFTA eignen sich jedoch hervorragend, um auf vielen politischen Ebenen sogenannte „Handelshemmnisse“ abzubauen. TAFTA ist somit wie eine Matroschka-Puppe. Man weiß nicht, was in ihr steckt.

    Die Idee des Freihandels ist so alt wie der internationale Handel selbst. Teile der Wirtschaft haben kein Interesse daran, entweder im eigenen oder in einem anderen Land durch Zölle oder protektionistische Politik behindert zu werden. Andere Teile der Wirtschaft wollen hingegen durch Zölle und Protektionismus gegen die Konkurrenz aus dem Ausland geschützt werden – dazu zählt in Europa beispielsweise die Agrarwirtschaft. Freunde des Freihandels begründen den Abbau von Handelsschranken dabei immer wieder gerne mit dem Argument, Freihandel würde Wachstum schaffen. Doch dieses Argument ist in einer globalisierten Welt reichlich schräg und gilt streng genommen nur dann, wenn der Freihandel die eigene Seite deutlich gegenüber der anderen Seite bevorteilt. Bereits im ersten Semester lernt jeder Ökonomie-Student, dass sich das Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen nach der Formel BIP = C (Konsum) + I (Investitionen) + G (Staatsausgaben) + Ex (Exporte) – Im (Importe) berechnet. Der Freihandel lässt zwar die Summe der Exporte steigen, gleichzeitig steigt jedoch auch die Summe der Importe. Ein „faires“ Freihandelsabkommen, von dem beide Seiten gleichzeitig profitieren, ist somit wachstumsneutral. In der Praxis geht es auch selten um die absoluten Zahlen, sondern meist nur um Handelsströme. Wer in einer Freihandelszone ist, hat deutliche Vorteile gegenüber Mitbewerbern, die außerhalb dieser Freihandelszone sind. Es wird globale dadurch kein Wachstum geschaffen, es werden lediglich Handelsströme umgelenkt.

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    Grün ist die Täuschung

    geschrieben am 21. Februar 2013 von Gastautor

    ein Gastartikel von Roberto De Lapuente

    Die Grünen sind linkes Geschmeide; sozialer und ökologischer Putz. Wer sich mit der Nähe zu den Grünen auftakelt, den nimmt man ein sozial-ökologisches Gewissen ab. So wie neulich dem Herrn Kramm. Den kennt man unter seinen Kose- und Künstlernamen Heino besser. Und der meinte ganz keck, nachdem man ihn in einem Radiointerview (bei Radio FFH) fragte, ob er denn tatsächlich politisch rechts einzustufen sei, dass das blanker Unsinn wäre. Er habe nämlich eine Nähe zu grün, sagte er. Ja, er war sogar der erste Grüne, weil er schon von Wiesen, Bergen und Almen gesungen hat, als es die Grünen noch gar nicht gab. Dieser typisch romantisierte Öko-Schmus ist natürlich Quark. Von Tannen und Waldesfrieden und nebenbei im gleichen Text von “Odalrune auf blutrotem Tuche” sang schon die HJ. Keiner käme da auf die Idee, in der HJ die ersten grünen Jungmannen sehen zu wollen. Seine zweite Aussage dazu war dann jedoch schon interessanter.

    Kramm sagte nämlich, dass es im Zuge der grünen Parteigründung gegenseitigen Kontakt gab. Die sich formierenden Grünen klingelten nämlich einfach so an seiner Türe und wollten ihn ins Boot holen, boten ihm die Parteimitgliedschaft an. Aber da er ein parteiloser Mensch sei, habe er ablehnen müssen. Das klingt wirklich nach Reinigung aller braunen Flecken und ein bisschen auch nach Adelsschlag, haben doch die Grünen selbst Heino als einen der ihrigen erkannt gehabt. Nur welche Grüne waren das damals eigentlich?

    Denn wer da klingelte, sagte er natürlich nicht. Waren es die Leute um Baldur Springmann, diesem ehemaligen SA- und SS-Mann, die einen grünen Blut- und Bodenmythos nachliefen und die aus Gründen der völkischen Erbgesundheit gegen Atomkraftwerke waren? Oder handelte es sich um den ökosozialistischen Flügel um Ditfurth, Trampert und Ebermann, die ins beschauliche Bad Münstereifel pilgerten, begeistert von Heinos Naturverbundenheit? Klopfte gar Herbert Gruhl samt Entourage an die Türe und bat um Mitgliedschaft, während er synchron seine steile These von den “überzähligen Bevölkerungen” rezitierte? Später sah Gruhl das zu linke Programm der Grünen – der soziale und ökologische Flügel hatte sich zunächst durchgesetzt – als zu materialistisch beseelt an, weswegen er austrat. Wie hätte er sozialen Ausgleich schaffen wollen? Durch esoterische Selbstgenügsamkeitslehren? Oder bat vielleicht die Aktion Unabhängiger Deutscher, die auch im Gründungsprozess verwickelt war, um Kramms Mitwirkung? Ob es wohl eine von Haustür zu Haustür wandernde K-Gruppe war? Waren es am Ende vielleicht sogar Feministinnen, die seine Texte von der “schwarzen Barbara” und etwaigen “feschen Maderln” für emanzipatorisch so wertvoll hielten, dass sie sie parteilich einbinden wollten?

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