Wenn das Verhältnis der arbeitenden Bevölkerung gegenüber den Rentenbeziehern das einzige Kriterium der Finanzierbarkeit wäre, hätte unser Rentensystem schon viel früher zusammenbrechen müssen. Bei Bismark war es etwa 10:1, heute etwa 3:1. Geht man also von einem dynamischen Finanzierungsmodell unter Berücksichtigung der Produktivität aus, sind auch demographische Verschiebungen zu stemmen - natürlich nicht unbegrenzt, Anpassungen werden nötig sein, aber die private Altersvorsorge zu Lasten der gesetzlichen Rente zu fördern halte für eine Mißachtung des demokratischen Mehrheitswillens. Andere europäische Länder, beispielsweise die Schweiz beweisen, dass die gesetzliche Rente durch die Teilnahmer aller Berufsgruppen zukunftsfest gestaltet werden kann.
Was soll denn die Alternative sein? Die kapitalgedeckte Rente stellt möglicherweise höhere Renditeerwartungen in Aussicht, ist aber den Turbulenzen der Weltmärkte ausgesetzt, muss genauso vom Arbeitnehmer (ohne Arbeitgeberbeitrag) geschultert werden und führt in vielen Fällen zu einem Nullsummenspiel, wenn man sich die DIW Prognose zur Rentenerwartungen bei Niedrigverdienern ansieht.
Der Umstand, dass die Bevölkerung in Schweden und in der Schweiz zu weit über 50% ihrem gesetzlichen Rentenmodell vertrauen, dagegen aber weniger als 20% der deutschen Bevölkerung, ist aus meiner Sicht kein Zufall, sondern schlicht hausgemacht.