Die islamistische Revolution frißt ihre Mutter
geschrieben am 02. Januar 2008 von Spiegelfechter
De mortuis nil nisi bene (Über die Toten (rede) nur wohlwollend) – so lautet das Credo der deutschen Presselandschaft, wenn es um die ermordete pakistanische Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto geht, die in rührseligen Nekrologien als madonnengleicher Hoffungsschimmer für die Demokratisierung des südasiatischen Landes besungen wird. Für die Verschwörungstheoretiker von GlobalResearch.ca und PrisonPlanet.com stecke niemand anderes als die CIA und Bush/Cheney hinter dem Mord. Beide Extreme blenden die überragende Rolle Pakistans für die amerikanische Nahost-Politik und die politischen Realitäten in diesem Land indes aus.
Pakistan gehört zu den korruptesten Ländern der Welt und hat keine demokratischen Traditionen nach westlichen Maßstäben. Über die Jahrzehnte haben sich im Land zwei Parteien ausgebildet, die sich als Klientelvertreterinnen elitärer Cliquen und Wahlvereine der Sharif- und Bhutto-Clans etabliert haben. Hinter Sharif und der Muslimliga stehen die Interessen einiger weniger Industrieller aus dem Punjab, der Bhutto-Clan vertritt die Interessen einiger weniger Großgrundbesitzer aus dem südpakistanischen Sind. Bei diesen Parteien handelt es sich aber nicht um pluralistische Volksparteien nach westlichem Muster, sondern um kleptokratische Zweckbündnisse, die ihre Pfründe an den verteilen, der ihnen wohl gesonnen ist. Gemeinden und Regionen, in denen die Partei der gerade herrschenden Clique besonders gut abgeschnitten hat, werden mit Krankenhäusern oder neuen Straßen bedacht, während die Gebiete der Konkurrenz bis zum nächsten Putsch ausharren müssen.
Putsche sind in Pakistan an der Tagesordnung und neben den beiden großen Parteien spielt auch die allmächtige Armee immer wieder die Rolle des Königsmachers. Haben andere Staaten Armeen, so hat die pakistanische Armee einen Staat – die 1,4 Millionen Mann zählende Armee bekommt nicht nur ein Viertel des Staatsbudgets, sondern ist auch Pakistans größter Landbesitzer, Bauunternehmer und Immobilienbesitzer. Ähnlich wie die elitären Cliquen, belohnt sie treue Gefolgsleute mit Land und Pfründen – die Generäle zählen nach ihrem Aufstieg in den Generalsstab allesamt zur millionenschweren Elite des Landes. Ein weiterer Machtfaktor ist der pakistanische Geheimdienst ISI, der der Armee formal unterstellt und ein Staat im Staate ist.
Trotz seiner militärischen Stärke und seines Atomprogramms ist Pakistan ein Drittweltland mit einer riesigen Kluft zwischen einer reichen und korrupten Oberschicht und der verarmten breiten Masse des Volkes. Diesen Umstand haben sich in letzten Jahren die Islamisten zu Nutze gemacht, deren fundamentalistische Propaganda vor allem bei der ungebildeten und chancenlosen Unterschicht auf fruchtbaren Boden fällt. In den letzten Jahren sind zehntausende Medresen (Koranschulen) entstanden, die unabhängig vom Staat, weitestgehend unkontrolliert und aus unbekannten Quellen finanziert, Kinder und Jugendliche aus den ärmeren Schichten kostenlos und bei freier Unterkunft und Verpflegung unterrichten. Der dort vermittelte Islam ist oft ultraorthodox und entspricht nicht den Lehren der großen sunnitischen Schulen. Besondere Bedeutung haben diese Koranschulen zu Zeiten der sowjetischen Besatzung Afghanistans bekommen, da ein Großteil der pakistanischen Mudschaheddins mit tatkräftiger Unterstützung von CIA und ISI aus ihren Reihen rekrutiert wurde. Präsident Musharraf hatte bereits mehrfach versucht, den Einfluss dieser Koranschulen zu beschneiden und sie unter staatliche Aufsicht zu stellen, scheiterte jedoch stets daran, dass diese Schulen von einflussreichen Kreisen aus Militär und dem Geheimdienst protegiert wurden. Der Einfluss der Islamisten konnte somit stetig wachsen, so dass man sie mittlerweile als vierte Kraft im Lande bezeichnen kann.
Vor allem in den paschtunisch dominierten Waziristan, im südpakistanischen Baluchistan und in Teilen der an Afghanistan grenzenden Nordwest-Provinzen haben weder die Zentralregierung noch die Armee das Sagen. Anders als in anderen Landesteilen, haben hier die Islamisten de facto die exekutive und legislative Macht, und in diesen Landesteilen findet eine schleichende „Talibanisierung“ statt. In den anderen Landesteilen hat der politische Islam so gut wie keine Basis – Pakistan ist ein gespaltenes Land und ein Funken könnte ausreichen, um einen Flächenbrand zu entfachen. Jahrzehntelange Korruption und Misswirtschaft haben das Land in ein Pulverfass verwandelt.
Benazir Bhutto bildete hierbei keinesfalls eine Ausnahme – unter ihrer Ägide ging es den Pakistanis keinen Deut besser, die Korruption blühte unvermindert, Menschenrechte wurden systematisch missachtet und die Taliban wurden vor allem von ihr gestärkt und instrumentalisiert, um Afghanistan dem Einfluss solcher Rivalen wie Indien und Iran zu entziehen. Aufgrund ihrer finanziellen und materiellen Unterstützung wird Benazir Bhutto auch Mutter der Taliban genannt. In Pakistan und England wird gegen den Bhutto-Clan wegen Korruption ermittelt, die Schweiz hat über 13 Mio. US$ des Clans eingefroren, die anscheinend aus illegalen Einkünften stammen. Benazir Bhutto stand auch unter Verdacht, in ihrer Regierungszeit den eigenen Bruder Murtaza umbringen zu lassen. Der Illusion zu verfallen, faire und freie Wahlen würden in einem Staat wie Pakistan zu einer demokratischen Gesellschaft nach westlichem Muster führen, wäre denn Frau Bhutto gewählt worden, ist also mehr als naiv.
Bhuttos Rückkehr aus dem Exil im noblen Dubai beruht auf einem Deal mit Musharaff, der seit über einem Jahr von den USA eingefädelt wurde. Aus Angst vor einem Wahlerfolg der „gemäßigten“ Islamisten hat man Muscharaff dazu überredet, das Amt eines zivilen Präsidenten einzunehmen, der zusammen mit der mutmaßlich gewählten Ministerpräsidentin Bhutto den Einfluss der Islamisten eindämmen könnte. Beide Politiker zeigten sich pro forma Anhänger von Bushs „War on Terror“ und hatten begründete Interessen, mit den Islamisten nicht mehr Formelkompromisse einzugehen, als es unbedingt nötig wäre. Musharaff, der das Image der Armee beim Volk ruiniert hat, kann sich wiederum keinen proamerikanischen Kurs leisten, wenn er nicht durch demokratisch legitimierte Kräfte in seinem Handeln gestützt wird. Eine Abkehr Washingtons von ihm würde es als (ehemaliger) Armeechef nicht überleben – die Unterstützungszahlungen in Höhe von rund 10 Mrd. US$ sind seine Rückversicherung gegen antiamerikanische Kritiker aus den Reihen der Geheimdienste und des Militärs. Ohne diesen Schmierstoff würde das korrupte Getriebe ins Stocken geraten und es wären wahrscheinlich Kreise der Militärs, die den Islamisten weitaus offener gegenüberstehen, die ihn wegputschen würden.
Dies ist Washingtons Albtraum, der nach der Ermordung Bhuttos zum Damoklesschwert zu werden droht. Die USA können kein Interesse am Tod Bhuttos haben; ihr Wahlsieg wäre für Washigtons Strategen die beste aller möglichen Varianten gewesen. Der regionale Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte Admiral Fallon hatte bereits harsche Kritik an den US-Truppenaufstockungsplänen im Irak geübt, da er in der fragilen Situation in Pakistan eine wesentlich größere Bedrohung für die US-Interessen sieht, für die die USA “dank” ihres Engagements in Irak und Afghanistan im Worst Case kaum mehr Mittel übrig haben. Auch die überraschende Entwarnung der US-Geheimdienste über Irans Nuklearprogramm könnte im Zusammenhang mit einer prognostizierten Krise in Pakistan stehen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden warnte schon vor Monaten, “Iran wegen 2,6 Kilogramm Uran anzugreifen und damit das pakistanische Regime zu stürzen”. Pakistan sei das brennende Problem und nicht etwa Iran – mit dieser Einschätzung steht Biden nicht alleine da.Ohne Kooperation von Pakistan ist an einen Erfolg der NATO-Strategie in Afghanistan nicht mehr zu denken. Auch die deutschen Truppen im “ruhigen” Kunduz wären akut gefährdet, wenn die Taliban Rückenwind bekämen. Ein nuklear bewaffneter islamischer “failed State” im Herzen Südasiens wäre ein herber Schlag für die Außenpolitik des Westens. In Pakistan geht es nicht um Demokratie oder gar Menschenrechte, es geht um nichts geringeres als die Zukunft der geostrategischen Pläne des Westens in diesem Region.
Benazir Bhutto war bei Ankunft in Pakistan ein “Dead Woman Walking” – sie stellte nicht nur eine Bedrohung für die Taliban und die Islamisten , sondern auch für fundamentalistische Kreise im Militär und im Geheimdienst dar. Ob es wazirische Fundamentalisten rund um Taliban, Al-Quaida oder den Takfiris waren, die als Täter am wahrscheinlichsten sind, hat nun eine untergeordnete Bedeutung.. Ohne die Mithilfe oder zumindest die Mitwisserschaft von Kreisen des ISI, der tief in die Islamistenszene eingebunden ist, wäre ein derart konspirativer Anschlag im Herzen des Militärapparates sicherlich nicht durchführbar gewesen. Muscharraf selbst kann kein Interesse an diesem Anschlag gehabt haben, denn dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, seine jüngst begonnene Amtszeit bis zum Ende wahrnehmen zu können, doch auf Null.
Jens Berger
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Nicht zuletzt die 
Die öffentliche Diskussion über Managergehälter ähnelt in ihrer ganzen Aufgeregtheit einer Nebelkerze, die den Blick auf die sozialen und wirtschaftlichen Realitäten in diesem Land verwischt. Niemanden wird es besser gehen, wenn Herr Ackermann nur noch die Hälfte an Bezügen bekommt. Sicher, die extrem hohen Bezüge einiger Herrschaften der Belle Etage der deutschen Wirtschaft mögen ungerecht erscheinen – dies sind sie auch, aber letztendlich sind sie Marktpreise. Mc Donalds bezahlt dem Boulevard-Schönchen Heidi Klum ähnliche Summen dafür, dass es sich grinsend mit einem Burger in der Hand ablichten lässt.
Auf solch nahe liegende Lösungen kommt die Politik natürlich nicht – man will es sich ja nicht mit den Ackermännern verscherzen. Stattdessen wird von allen Seiten auf die Idee des Mindestlohnes eingedroschen. Professor Sinn, dessen Foto neben
Das weiß freilich auch Herr Professor Sinn, und um solche Hindernisse des freien Marktes abzubauen, fordert er ein Kombilohnmodell. Dabei schwadroniert er von einer möglichen Vollbeschäftigung, die geschaffen werden könnte, wenn Arbeit, die momentan für Unternehmen in Deutschland nicht bezahlbar sei, durch staatliche Zuschüsse bezahlbar gemacht würde. Dieses Argument ist derart schizophren, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken, was Herr Professor Sinn damit genau meinen könnte.
Warum sollte ein Unternehmen seinen Niedriglohnempfängern in einem solchen Falle überhaupt Löhne bezahlen, die nicht durch Staatsbeihilfen substituiert werden könnten? Darauf hat auch Herr Sinn keine Antwort, außer die des Mantras vom freien Markt, der dies schon irgendwie regeln wird. Da aber kein Arbeitkraftanbieter für den gleichen Lohn arbeitet, den der bekäme, wenn er nichts täte, würde Sinns Kombilohnmodell darauf hinauslaufen, dass der volle ALG-II Regelsatz auf den Hungerlohn der Unternehmen zugeschlagen würde. Der Arbeitnehmer hätte dann i.d.T. einen Anreiz, der Unternehmer würde sich freuen, mitten in Deutschland nur Drittweltlöhne zahlen zu müssen. Nur einer würde sich dabei ärgern – der Steuerzahler, also der Bürger, dessen Gelder direkt Unternehmen subventionieren würden, die nur Hungerlöhne zahlen. Dies soll der freie Markt sein? Nein Herr Sinn, Subventionen sind doch nach ihrem eigenen Duktus „Teufelszeugs“ und kein Element eines freien Marktes.
Eine gute Nachricht mal gleich zu Beginn: Die Klimakatastrophe war ungültig, das Wetter war gedopt. Es kann aber auch sein, dass ich da etwas verwechsle. Zurück zum Anfang. Mangelndes Interesse war der Grund, dass der Winter dieses Jahr ausfiel. Zudem musste sich das Wetter den katastrophalen, ja geradezu apokalyptischen Nachrichten der Medien unterwerfen, dass nämlich in 13 Jahren sowieso alles vorbei sei mit der Welt, den Menschen und dem ganzen Rest. Diese ständige Klimaerwärmung konnte das Wetter aber nicht aufrecht erhalten und ließ, trotz großem Interesse, auch den Sommer ausfallen. 
Apropos Klima. Eine weitere Meinung war in diesem Jahr übrigens noch von Angela Merkel zu hören: Sie ist gegen die Klimakatastrophe. Die Regierung, der Bundestag und alle anderen schlossen sich dieser Meinung an. Was allerdings nicht verhinderte, dass die Energiekonzerne auch weiterhin Kohlekraftwerke mit riesigem CO2-Ausstoß bauen dürfen. Mit Subventionen. Doch das macht alles gar nichts, denn die Welt wird durch Aktionen wie Licht-Ausschalten für fünf Minuten gerettet. Und durch laute Konzerte gegen das Wetter und den G8-Gipfel. Und dass das Wort des Jahres 2007 „Klimakatastrophe“ lautet, ist auch nicht weiter überraschend. Das Rennen um den Titel „Tier des Jahres“ hat dagegen nicht wie vermutet der Eisbär gemacht, sondern der Elch. Darauf ein dreifaches Hurra, Vive le Elch!
700 Euro soll jeder Deutsche im nächsten Jahr durchschnittlich mehr in der Tasche haben, so meldet es die GfK in ihrer aktuellen Studie zur Kaufkraft. Den SPIEGEL verleitet dies zu der kühnen
So viel Optimismus hat selten eine Studie ausgestrahlt. Aber sind diese absurd hohen Zahlen auch nur ansatzweise gerechtfertigt? Ja, man darf sie nur nicht wörtlich nehmen, da die Zahlen, die einen Durchschnitt aus einem breiten Pool mit wenigen aber dafür um so extremeren Ausreißern darstellen, nur selten aussagekräftig sind.
Würde man sauber rechnen und jeder Erwerbsperson 3,8% mehr Einkommen zurechnen und die Inflation von 2%, mit der die GfK arbeitet, auf alle Einkommensarten gegenrechnen, so erhielte man nur noch 150 Euro “Kaufkraftzuwachs” pro Nase und selbst das wäre noch unangemesen optimistisch. Der IWF geht für 2008 von einer
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Kommentare
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@Peleo # 114 Die Nazis waren also Deiner Meinung nach immer noch besser als die SPD? Keine...
Vieleicht sollte man Herrn Harlin noch den Herrn Uwe Boll zur Seite stellen.. nur um ganz sicher...
@ Spiegelfechter #53 Ich habe nie behauptet, daß Abchasien und Südossetien ein integraler...
Lieber Jens, Ich wusste gar nicht, dass Du in der deutschsprachigen Jury der Best oft the...
Einige Blogs kannte ich noch gar nicht. Da sind echte Perlen bei. Danke dafür. “Der...